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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Erdmagnetismus, 
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sondern es ist auch faktisch erwiesen, dafs durch den ‚täglichen Wechsel der 
Temperatur und hauptsächlich den Einflußs der Sonnenstrahlen Elektrieität in 
den untersuchten Körpern erregt wird. Wenn man nun überlegt, dafs unter 
diesen auch Eis und Thon sind, so scheint es mir nothwendig, anzunehmen, 
dafs eben diese und ihnen verwandte Substauzen auch auf unserer Erde einer 
gleichen Einwirkung, namentlich durch das regelmäfsig wechselnde Auffallen. der 
Sonnenstrahlen unterworfen sind.“ 
Ebenso hat Hankel!) die Erregung galvanischer Ströme durch Be- 
strahlung und Beschattung zweier in eine Flüssigkeit eingetauchten Metallplatten 
beobachtet. 
Wir dürfen daher wohl annehmen, dafs die Sonnenstrahlen in dem Erd- 
boden galvanische Ströme indueiren, die zu den schon vorhandenen hinzutreten 
und so die magnetische Gesammtkraft der Erde modificiren. Wegen der gröfseren 
Wirkung der Sonneustrahlung im Sommer müssen daher auch die täglichen 
Schwankungen zu dieser Jahreszeit gröfser sein als im Winter, was ja bekannt- 
lich stets der Fall ist. 
Wie sehr aber die tägliche Bewegung, besonders der Deklinationsnadel, 
vom Stande der Sonne und der Dauer der Einstrahlung abhängig ist, geht 
aus folgenden Thatsachen hervor. Bekanntlich erreicht das Nordende der 
Nadel in unseren Breiten um 8 a, m. den östlichsten Stand, bewegt sich dann 
langsam nach Westen, um zwischen 1® und 2" p.m. don westlichsten Stand 
einzunehmen. Von 2* p. m. bis 8 a. m. bewegt sich die Nadel sehr langsam 
nach Osten zurück, indem sie Nachts fast stationär bleibt. Auf der südlichen 
Halbkugel treten beide Extreme etwas später ein. Auf beiden Halbkugela 
treten aber die Epochen der Extreme im Sommer weiter auseinander, so 
dafs das Morgenmazimum früher, das Nachmittagsmaximum später eintritt, Man 
sollte nun glauben, dafs am Aequator die Nadel ganz stille sieht, indem die 
beiden entgegengesetzten Bewegungen, wie sie auf der Nord- und Südhalbkugel 
stattfinden, sich aufheben. Dies ist aber nicht der Fall, sondern sie nimmt 
während der einen Jahreshälfte, wo die Sonne nördlich vom Aequator steht, 
an der täglichen Osecillation in der nördlichen Hemisphäre Theil, 
während der anderen Hälfte aber, wo die südliche Hemisphäre Sommer hat, 
an der täglichen Oseillation in dieser Hemisphäre. Dies beweist eben 
die Abhängigkeit der täglichen Bewegung von dem Stande der Sonne resp. von 
der Stärke der Insolation. Um die Zeit der Aequinoktien oscillirt die Nadel 
unregelmäfsig, und die tägliche Bewegung trägt bald den Charakter der süd- 
lichen, bald jenen der nördlichen Hemisphäre. Ferner ist die Amplitude der 
täglichen Oseillation stets in jener Hemisphäre am gröfsten, welche Sommer 
hat, während sie gleichzeitig auf der anderen Hemisphäre sehr klein wird. 
Wichtig ist der Umstand, dafs die Jährlichen Veränderungen der Bewegung der 
Nadel nicht dem Wärmegange, sondern ohne Verspätung direkt der Stellung 
der Sonne zum Aequator folgen,”) 
Wenn also die Sonnenstrahlen galvanische Ströme in der Erdoberfläche 
induciren, die den täglichen Gang der Nadeln unserer magnetischen Instrumente 
bestimmen, so müssen auch die Schwankungen in der Intensität jener Ströme 
and im Gange der Magnetuadeln parallel laufen. Dies wird durch die Beob- 
achtung auch bestätigt. Lamont fand, als er Kupferdrähte in den Richtungen 
Ost—West und Nord—-Süd aufspannte und mit Endplatten versah, dafs in dem 
stets vorhandenen elektrischen Strom kleine Aenderungen desselben- mit den 
kleinen Bewegungen der Horizontal-Intensität zusammenfielen und als er noch 
empfindlichere Galvanometer anwandte, fand er eine vollständige Ueberein- 
stimmung zwischen dem Strome der Ost—West-Linie und der Intensität sowie 
zwischen dem Strome der Nord—8Süd-Linie und der Deklination. Ebenso fand 
P, Secchi auf gleichen Wege eine Uebereinstimmung in den Wendepunkten 
aller drei Kurven, die sich aus den Aufzeichnungen des Bifilars, der atmosphäri- 
schen Elektrieität und den Stromschwankungen in den Telegraphenlinien ableiten 
') Poggendorff’s Annalen, 1877, Septemberheft pag. 66 ff. 
?% Hann, „Die Erde als Weltkörper“, pag, 43—45. Auch die Thatsache, dafs die tägliche 
Variation an heiteren Tagen bei Weitem gröfser ist als an trüben, spricht für den hohen Ein- 
Aufs der Sonnenstrahlung. Der tägliche Gang der Inklination ist noch zu. wenig untersucht, um aus 
ihm Schlüsse abzuleiten.
	        
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