accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

480 
Ueber Erdmagnetismus. 
lielfsen, was den innigen Zusammenhang aller dieser Erscheinungen beweist, 
Auch die Beobachtungen der jüngsten Zeit führen zu demselben Schlufs. Aus 
dem Vergleiche der Erdstromaufzeichnungen mit den erdmagnetischen Auf- 
zeichnungen zu Wilhelmshaven geht hervor, dafs der von SE nach NW 
3treichende Erdstrom als wesentliche Ursache der Schwankungen der Dekli- 
nation und horizontalen Intensität zu betrachten ist, 
Bei allen gröfseren magnetischen Störungen treten auch gleichzeitig 
stärkere Erdströme in den Telegraphenleitungen auf, die zuweilen so stark 
sind, dafs sie das Telegraphiren ganz unmöglich machen, weil diese Ströme 
kräftiger sind, als die Batterieströme. Dies beweist eben den engen Zusammen- 
hang zwischen Erdströmen und magnetischen Störungen. Man kann nun die 
tägliche Osecillation der Magnetnadel als eine regelmäfsig jeden Tag eintretende 
Störung betrachten, die von den durch die Sonnenstrahlen jeden Tag von 
Neuem inducirten galvanischen Strömen hervorgerufen wird. Diese Ströme 
scheinen besonders in zusammenhängenden Eismassen regelmäfsig inducirt zu 
werden, wie aus den oben angeführten Beobachtungen von Sabine und 
Dr. Giese zu schliefsen ist; auch hat Muncke besonders Eis und Thon als 
durch Sonnenstrahlen leicht elektrisch erregbar hervorgehoben. Man mufs 
ferner berücksichtigen, dafs die Erdströme je nach der verschiedenen Leitungs- 
fähigkeit des Bodens sich nach allen möglichen Richtungen verzweigen können, 
dafs also eine einzelne in bestimmter Richtung laufende Erdstromlinie von einer 
anderen in Betreff der Stromintensität kleine Verschiedenheiten zeigen kann; 
auch werden durch bestimmte Ursachen innerhalb der Erdkruste für kürzere 
Zeit Stromumkehrungen und Unterbrechungen eintreten können, die natürlich 
die Gesammtwirkung des Erdstromsystems modifieiren müssen. Da unsere 
magnetischen Instrumente nur diese Gesammtwirkung anzeigen, so darf man 
nicht erwarten, in allen Fällen eine vollständige Koincidenz zwischen den 
Variationen einer beliebig gewählten Erdstromlinie und den Variationen der 
Magnetnadeln eintreten zu sehen, Im Allgemeinen ist aber diese Koincidenz 
vorhanden. 
Die Stellung der Magnetnadel wird in jedem Momente durch die Resultante 
nller auf sie wirkenden Kräfte bedingt, und wir können nur diese Gesammt- 
wirkung registriren. Dadurch ist es aber unmöglich, diese Kräfte zu trennen 
und den Einflufs einer jeden zu bestimmen. Hierin liegt die Schwierigkeit, eine 
7ollständige Erklärung des Begriffs einer „Störung“ zu geben. Wir können von 
einem typischen Gang der Nadel kaum reden, da dieser Gang abhängig ist von 
einer ganzen Reihe stets wechselnder Einflüsse, die sowohl innerhalb als 
aufserhalb der Erdrinde ihren Sitz haben. Infolge dessen läfst sich auch der 
tägliche Gang, der sich sonst im Allgemeinen ziemlich scharf abhebt, nicht so 
genau bestimmen, als dies sonst der Fall wäre. 
Da nach dem Vorhergehenden so viele Ursachen vorhanden sind, die 
eine Verstärkung oder Schwächung der tiefer und flacher gelegenen Erdströme 
erzeugen, so wird es erklärlich, dafs eine frei aufgehängte Magnetnadel eigentlich 
nie zur Ruhe kommen kann. Sowie eine über einem Solenoid frei aufgehängte 
Nadel bei jeder Stromschwankung eine andere Stellung einnehmen mufs, so 
mufs auch die Magnetnadel infolge der fortwährenden Stromschwankungen 
innerhalb der Erdkruste sich stets anders einstellen, und wir können in Bezug 
auf die magnetischen Erscheinungen die Erde sehr gut mit einem Solenoid ver- 
gleichen.‘) 
5) Es wurde im Vorhergehenden ausschliefslich der Erdströme als Ursache der erdmagne- 
tischen Erscheinungen gedacht und von dem Einflusse der von aussen wirkenden Faktoren, wie 
las Nordlicht, Sonne und Mond, abgesehen. Diese Art von Einflüssen bedarf einer besonderen 
Betrachtung.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.