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Bemerkungen über die Aden-Cyklone vom Juni 1885
glauben wir, dafs, wenn eine Cyklone in einen relativ engen Meeresarm ein-
dringt, sie die Neigung hat, der Linie geringsten Widerstandes zu folgen, und
es erscheint uns unmöglich, anzunehmen, dafs dieser grofse Wirbel vier Mal
seine Richtung geändert haben könne in einem relativ engen Raume, und so
von einer Seite des Golfs nach der anderen gewandert sei.“
Ebenso, wie gegen die Abweichungen der Bahn des Centrums von der
geraden Linie, protestirt Herr Cloue auch gegen die von der Seewarte an-
genommenen Schwankungen in der Geschwindigkeit seines Fortschreitens. Indem
wir bereitwillig die erneute Prüfung dieser Frage acceptiren, glauben wir nur
nochmals, im Interesse der Forschung, Einwand erheben zu sollen gegen die
so sehr verbreitete Annahme, dafs alle diese Punkte bei tropischen Cyklonen
weit gröfsere Regelmäfsigkeit zeigen, als wir sie bei den Europäischen De-
pressionen täglich sehen. Herr Cloue warnt selbst an verschiedeuen Orten
seiner beiden Aufsätze vor der Auffassung, dafs alles in diesen grofßsen Störungen
des Gleichgewichts so regelmäfsig vor sich ginge; aber er scheint diese War-
nung nur auf den Wind zu beziehen, dessen gelegentliches Zurückgehen oder
Abflauen er als „Caprice“ (II. Abb, S. 194) oder als eine Art „Unentschlossen-
heit“ (S. 203) bezeichnet. Die Erfahrung an den Europäischen Wirbeln zeigt,
dafs wenigstens ein Theil dieser „Launen“ mit Unregelmäfsigkeiten der horizon-
talen Druckvertheilung deutlich zusammenhängt, während andere (kleinere) an-
scheinend ohne Aenderung des Gradienten, vermuthlich durch vertikalen Luft-
austausch, zustande kommen. Dafs indessen auch in der Druckvertheilung,
wenigstens im äufseren Theile des Wirbels, Unregelmäfsigkeiten vorlagen, zeigt
namentlich auf der einen Seite die nicht etwa momentane, sondern stundenlang
anhaltende nordwestliche Richtung des Windes beim Beginn des Orkans in
Aden,!) und andererseits der interessante T’hatbestand vom 2. Juni Mittags,
welchen das Kärtchen auf S. 188 dieser Annalen (1886) vorführt. Nach den
übereinstimmenden Angaben der „City of Venice“ und des „Donar“ (dessen
Barometer vielleicht das einzige auf einem meteorologischen Institut geprüfte
io diesem Orkan war) befand sich zu dieser Zeit auf der Westseite des Orkans
ein flaches Theilminimum oder eine Ausbuchtung der Isobaren, welche uns
Veranlassung gab, derjenigen von 750 die nierenförmige Gestalt zu geben und
das Centrum so weit südwestwärts zu legen, wie man es auf unserer Karte
findet. Es ist vielleicht richtiger, das Centrum des Orkans etwas weiter nord-
östlich zu suchen und den niedrigen Barometerstand jener westlichen Schiffe
als eine von der Hauptdepression separirte Randerscheinung zu betrachten.?)
Ob man aber das Centrum so weit nordostwärts ansetzen kann, wie es Herr
Clou thut, wird davon abhängen, ob man seinen Argumenten bezüglich der
Schiffe „Zriton“ und „Asia“ beipflichtet oder nicht. Herr Clou€e schliefst
nämlich aus einigen — nach seiner Ansicht vorhandenen — Widersprüchen in
diesen Journalen auf deren geringen Werth und glaubt namentlich die von den
Kapitänen angegebenen Schiffsorte durch wahrscheinlichere Annahmen ersetzen
zu können. Hierbei stützt er sich besonders auf das Journal des Holländischen
Dampfers „Prinses Marie“, welches er nach Einsicht in dasselbe für vortrefflich
erklärt. Wir bedauern, dafs aus diesem Journal uns nichts zur Kenntnifs ge-
kommen ist, als die wenigen Angaben des Herrn A. Schokker in der Zeit-
schrift „de Zee“, welche keine einzige Position enthalten, während Herr Cloue
es in voller Ausdehnung benutzen konnte, Von der „Asia“ haben wir dem
früher Mitgetheilten nichts Wesentliches hinzuzusetzen. Vom Kapitän des
„Triton“, Kapt, A. Bleicken, hat die Seewarte aber nachträglich noch eine
genauere Angabe über seinen Ort erhalten, welche wir, da dieser Punkt in
Frage steht, unverkürzt wiedergeben.
„Am 1. Juni Mittags befand sich das Schiff nach Observation auf
12° 20‘ N-Br und 48° 37‘ O-Lg v. Grw. Darauf wurde mit einem mw. O0'AN-
Kurs weiter gesteuert und bis Morgens 4 Uhr den 2. Juni 143 Sm zurückgelegt;
das Schiff befand sich demnach nun auf 12° 40‘ N-Br und 51° O-Lgy; Mittags
1) Vgl. die interessante Anemographen-Aufzeichnung auf S. 60 von Cloue€’s I. Abhandlung.
3) Dafs die Seewarte in Bezug auf diese Thatsache nicht der Ansicht des Herrn Admirals
ist, die Beobachtungen des „Donar* um diese Zeit hätten kein Interesse, weil er noch fern vom
Orkan war, hat sie auf S. 20 ihres Berichtes ausgesprochen.