Bemerkungen über die Aden-Cyklone vom Juni 1885.
mufste der Schiffsort nach Besteckrechnung, da keine Observation möglich war,
13° 4 N-Br und 51° 12‘ O-Lg sein. Es wurden dann bis zum nächsten Mittag,
den 3. Juni, mit einem mw. Kurs N 88° O0 168 Sın zurückgelegt und darauf der
Schiffsort durch Observation in 14° 36‘ N-Br und 53° 40‘ O-Lg festgestellt.“
Da nach der Loggrechnung der Ort am Mittag des 3. Juni 13° 19“-N-Br
und 54° 3‘ O-Lg sein sollte, hatte in den: zwei Tagen seit dem Mittage des
|. Juni, während welcher Zeit keine astronomischen Beobachtungen möglich
waren, eine Versetzung von 77‘ nach Norden und 23‘ nach Westen stattgefunden.
Es ergiebt sich also, dafs in der That die Angabe über den Ort, wo das Schiff
in den Orkan gerietb, ziemlich unsicher ist. Wenn man aber bedenkt, welch
starke Strömungen in dem in Frage stehenden Gebiete schon unter gewöhnlichen
Umständen auftreten, so wird man eine solche Versetzung bei dem zur Zeit
herrschenden Wetter leicht erklärlich finden, ohne dafs man, wie Herr Clou€
thut, die Zuverlässigkeit des Schiffsführers in seinen Angaben in Frage zu ziehen
braucht. Dieser Fall zeigt auch, welche Unsicherheit überhaupt allen an-
gegebenen Schiffspositionen . anhaftet, die wohl sämmilich, da astronomische
Ortsbestimmungen nicht möglich waren, nur durch Loggrechnung erhalten worden
sind. Wir sehen davon ab, das Besteck des „Triton“ unıer Zugrundelegung
der gefundeuen Versetzung für die Zwischenzeit zu berichtigen, da es nach
unserer Ansicht unter den vorhandenen Umständen wahrscheinlicher ist, dafs
die Strömung sich im Laufe der zwei Tage vom 1. bis 3. Juni veränderte, als
dafs .sie immer dieselbe war,
Zur weiteren Richtigstellung der Bemerkungen, auf welche Herr Cloue
seine Voraussetzung der Unzuverlässigkeit des Berichtes vom Dampfer „T7riton“
gründet, ist hier noch anzuführen, dafs die Angabe, schon um 4'/* a. m., eine
halbe Stunde, nachdem das Schiff in die Cyklone eingetreten, wäre der Wind
von NW nach W umgelaufen, in dem von der Direktion in diesen „Annalen“
veröffentlichten Bericht keineswegs enthalten ist. Die Bemerkung bezüglich der
von „Triton“ vom Mittage des 1. bis 4 a.m. des 2. Juni eingehaltenen, von
Herrn Clou€ ebenfalls angezweifelten Fahrgeschwindigkeit erledigt sich durch
den von uns angeführten nachträglichen Bericht des Kapitäns.
Auch die Gründe, aus welchen Herr Clou€ den Bericht des Kapitän
Horstmann vom Dampfer „Asia“ für wenig vertrauenswürdig erklärt, müssen
wir — ganz abgesehen davon, dafs nach unserer Ansicht nur viel schwerer
wiegende Gründe zu einer solchen Anschuldigung berechtigen sollten —-.als
durchaus nicht stichhaltig bezeichnen.
Zunächst wird die Richtigkeit der Angabe bezweifelt, dafs das Schiff
vom Mittage des 1. Juni bis Mitternacht, während welcher Zeit es 10 Stunden
unter vollem Dampf fuhr, nur 78 Sm zurückgelegt hätte, und geschlossen, dafs
es wohl richtiger ungefähr 90 Sm heifsen müsse. Nun ergiebt aber das vor-
liegende Journal, dafs „Asia“ im vorhergehenden Etmal bei gauz flauer Briose
and ruhiger See nur durchschnittlich 8 Kn machte. Es darf deshalb wohl an-
genommen werden, dafs später, als das Schiff die hohe Nordost-Dünung gegen
sich hatte, die Geschwindigkeit unter vollem Dampf nicht mehr als 7 bis 7'/4 Kn
betrug, und würden unter dieser Annahme für die zwei Stunden von 10% bis
Mitternacht, während welcher man mit halber Kraft fuhr, noch 6 bis 8 Sm
übrig bleiben. Wir glauben deshalb, dafs in Bezug auf diesen Punkt ein Irrthum
in der Angabe nicht vorausgesetzt zu werden braucht.
Eine weitere Auslassung des Herrn Clou€ über den Bericht des Kapitäns
betrifft folgende Stellen: „Am 2, Juni um Mitternacht war die See aus N und
NW schon so hoch geworden, dafs ich, nachdem ich schon von 10* p.m. mit
halber Kraft hatte fahren lassen, mich genöthigt sah, das Schiff an den Wind
zu legen, und zwar auf Nordkurs, so dafs wir die höchste See recht von vorn
hatten“, und ferner in demselben Abschnitte des Berichtes: „Alles am Schiffe
zitterte, so dafs ich glaubte, dafs die „Asia“ die Gewalt des Orkans nicht aus-
halten würde. Doch lag das Schiff unter dem schweren Druck des Windes
sehr ruhig, und da es die gewaltig hohe nördliche See — die einzige, die ich
von 4 bis 6 Uhr Morgens wahrgenommen — recht von vorn hatte, so konnte
28 auch dieser widerstehen“.
Bei der ersten Stelle findet Herr Clou& es nicht mit einander vereinbar,
dafs das Schiff auf Nordkurs gelegt sein und zugleich nach der gegebenen Ueber-
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