Aus dem Reiseberichte der Deutschen Bark „Aeolus“,
Familie. In der Nähe derselben kann man mit vieler Mühe und Arbeit Trinkwasser
erhalten, welches aber von schlechter Beschaffenheit und in sehr geringer Menge
vorhanden ist, so dafs man in der Jahreszeit von Ende Februar bis Ende Mai
kaum ein Fafs den Tag füllen kann, 100m vom Strande entfernt sind zwei
Gruben gegraben, in denen sich das Wasser langsäm ansammelt, und um zu
diesen Löchern zu kommen, hat man einen kleinen ausgetrockneten Flufs zu
passiren, der zum Transport der Wasserfässer mit Spieren zu überbrücken ist.
Man sieht also, dafs das Wasserholen mit grofsen Schwierigkeiten verknüpft
ist, weshalb ein nach Chira bestimmtes Schift sich vorher gut mit Trinkwasser
versorgen sollte, besonders auch, weil beim Laden sehr viel Wasser verbraucht
wird. Frischer Proviant ist auf der Insel nicht vorräthig, nur bisweilen kommen
Leute in Kanoes, um Apfelsinen und Bananen anzubieten, Frisches Fleisch ist
nur dann zu bekommen, wenn man einen ganzen Ochsen kauft, was aber wegen
des leichten Verderbs bei der grofsen Hitze unzweckmäfsig ist. Aufser Hirschen
und Rehen ist auf der Insel kein efsbares Wild vorhanden, Austern kommen
sehr spärlich vor, ;
Tcacal. Nachdem ein Drittel der Ladung in Chira eingenommen war,
versegelte „Aeolus“. über Punta Arenas nach dem an der Küste gelegenen
Ladeplatz /cacal., Um die 94 Sm grofse Strecke zurückzulegen, benöthigten
wir 5 Tage und ankerten dann in 12,6 m — 7 Faden — Tiefe auf einer offenen
Seerhede. Es lief hier zuweilen eine hohe südwestliche Dünung, die am Strande
eine starke Brandung hervorrief, wodurch das Abbringen des Holzes und damit
das Beladen des Schiffes sehr verzögert wurde, Wegen der beständigen
Brandung war eine Verbindung des Schiffes mit dem nächsten Lande vermittelst
des Schiffsbootes nicht herzustellen; doch kannten der Lootse und die Arbeits-
leute, die schon öfter hier gewesen waren, einige entferntere Stellen an der
Küste, an denen zu landen möglich war. Wie an der ganzen Küste, ist es
auch hier nicht möglich, Trinkwasser zu erhalten, und sollten deshalb, wenn
ein Schiff in Punta Arenas Order erhält, an der Küste zu laden, vor dem Ab-
gange von dort alle Fässer und Tanks gefüllt werden. Es wird viel Wasser
verbraucht, weil auch die fünf Bootsleute, die das Holz abbringen, an Bord
logiren und beköstigt werden müssen,
Von Anfang Mai bis Ende Oktober sind die Rheden der Küstenplätze in
Costarica schr unsicher, Besonders in den beiden letzten Monaten sollte man diese
Plätze meiden, denn zum Flüchten hat man meistens keine Zeit. Das Barometer
zeigt das Kommen von schlechtem Wetter nicht vorher an, und der Anker-
grund, der überall aus Sand und Klippen besteht, hält sehr schlecht. Die
einzige Ausnahme macht die Culebra-Bai, welche ein sicherer Hafen ist, Ohne
Lootsen sind diese Plätze, weil sie nicht in den Karten angegeben sind, nicht
aufzufinden. Das Lootsgeld von Punta Arenas nach. einem der Küstenplätze
beträgt gewöhnlich 2 Unzen; hat man in mehreren Plätzen zu laden, so muß
das Lootsgeld accordirt werden. Zuweilen findet sich auch unter den Arbeitern
einer, der als Lootse dienen kann, indem er den Platz und den besten Anker-
grund zu finden weiß, Die verschiedenen Ladeplätze liegen alle vergleichsweise
nahe bei einander,
Beim Aufkreuzen längs der Küste vermeide man die allzu grofse Nähe
derselben, ‘denn von Kap Giülones bis Culebra-Bai ist sie bis auf einen Abstand
von 1 Sm unrein; 1% Sm WSW von Morro Hermosa befindet sich eine blinde
Klippe, auf der bei Niedrigwasser die See bricht. ;
In den Monaten Mai und Juni hatten wir zuweilen heftige Chubascos
(Gewitterstürme), gewöhnlich in den Nachmittags- und Abendstunden von 5 bis
10 Uhr. Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen, am häufigsten aber aus ENE,
Mitunter vergingen acht Tage ohne das Auftreten eines Chubascos; das Wetter
war dann beständig und trocken, und der Wind wehte .des Morgens aus NE,
des Nachmittags von WNW, Am unbeständigsten und von strömendem Regen
begleitet war die Witterung zur Zeit des Neu- und Vollmondes, bisweilen auch
einige Tage nachher. ;
. Auf der Rhede von /cacal haben wir keine nennenswerthe Strömung
beobachtet, denn selbst bei sehr leichtem Winde lag das Schiff auf demselben
geschwait, aber 2 Sm von der Küste entfernt setzte der Strom beständig nach
NNW und NW. Nahe der Küste zwischen Kap Blanco und Kap Giülones ist
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