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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Einwirkung eines Blitzschlages auf die Kompasse S. M. S. „Bismarck“. 
A221 
Einwirkung eines Blitzschlages auf die Kompasse 
S, M. S. „Bismarck“, 
Während der Reise des Kreuzergeschwaders von Kapstadt nach Sidney 
schlug während einer heftigen Gewitterböe am 29. Mai d. J. 9* 50” a. m. ein 
Blitz, begleitet von heftigem Donner, dicht bei der Backbordseite 8. M. Kreuzer- 
fregatte „Bismarck“ in das Wasser. Unmittelbar darauf schlugen die Rosen 
der beiden Steuerkompasse ungefähr drei Strich nach rechts aus und oscillirten 
so beträchtlich und unregelmäfsig, dafs das Steuern nach denselben unmöglich 
war. Eine später angestellte Azimutbeobachtung ergab, dafs sich die Deviation 
des Regelkompasses für den Kurs 0zS von — '/4 auf -+ '/4 Strich geändert 
hatte, während die Deviation des Steuerbord-Steuerkompasses, welche vorher 
gleich der des Regelkompasses war, -+ 1% bis 2 Striche und die des Backbord- 
Steuerkompasses — 2 bis — 3 Strich betrug. An Bord der anderen Schiffe des 
Geschwaders wurde eine Aenderung der Deviation nicht bemerkt. Es wurde 
nun, um zu konstatiren, ob sich etwa der Magnetismus der Kompafsrosen ge- 
ändert habe, an Stelle der Steuerbordrose eine Reserverose in den Kompafs 
eingesetzt. Diese verhielt sich jedoch ebenso wie die erstere, und konnte daher 
eine Aenderung des Magnetismus der Rose nicht angenommen werden. Nach 
längerem Beobachten der beiden Steuerkompasse stellte es sich schließlich 
heraus, dafs die Abweichungen ihrer Rosen sich mit dem Drehen des Steuer- 
rades änderten. Es wurde daher das Steuerreep, ein Drahttau, mittelst eines 
Taschenkompasses geprüft und gefunden, dafs dasselbe magnetisch geworden 
war und bis zu einer Entfernuug von 2 m den Kompafs beeinflufste. 
Wegen des fortwährenden Schwankens und Gierens des Schiffes, sowie 
wegen dessen Luvgierigkeit, infolge welcher das Ruder stets nach einer be- 
stimmten Richtung gelegt werden mufste, konnte nichts Näheres über die durch 
das Steuerreep verursachte Deviation der Steuerkompasse ermittelt werden. 
Im Allgemeinen wurde bemerkt, dafs sich die Deviation des Backbord- 
Steuerkompasses im Sinne der Drehungsrichtung des Rades änderte, während 
bei dem Steuerbord-Steuerkompafs das Entgegengesetzte stattfand. Als am 
Abend desselben Tages SzO gesteuert wurde, mithin die Nordenden der Rosen 
nahezu in der Richtung nach dem Steuerreep zeigten, waren ihre Abweichungen 
und Oseillationen geringer. Es wurde versucht, audere Steuerkompasse in 
gröfserer Entfernung vom Steuerrad aufzustellen, aber die Wirkung des Steuer- 
reeps machte sich auch in dieser Entfernung vom Steuerrad bemerkbar. 
Am’ folgenden Tage, an welchem wegen der Richtung des Windes das 
Ruder meistens Backbord gelegt werden mulste, wurden folgende Beobachtungen 
gemacht: 
Ruderstellung. Steuerbordkompafs. Backbordkompafs. 
5° Backbord . ON Ost 
von 5° auf 10° Backbord 0zS 0zS 
„ 10° „ 12° "_-. 0'2N 0S0O 
» 12° „ 10° ” 0zS 0zN 
» 10° „ 15° u. 20° Backbord 0SO S0Oz0 
Bei 8° Ruder nach Backbord lagen beide Kompasse Ost an. 
Diese Beobachtungen können jedoch nicht als genau angesehen werden, 
denn es entsprachen die oben angegebenen Abweichungen der Rosen nicht 
immer denselben Ruderstellungen, sondern differirten zuweilen mit denselben 
nicht unbeträchtlich. 
Die Deviation des Regelkompasses war inzwischen auf dem anliegenden 
Strich wieder dieselbe geworden, wie vor dem KEreignifs, betrug jedoch auf den 
Strichen zwischen NO über Nord bis NNW + */4 Strich. 
Nachdem am 31. Mai an Stelle des magnetisch gewordenen Steuerreeps 
das Reep des Gefechtsruders eingeschoren worden war, hatte die Ruderstellung 
keinen Einfluls mehr auf die Steuerkompasse und zeigten dieselben einen 
Deviationsunterschied von %4 Strich mit dem Regelkompafs. Eine vorläufige 
Untersuchung des magnetisch gewordenen Drahttiaues ergab, dafs sich dasselbe 
wie ein aus vielen kleinen Magneten zusammengesetzter Körper (Magnet mit 
Folgepunkten) verhielt.
	        
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