Kleine Notizen.
Bei dem Stromabwärtssteuern ist ebenso, jedoch in entgegengesetzter
Richtung, zu steuern.
7. Rhede von Taku; Golf von Petschili. Ueber die Gezeiten-
strömungen auf der Rhede von Takw wurden von dem Kreuzergeschwader,
Geschwader-Chef Kontre-Admiral Knorr, während des Aufenthaltes desselben
daselbst vom 22, bis 28. September 1886 folgende Beobachtungen gemacht:
Die Fluth setzte NW bis NWzW, die Ebbe NO bis ONO, beide Strö-
mungen aber so schwach, dafs schon ein seitlicher Wind von der Stärke 2 die
Lage des Schiffes stark beeinflufste. Die bei Hoch- und Niedrigwasser ge-
lotheten Tiefen betrugen stets 10,5 und 8m, nur bei Neumond am 27. Sep-
tember wurde bei Hochwasser 10,8 m gemessen. Das Wetter war während des
Aufenthaltes des Geschwaders auf der Rhede durchweg gut, der Wind während
der Nacht gewöhnlich auffrischend, am Tage wieder abflauend, die Wind-
richtungen unregelmäfsig und häufig wechselnd. Zwischen dem 23, und 24. Sep-
tember traten bedeutende Barometerschwankungen auf; das Barometer fiel vom
23. 12% Mittags bis zum 24, 8% p.m. von 768,4 bis auf 759,2 mm. Am letzten
Tage erregte der ziemlich starke Ostwind eine so unangenehme See auf der
Rhede, dafs der Bootsverkehr abgebrochen werden mufste.
8. Starke Strömung im Louisiaden-Archipel.!) Nach einem Be-
richte des Kaiserlichen Konsulats für die Südsee-Inseln ist am 27. August 1886
Abends der Deutsche Dreimastschoner „Peter“, Kapt. H. Möller, auf der
Reise von Hamburg nach Finschhafen auf dem Rossel-Riff, Lowisiaden-Archipel,
gescheitert und mulste von der Schiffsbesatzuug verlassen werden,
Nach den übereinstimmenden Erklärungen aller einzeln vernommenen
Personen ist eine unberechenbar starke Stromversetzung Schuld an dem Un-
glücksfalle gewesen. Von den zahlreichen Schiffsunfällen in diesen Gewässern
wird ein sehr grofser Procentsatz durch solche Strömungen herbeigeführt.
Nach den verschiedenen Darstellungen sollen die mit der Richtung der Winde
wechselnden Strömungen bis 6 Sm in der Stunde setzen. Es muls daher
ine. ganz besondere Vorsicht in dieser noch wenig bekannten Gegend empfohlen
werden.
9. (D. S.) Flaschenposten. a) Durch Vermittelung des Deutschen
Konsulats in Freetown, Sierra Leone, Westafrika, ist der Seewarte ein Flaschen-
postzettel zugegangen, welcher von der Deutschen Bark „Zmil Julius“, Kapt.
J. Hansen, auf der Reise von Hamburg nach Callao am 27. Juli 1886 auf
4° 42‘ N-Br und 21° 1‘ W-Lg über Bord geworfen und am 2. Oktober 1886
in der Mündung des Flusses Shebar an der Küste von Sierra Leone, auf un-
gefähr 7° 23‘ N-Br und 12° 31’ W-Lg, durch den Herrn Barthelmen auf-
gefunden wurde.
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 67 Tagen
532 Sm nach ONO%/sO zurückgelegt.
b) Durch Vermittelung des Deutschen Konsulats in Ceard (Brasilien)
ist der Seewarte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von dem Deutschen
Dreimastschoner „Ventilia“, Kapt. H. Oestmann, auf der Reise von Hamburg
nach Talcahuano am 15. August 1886 auf 7° 6‘ S-Br und 30° 45‘ W-Lg über
Bord geworfen und am 22, September 1886 im Hafen von Ceard, auf 3° 43‘ S-Br
and 38° 29‘ W-Lg, durch den Hafenlotsen Herrn de Castro Meneri auf-
gefunden wurde.
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 38 Tagen
505 Sm nach NWzW'/W zurückgelegt.
H Findlay’s „South Pacific Ocean“, 1884, S. 934.
Gedruckt und in Kommission bei E. S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung
Kochstrafse 68—70