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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Erdmagnetismus. 
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änderung irgend einer Komponente nothwendig auch eine Veränderung der 
Resultante zur Folge haben. Die Störung wird an demjenigen Punkte sich am 
stärksten äußern, welcher dem Sitze der Störungsursache am nächsten liegt. 
Diese Störung pflanzt sich aber momentan rund um die Krde fort, und zwar in 
der Weise, dafs, wenn irgendwo eine starke Störung auftritt, dieselbe sich nach 
Ost ünd West, aber mit abnehmender Stärke, fortpflanzt; 90° östlich und 90° 
westlich vom Störungscentrum wird in demselben Momente keine oder nur eine 
unbedeutende Störung beobachtet, dagegen wächst auf der anderen Hälfte des 
Parallels die Störungsschwankung und zwar in entgegengesetzter Richtung, .80 
dafs sich 180° vom Störungscentrum entfernt wieder ein Maximum zeigt. Es 
besteht hier eine merkwürdige Analogie mit der Flutherscheinung; auf 
diese Analogie gewisser elektrischer Erscheinungen mit denen der Hydrostatik 
und Hydrodynamik ist auch schon vielfach hingewiesen worden. Ist durch 
irgend eine Ursache eine Druckschwankung, eine Welle erzeugt worden, so 
pflanzt sich dieselbe rund um die Erde fort und tritt an der um 180° vom 
Ausgangspunkte entfernten Stelle in die entgegengesetzte Phase. Bei dem 
gewaltigen Druck, unter dem sich jeder Punkt in der Tiefe der Erde befindet, 
pflanzt sich jede Störung des Gleichgewichts mit ungeheurer Geschwindigkeit 
fort,!) und da durch Druck nach den Versuchen Becquerei’s jeder Körper 
in einen elektrischen Zustand versetzt werden kann, so wird es erklärlich, wie 
durch plötzliche Druckvermehrung und Verminderung das elektrische Gleich- 
gewicht gestört werden mulfs. ; 
Lamont sagt: „Ist die Deklination in ihrer westlichen Bewegung begriffen, 
so wird durch die störende Kraft diese westliche Bewegung noch verstärkt, ist 
sie in östlicher Bewegung, so wird diese verstärkt.“ Ferner sagt er: „Wenn 
eine grofse Störung eintritt, so wird bei der Deklination eigentlich nur ein 
Schwingen um die Mittelrichtung hervorgebracht, und die mittlere Dekli- 
nation der Störungstage weicht von dem sonstigen Mittelstande 
nicht ab. Anders verhält es sich mit den übrigen magnetischen Elementen; 
jede grofse Störung hat eine Verminderung der Horizontal-Intensität und eine 
Vergröfserung der Inklination zur Folge.“ 
Diese Erscheinungen lassen sich folgendermalsen erklären. Da die Erde 
von zahllosen elektrischen Strömen umkreist wird, die nicht alle nothwendig in 
engem Zusammenhange stehen, so mufs, wenn in irgend einem Stromkreise eine 
Verstärkung eintritt, nach den bekannten Gesetzen der aufeinander einwirkenden 
elektrischen Ströme (Erdströme und Elementarströme im Magnet) eine über 
diesem Stromkreise frei aufgehängte Magnetnadel in dem Sinne beeinflufst 
werden, welcher durch die Siromverstärkung ohne Berücksichtigung aller anderen 
Kreisströme der Erde bedingt wird. In solchem Falle muß die Inklination 
vergrößert, die Horizontal - Intensität vermindert werden bei allen Strom- 
verstärkungen in denjenigen Stromkreisen, die südlich von dem Orte der 
Nadel vorbeigehen, während eine Stromschwankung in höherer Breite als die 
der Nadel in einer Verminderung der Stromstärke bestehen mufß, wenn eine 
Beeinflussung der Nadel in gleichem Sinne erfolgen soll. Ferner werden auf 
der südlichen Erdhälfte Störungen eine Bewegung der Magnetnadel erzeugen 
müssen, die entgegengesetzt derjenigen auf der Nordhälfte ist, denn dieselbe 
Ursache, welche in der nördlichen Hälfte ein Sinken des Nordendes hervorruft, 
muß in der südlichen Hemisphäre ein Sinken des Südendes erzeugen. Die 
Bewegungen nehmen also auf der Südhälfte der Erde eine entgegengesetzte 
Richtung von derjenigen auf der Nordhälfte an. Dieser symmetrische Gegensatz 
zwischen nördlicher und südlicher Halbkugel ist durchaus unabhängig von der 
störenden Ursache, sei es, dafs dieselbe innerhalb der Erdkruste liegt, sei es, 
dafs sie aufserhalb derselben in der Atmosphäre (Nordlichter) ihren Sitz hat, 
Was aber die eigenthümliche Bewegung der Deklinationsnadel betrifft, so 
1) Da in gröfserer "Tiefe der Erdrinde eine grofse Spannung herrschen mufs, so genügt eine 
relativ geringfügige Ursache, um eine wellenförmige Bewegung rund um die Erde hervorzurufen. Es 
verhält sich hiermit ähnlich, wie mit einer stark gespannten- Saite; eine Mücke kann dieselbe zum 
Tönen bringen, d. h. sie in Schwingungen versetzen, die sich auf ihrer ganzen Länge fortpflanzen, 
während sie im ungespannten Zustande nur in der Nähe der Berührungsstelle sich schwach bewegt 
and diese Bewegung nicht fortpflanzt. Man weils, dafs hohe Kirchthürme desto besser gebaut sind, 
je mehr sie beim Läuten der Glocken mitschwingen.
	        
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