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Aus dem Reiseberichte der Deutschen Bark „Aeolus“.
Seit dem 1. März 1886 sind die Schiffe von der Zahlung eines Dock-
geldes von 75 Cents pro Reg.-Tonne befreit und haben jetzt die folgenden
Kosten:
Tonnengeld 20 Cents Silber pro Reg.-Tonne, zahlbar alle 6 Monate,
Hospitalgeld 4 , ® » » ” „6
Feuergeld 14 ” ” ” % „6
Dockgeld 122 ” » »
Letzteres muß jedes Mal entrichtet werden, wenn ein Schiff ankert und mit
einer Ladung einkommt. Der Ballast kostet im Dock 1,50, in der Bai nur
1,20 Doll. die Tonne; dafür kann man aber denselben im Dock viel schneller
äbernehmen, als in der Bai, an 200 Tonnen den Tag, wenn er rechtzeitig
bestellt wird. Sind nicht gleichzeitig zu viele Schiffe im Dock, so geht die
Entlöschung schnell von Statten, namentlich wenn Stückgüter geladen sind.
Beim Löschen der letzteren ist grofse Vorsicht nothwendig, dafs keine beschä-
digten Kolli ans Land kommen, denn der Kapitän erfährt hierüber nicht cher
etwas, als bis er ausklariren will und hat dann natürlich oftmals Scheerereien.
Es ist daher gut, die Anschreiber der gelöschten Güter freundlich zu behandeln,
die einem am besten gleich Anzeige machen können, wenn sich etwas Beschä-
digtes vorfindet. In Callao wird jetzt nur mit Silberpesos bezahlt, denn die
Papierpesos sind bis auf 2 d entwerthet.
Corinto (Nicaragua). Das Feuer von Corinto ist uuzuverlässig. Der
Leuchtthurm brannte in letzter Zeit mehrmals ab, und in solchem Falle wird
zur Aushülfe eine Laterne an der Flaggenstange aufgeheifst, deren Licht nur
stwa 4 Sm weit sichtbar ist. Schiffe, welche diesen Hafen Fracht suchend
anlaufen, müssen nach der Innenrhede und hüben dadurch viele Auslagen und
einen langen Aufenthalt; manchmal vergebens, da nicht immer eine Fracht zu
bekommen ist.
Punta Arenas (Costarica), Dieser Hafen eignet sich besser zum
Anlaufen als Corinto, indem hier seit dem 1. Januar 1886 die in Ballast ein-
kommenden Schiffe von sämmtlichen Hafenunkosten befreit sind und nur die
Gebühr für Ausklariren und Stempelpapier zu eutrichten haben. Dazu kann
man von hier aus mit den übrigen Häfen der Republiken von Contralamerika
leicht vermittelst des Telegraphen verkehren. Diejenigen Schiffe, welche mit
Ladung in Punta Arenas einlaufen, und sei es ein noch so geringes Quantum,
haben die vollen Hafenunkosten zu bezahlen. Schiffe, die längere Zeit auf der
Aufsenrhede vor Anker liegen, sollten vertäuen, indem ein einzelner Anker
durch das Schwaien des Schiffes bei Fluth und Ebbe leicht unklar wird. Die
Entlöschung der Ladung geht schnell von statten. Das Feuer von Punta Arenas
ist jetzt am Ende der Brücke angebracht, aber durchaus unzuverlässig, indem
es in mancher Nacht gar nicht brennt und, wenn dieses auch der Fall ist, so
wenig Lichtstärke hat, dafs es von den Lichtern der Stadt kaum zu unter-
scheiden ist.
Chira am Golf von Niccoya. Von Punta Arenas versegelte „Aeolus“
nach der Insel Chira, etwa 24 Sm nordwestlich von jenem Hafen. Im Besitz
giner guten Specialkarte ist die Ansegelung auch ohne einen Lootsen nicht
schwierig, da überall genügende Wassertiefen vorhanden sind und man bequem
ankern kann. Die Reise ist am vortheilhaftesten mit der einsetzenden Seebriese
anzutreten, und trifit es sich, dafs dieses gerade mit der Fluth zusammenfällt,
30 ist die Entfernuvg bis Chira rasch zurückgelegt. Nicht so einfach ist die
Rückfahrt. Dieselbe hat in der Nacht mit der Landbriese vor sich zu gehen,
und wenn es stille wird, bevor die Insel Cavallo passirt ist, mulßs man ankern;
auch dann, wenn die Strömung mitläuft, denn dieselbe setzt stark auf St. Lucas
zu, und unterhalb der genannten Insel sind die Wassertiefen fast zu grofs zum
Ankern, so dafs das Schiff leicht in eine gefahrvollo Lage geräth.
Die Insel Chira, die an ihrer Nordseite nur von einer einzigen Familie
bewohnt ist, dient hauptsächlich als Stapelplatz von Cedernholz. Man ankert
ungefähr 600m von der Insel, auf einer Wassertiefe von 10,8 m —-- 6 Faden.
Vom Ankerplatz aus peilt die Insel Ayster oder Isla de Yuca, wie sie jetzt
gemeiniglich genannt wird, mw. NOzO0. Zur Nachtzeit ist der Ankerplatz
schlecht zu finden, und man thut gut, dann erst weiter abwärts zu ankern.
Ungefähr 1’% Sm oberhalb des Stapelplatzes steht die Hütte der erwähnten