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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Erdmagnetismus. 
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nach Süden gerichtet ist; sie wendet sich dann in noch gröfserem, ebenfalls 
halbkreisförmigen Bogen nach Norden, um am äufsersten Ende Sibiriens wieder 
die Richtung nach Süden einzuschlagen. Denselben Verlauf nehmen die Isogonen 
mit 5° und 10° östlicher Abweichung. Ebenso sehen wir die Linien gleicher 
Intensität, die Isodynamen, über dem Atlantischen Ocean dem Golfstrom folgend, 
im äußersten Norden Europas eine scharfe Biegung nach dem Innern Asiens 
machen; hier verlaufen sie fast genau parallel der südlichen Grenze des 
unterirdischen Eisbodens. Auf die Aehnlichkeit ihres Verlaufes mit den Jahres- 
ijsothermen ist auch wiederholt hingewiesen worden. Ferner mufs hier auf die 
Existenz von zwei Centren gröfster magnetischer Kraft auf der nördlichen 
Hemisphäre hingewiesen werden (auf der südlichen Halbkugel fallen diese zwei 
Centren sehr nahe zusammen), von denen das eine in Amerika, südwestlich von 
der Hudson-Bai, das andere in Nordost-Asien in der Nähe der Lena-Mündung 
liegt. Infolge des Einflusses des asiatischen Kältepoles tritt also eine Ver- 
schiebung in dem Verlaufe der magnetischen Kurven ein, ähnlich wie bei 
Vulkanen und Inseln, und es wird erklärlich, warum die östliche Nullisogone 
nördlich vom Aequator so weit nach Westen verrückt wird. Das Hin- und 
Herwandern der Nullisogone auf der nördlichen Hälfte der östlichen Halbkugel 
steht aber im engen Zusammenhange mit der unregelmäfsigen Vertheilung des 
Erdmagnetismus im ganzen europäischen Russland, besonders in Finnland. An 
vielen Pankten dieses grossen Gebiets, am Ural, am Schwarzen Meere, in der 
Umgebung‘ Moskaus, im nördlichen Theile des finnischen Meerbusens (besonders 
auf der Insel Jussar-oe), treten‘ grofse, merkwürdige und dauernde Abweichungen 
im Verlaufe der magnetischen Elemente auf. Dieselben sind höchst wahr- 
scheinlich auf grofse Unregelmäfsigkeiten in dem tektonischen Bau der Erdrinde 
zurückzuführen. Die von Sonne und Mond hervorgerufene Fluth- oder Druck- 
welle in der Erdkruste wird nämlich um so größere Verschiebungen bewirken, 
je gröfser die Unregelmäfsigkeiten im geologischen Bau derselben sind. Die 
damit verbundenen Veränderungen in der Richtung und Intensität der Erdströme 
machen sich auch in den Schwankungen der magnetischen Elemente geltend, 
und so wird die allmähliche Verschiebung der Isogonen erklärlich. 
Wäre das asiatische Kältegebiet .im Gegensatze zu der abnormen Er- 
wärmung des nördlichen Europas nicht so scharf entwickelt, so würde die 
Linie ohne Abweichung auf der östlichen Halbkugel etwa mit dem Meridian, 
der 125° östlich von Greenwich liegt, zusammenfallen, also mitten durch 
Australien gehend, an der chinesichen Küste vorbei nach Norden über das Kap 
Tscheljuskin verlaufen. Soweit magnetische Beobachtungen vorliegen, ‚verlief 
der südliche Theil der der östlichen Halbkugel entsprechenden Nullisogone 
stets durch Australien, was darauf hinzudeuten scheint, dafs auf der südlichen 
Halbkugel die unterirdischen elektrischen Ströme weniger Störungen erleiden, 
als auf der nördlichen. Dies erklärt sich in einfacher Weise, Die Kontinente 
der alten und neuen Welt sind durch zwei in ihren Hauptrichtungen von Nord 
nach Süd sich erstreckende Meere getrennt. Wasser uud Erdboden besitzen 
aber eine sehr verschiedene Leitungsfähigkeit, also müssen die erdmagnetischen 
Erscheinungen durch diesen Umstand ebenfalls modificirt werden und zwar um 
so mehr, je gröfser die Unregelmäfsigkeiten in der Vertheilung von Wasser und 
Land sind. Nun bildet die Nullisogone keinen sogenannten gröfsten Kreis, 
sondern durchschneidet die Mitte der Kontinentalmassen. Daraus :mufs man 
schliefsen, dafs unter den Kontinenten, abgesehen von lokalen Einflüssen, infolge 
abnormer Erwärmung oder Abkühlung die Erdströme rein ostwestlich verlaufen, 
beim Uebergang von den Kontinenten zum Meere und umgekehrt aber eine 
Schwächung oder Verstärkung erleiden, die natürlich auch eine verschiedene 
Ablenkung bedingen. Prof. Faye hat nun den Satz aufgestellt, dafs‘ gerade 
unterhalb der Meere die Erdkruste dicker sei, als unter den Kontinenten, Er 
begründet denselben damit, dafs der Meeresboden überall, selbst: unter dem 
Aequator, eine sehr niedrige Temperatur besitze, die zwischen 0° und +1° C., 
Schwankt; schon in einer Tiefe von ca 3700 m finde man im Meere eine 
Temperatur von nur 1° C., während unter einem Kontinente in dieser Tiefe die 
Temperatur etwa - 150° C. erreiche. Dieser vielfach angefochtene Faye’sche 
Satz findet aber eine schöne Bestätigung in der schon oben angeführten viel 
jangsameren Temperaturzunahme in der Tiefo der Keweenaw-Halbinsel (1° C. 
Ann. d. Hydr. efe.. 1887. Heft XIL
	        
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