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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Erdmagnetismus. 
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in Berührung stehen, vorhandenen elektrischen Ströme. Diese Annahme wird 
gestützt durch die beiden oben angeführten Beobachtungen über das stark 
negativ elektrisirte Wasser einer Thermalquelle in Baden und über. die 
nach Prof. Ragona bei Erdbeben auftretenden, von der Erde nach der Atmo- 
sphäre gerichteten kräftigen elektrischen Ströme. . 
Berücksichtigt man also die oscillatorische Bewegung der Erdrinde, die 
sich an jedem Tage infolge des attraktiven Einflusses von Sonne und Mond 
wiederholt, die ‚dadurch hervorgebrachte Druckwelle mit ihren Pressungen, 
Spannungen und langsamen Verschiebungen, die mit diesen verbundenen Be- 
wegungen in den Wasser-, Dampf- und Gasströmen, sowie die sie begleitenden 
thermoelektrischen und galvanischen Ströme, so werden die Beobachtungen über 
Erdströme und ihr ursächlicher Zusammenhang mit anderen Erscheinungen, wie 
Erdbeben und Vulkanausbrüchen, wohl erklärlich. Es ergiebt sich so ein recht 
verwickeltes Bild von den elektrischen Strömen innerhalb der Erdrinde. Zu 
unterst, überhaupt in gröfseren Tiefen, haben wir es mit thermoelektrischen 
Strömen, weiter aufwärts mit galvanischen zu thun. Diese Ströme bewegen sich 
im Allgemeinen von Ost nach West; dies gilt besonders für die tiefer gelegenen, 
weniger für die ihnen superponirten galvanischen Reibungsströme, da diese 
mehr von der zufälligen Richtung der in den mittleren und oberen Theilen der 
Erdrinde cirkulirenden Wasseradern, Dampf- und Gasströme abhängig sind, 
Die ersteren bestimmen‘ durch ihre überwiegende Kraft und konstantere Richtung 
hauptsächlich die Stellung der Magnetnadel; die letzteren beeinflussen dieselbe 
je nach ihrer wechselnden Richtung und Intensität mehr oder weniger und ver- 
anlassen so die Störungen im täglichen Gange. Hierzu treten noch als drittes 
Moment die überirdischen Einflüsse, die von Sonne und Mond und besonders 
von den Polarlichtern theils direkt, theils indirekt ausgehen. 
Nachdem 80 die wesentlichen Ursachen, welche den Erdströmen zu Grunde 
liegen, hervorgehoben sind, erübrigt uns die Aufgabe, die zahlreichen Beob- 
achtungen über Erdmagnetismus und die bis jetzt bekannten gesetzmäfigen 
Veränderungen desselben in kausalen Zusammenhang mit diesen Strömen zu 
bringen und zuzusehen, inwieweit die aus der Annahme dieser Erdströme ab- 
zuleitenden Resultate mit den Beobachtungen stimmen. 
Zunächst ist bekannt, dafs innerhalb der Erdrinde' in genügender Tiefe 
von Ost nach West gerichtete elektrische Ströme die allgemeinsten Erscheinungen 
des Erdmagnetismus zu erklären vermögen. Da sich die Elementarströme des 
Magnets mit den elektrischen Elementarströmen der Erde parallel zu stellen 
suchen, so mufßs die Längsaxe des Magnets sich senkrecht zu diesen Erdströmen 
einstellen, also im Allgemeinen die Richtung Süd—Nord annehmen, wenn jene 
Ströme ost-westliche Richtung haben, Dafs die Nadel mit Annäherung an die 
erdmagnetischen Pole sich immer mehr senkrecht zur Erdoberfläche einzustellen 
sucht, folgt ebenfalls aus den bekannten Gesetzen über die gegenseitige Ein- 
wirkung elektrischer Ströme, . 
. Nach den Forschungen von Prof, Süss bildet Nordamerika den ältesten 
Kontinent. Naturgemäls werden wir daher bei seiner weiten Erstreckung nach 
Norden auch dort ‚die früheste und stärkste Abkühlung zu suchen haben, 
die sich allmählich in gröfsere Tiefen fortpflanzte. Damit war aber der Anstofs 
zu einer langsamen Entwickelung thermoelektrischer Ströme gegeben; die, vom 
Aequator in engen Spiralen bis zu jenem kältesten Gebiete fortschreitend, dort 
einen Pol bildeten, ganz ähnlich wie dies bei einem Solenoid der Fall ist. In 
ähnlicher Weise pflanzten sich die Ströme auch nach der südlichen Erdhälfte 
fort, dort ebenfalls einen Pol bildend. Nun ist es ferner eine bekannte That- 
sache, dafs die Linie ohne Abweichung oder die Nullisogone, d. h. die Linie, 
auf welcher in jedem ihrer Punkte die Deklinationsnadel genau nach Norden 
zeigt, hin und her wandert, bald nach Osten, bald nach Westen. Diese Linie 
läuft, durch beide Magnetpole gehend, rund um die Erde. Sie theilt aber die 
Eräkugel nicht in zwei gleiche Hälften, sondern folgt annähernd den Kontinental- 
massen, dieselben in der Richtung Nord—Süd durchschneidend, Dies gilt be- 
sonders für die westliche Halbkugel oder Amerika.” Dort hat‘ die Deklination 
im Laufe der Zeit viel geringere Schwankungen erlitten, als auf der östlichen
	        
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