Kleine Notizen.
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die Cabras-Inseln gut kenntlich gemacht ist, dafs sie jedoch wenig geschützt
ist, und kleinen Schiffen nur einen mittelmäflsigen Ankerplatz bietet. Es steht
daselbst. stets ziemlich starke Dünung. Am Tage wehte frischer Seewind, der
aber Nachmittags so stark wurde, dafs er Seegang verursachte. Des Nachts
wurde es regelmäfsig windstill, das Schiff kam dann quer zur Dünung zu liegen
und schlingerte stark... Am Strande vor der Stadt kann man mit Booten bequem
landen, doch ist nur am Zollhause eine Anlegebrücke zum Abladen von Waaren
yorhanden. Boote und Prähme, welche beim Zollhause nichts zu thun haben,
müssen auf den Strand laufen. Der Waarentransport vom Lande nach den
Schiffen und umgekehrt geschieht mittelst gröfserer Prähme, ist aber, da der
Ankerplatz der kleineren Schiffe 1600 m und der der grofsen Dampfer 2200 m
von der Stadt entfernt ist, sehr langwierig. Die Ausfuhr von Kaffee und Kakao
ist indefs in den letzten Jahren bedeutend geworden und nimmt noch beständig
zu. Das Portugiesische Gouvernement unterhält ein Kohlenlager von etwa
800 Tonnen; im Handel waren zur Zeit nur 100 Tonnen Kohlen vorräthig.
Durch die Portugiesischen Postdampfer werden beständig Ochsen aus Mossamedes
eingeführt, und ist daher frisches Rindfleisch stets zu haben. An. Gemüsen und
sonstigem frischen Proviant, sowie an Dauerproviant ist wenig vorhanden. Nur
Kaffee ist gut und sehr billig. — Die Stadt liegt auf niedrigem feuchten Boden,
ist, weil durch Hügel der Zutritt der Seebriese verhindert wird, sehr heifs und
goll höchst ungesund sein, Es kommen fortwährend gefährliche Fieber vor und
die dort stationirten Portugiesischen Kriegsschiffe haben viele Verluste — das
hochgelegene bergige Innere der Insel soll dagegen ein ziemlich gesundes
Klima haben. — Aufser einer kleinen Truppe Polizeisoldaten (Neger) ist keinerlei
Militär am Orte.
14. (D.S.) Die Insel Aves de Sotavento (Westindien). In dem
meteorologischen Journal der Deutschen Bark „Maria“, Kapt. J. G. Rioke,
findet sich die folgende Aufzeichnung: „Am 15. August 1886 verlielßsen wir um
12 Uhr Mittags Porto Cabello in Ballast, um nach den Aves-Iuseln zu segeln
und dort eine Ladung Guano für New-York zu laden. Um 8'%* a, m. den
16. August sahen wir die westlichste der Inseln, die Insel Aves de Sotavento,
unsere Bestimmung, 6 Sm luvwärts von uns. Wir kreuzten in Lee der Insel
und der Riffe, wo wenig See war, auf und erreichten den Ankerplatz, eine
halbe Seemeile in Lee der Insel, um 4 Uhr Nachmittags. Die Wassertiefe auf
diesem Ankerplatz beträgt 7,2 m — 4 Fad. — und wenn derselbe auch ganz
sicher ist, so lagen wir dort doch ‚schlecht, weil wegen der Kleinheit der Insel
und des strammen Passates eine bedeutende See stand. Wenn der Passat eine
nördlichere Richtung hat und die nördlichen Korallenrife bessern Schutz ge-
währen, wird es jedenfalls besser dort vor Anker liegen. Je südlicher der Wind,
desto mehr Seegang steht auf der Rhede von Aves de Sotavento.“
15. (D. S.) Einige Bemerkungen über San Blas, Mazatlan und
Tumaco. Von Kapt. J. Denker, Führer der Deutschen Bark „Atalanta“:
Während meines Aufenthaltes in San Blas, vom 14. August bis 4. September
1886, hatten wir jeden Abend schwere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen
und heftigen Böen aus allen Himmelsrichtungen. Dabei lief eine hohe südliche
See, die das Löschen der Ladung oft tagelang zur Unmöglichkeit machte, da
die Barre nicht zu passiren war. Die Strömung setzte dicht unter der Küste
stets nach N, während ich aufserhalb von Piedra Blanca del Mar nur eine süd-
östliche Strömung beobachtet hatte.
Nach einem dreiwöchentlichen Aufenthalt versegelten wir nach Mazatlan,
zu welcher Reise 9 Tage benöthigt waren, da wir gegen nordwestlichen Wind
aufzukreuzen hatten. In Mazatlan, wo die Schiffe in dieser Jahreszeit aufserhalb
der Insel Crestin liegen, hatten wir durchweg gutes Wetter und ruhige See,
Die Schwankungen des Barometers waren sehr gleichmäfsig; dasselbe fiel von
12 Uhr Mittags bis 8 Uhr Abends 2 mm und begann dann wieder zu steigen.
Am 26. September verliefsen wir Mazatlan, um nach Tumaco zu segeln
und dort eine Ladung Steinnüsse für Hamburg zu laden. Am 15, Oktober
erreichten wir mit Unterstützung eines Lootsen zur Zeit des Hochwassers um
3* p. m. unsern Ankerplatz in Twumaco. Auf der flachsten Stelle, die wir auf
der Barre passirten, fanden wir eine Wassertiefe von 5,4m — 3 Fad, — Der
Flufs, an dem Tumaco liegt, ist voll von Sandbänken und so schmal, dafs man
nicht aufkreuzen kann, sondern aufwarpen mufs, eine Arbeit, zu welcher