Berg, H.: Die Kontinentalität Europas und ihre Änderung 1928/37 gegen 1888/97. 125
um SO verschiedener, je mehr der k-Wert von 1 verschieden ist. Dinies hat
offenbar an den ersten Weg gedacht. Logischer erscheint es jedoch, den zweiten
Weg zu wählen, also T, P, X und I aufzuteilen. Denn für einen Ort, der stets
in Mischluft liegt, ergibt sich so der sinnvolle Kontinentalitätsgrad 1, während
sich nach dem anderen Verfahren ein unbestimmter Wert ergibt. In dieser Unter-
suchung wird also so verfahren werden, daß die Luftkörper P, T, X und I je
zur Hälfte den maritimen bzw. kontinentalen zugeschlagen werden,
Für rein maritimes Klima ergibt sich k = 0, für rein kontinentales k = 00,
für ein Klima mit gleichen Bestandteilen maritimer und kontinentaler Luft k = 1.
Die zu Anfang genannten Definitionen dagegen geben den Kontinentalitätsgrad
an in Prozent des reinen Landklimas, d, h. die entsprechenden Werte sind 0, 100
and 50%. Es wäre also für einen Vergleich die Häufigkeit der kontinentalen
Luftkörper nicht in Beziehung zu setzen zu derjenigen der maritimen Luftkörper,
sondern zur Gesamtsumme der Tage, also bei unserem Berechnungsverfahren zur
Summe C-+ M, Es ist also zu definieren
K= SS,
O+M
k und K hängen miteinander zusammen gemäß der Beziehung
Kom k/(k +33).
In der Festlegung der Luftkörper liegt zweifellos ein gewisses subjektives
Moment und damit auch in der Bestimmung des Kontinentalitätsgrades, Das ist
ein Nachteil gegenüber der Bestimmung aus der Amplitude des jährlichen Tempe-
raturganges. Die Hoffnung, daß sich die Fehler in der Festlegung der Luft-
körper im Mittel gegenseitig aufheben, ist allerdings sehr begründet, da es hier
ja letzten Endes nur auf die Entscheidung, ob kontinentaler oder maritimer
Luftkörper, ankommt. ;
Die vorliegende Untersuchung befaßt sich mit dem Kontinentalitätsgrad des
Klimas von West-, Mittel- und Nordeuropa. Und zwar sind die beiden Dezennien
1888 bis 1897 und 1928 bis 1937 zugrunde gelegt, um zu sehen, ob sich irgend-
welche über größere Flächen einheitliche Klimaänderungen festlegen lassen. Für
das erwähnte Gebiet kann man die Linkesche Luftkörperklassifikation als gültig
ansehen. Zur Festlegung der Luftkörper für eine ausgewählte Reihe synoptischer
Stationen wurden die 8:. Karten des Täglichen Wetterberichtes der Deutschen See-
warte benutzt. Für die deutschen Stationen der Jahre 1929 bis 1936 konnte die
bereits von Linke veröffentlichte Zusammen-
stellung‘ von Dinies (s) übernommen werden,
die mit den beiden Jahren 1928 und 19837 er-
gänzt wurde, Dabei wurden, wie schon erwähnt,
X, I, T und P je zur Hälfte auf © und M. ver-
teilt. Für die übrigen Stationen und Jahre mußte
lür jeden Tag der Luftkörper bestimmt werden,
und zwar wurde nur entschieden, ob es sich um
einen kontinentalen oder maritimen Luftkörper
handelte, Infolgedessen traten hier von vorn-
herein die Fälle X, I, T und P zurück.
Es liegt im Wesen des Luftkörperbegriffes, - a
daß Umwandlungen eines Luftkörpers in einen =“ 5 3 $ 42
anderen stattfinden, daß also kontinentale Luft Fis- 1. Werte des Kontinentalitäts-
vv. x 3 grades aus n aufeinanderfolgenden
zu maritimer wird und umgekehrt, wenn ur- Jahren (Pinsk}.
sprünglich maritime Luft längere Zeit über das
Festland fließt oder über dem Festland stagniert. Wie rasch diese Umwandlung
yeht, ist örtlich und zeitlich verschieden.
Ein Vorteil dieser Festlegung des Kontinentalitätsgrades gegenüber der aus
dem Jahresgang der Temperatur darf nicht unerwähnt bleiben. Sie gestattet es,
den jährlichen Gang der Kontinentalität zu verfolgen, der ja zweifellos vorhanden
ist (vgl. den europäischen Monsun). Dieser jahreszeitliche Unterschied ist aus den
Amplituden des Jahresganges der Temperatur nicht zu erfassen.
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