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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Ueber Erdmagnetismus, 
mit dem zweiten in Berührung, so entsteht sofort ein vom warmen zum kalten 
Cylinder gehender elektrischer Strom. Diese Erscheinungen erklären sich, wenn 
man annimmt, dafs die Wärme die Elektricitäten an der Berührungsstelle aus- 
einander treibt. Die Wirkungen der Wärme sind überhaupt der Temperatur 
proportional, woraus folgt, dafs auch die elektromotorische, durch die Wärme 
hervorgerufene Kraft der Temperatur (bis zu einer gewissen Grenze) proportional 
ist. Der thermoelektrische Strom hat alle Eigenschaften des galvanischen, er 
gehorcht wie dieser dem Ohm’schen Gesetze. Auch in gleichartigen Körpern 
kann ein elektrischer Strom entstehen, sobald die Wärme sich in ihnen mit 
ungleicher Leichtigkeit fortpflanzt. Ueberhaupt verursacht jede Aufhebung der 
Homogenität, die durch Pressung, Ausdehnung und Tordirung hervorgerufen 
wird, bei eintretender Erwärmung einen elektrischen Strom. 
Wendet man nun diese Gesetze auf das Erdinnere an, so sind zunächst 
die ungleichartige Beschaffenheit der Schichten und deren ungleiche Erwärmung 
hervorzuheben. Beide Thatsachen sind genügend durch die Beobachtung er- 
härtet und bedarf es keiner weiteren Beweise derselben. Es müssen aber auch 
noch die stets vor sich gehenden, stetigen oder plötzlichen Verschiebungen, 
die damit verbundenen Pressungen und Ausdehnungen oder der Wechsel von 
Zug und Druck besonders hervorgehoben werden. Als am 10. Februar 1879 
die Kohlenbergwerke zu Dux in Böhmen ersoffen, bemerkte der Ingenieur 
Klönne alsbald in den Gruben ein regelmäfsiges Steigen und Fallen des Wasser- 
spiegels, wie beim Meere; es wurde ein Fluthmesser aufgestellt und die Höhe 
des Wasserspiegels fünf Monate lang registrirt. Die so gefundenen Wasserstände 
wurden von Herrn G. Grablowitz!) verglichen mit den durch Berechnung 
erhaltenen Werthen, Diese Werthe bestimmt man mittelst der Ko&fficienten 
der periodischen, nach den Vielfachen der Sinus und Kosinus der Zeiten, welche 
den beobachteten Wasserständen entsprechen, fortschreitenden Funktion. Er be- 
rechnete so den Einflufs des Mondes und der Sonne getrennt und es ergab 
sich eine vollständige Uebereinstimmung zwischen Rechnung und Beobachtung, 
Einen Beweis für die Richtigkeit dieser Formeln und der zu Grunde gelegten 
Annahme über die Ursache der fraglichen Erscheinung mufs man in dem Um- 
stande finden, dafs die aus diesen Formeln mit Hilfe der gegebenen Wasser- 
stände und der Deklination des Mondes abgeleitete geographische Breite von 
Dux, 50° 35‘, mit der astronomisch gefundenen, 50° 37‘%, bis auf 2‘ stimmt. 
Nun hat Prof. Stahlbergen (in seinem Werke „Die Ebbe und Fluth in der 
Rhede von Fiume“) eine geradezu überraschende Uebereinstimmung zwischen 
den Beobachtungen zu Duz und denen zu Fiume, sowohl bezüglich der Höhe 
der Fluth als der Zeit des HEintritts derselben nachgewiesen, so dafs fast 
jeglicher Zweifel in Betreff der gemeinschaftlichen, in der Attraktion des 
Mondes und der Sonne liegenden Ursache beider Phänomene abgeschnitten ist. 
Grablowitz spricht sich nun in Betreff der Erscheinung zu Dux dahin aus, 
dafs infolge der periodischen Gestaltsänderung der Erdkugel die zwischen den 
verschiedenen Schichten in der‘ Erdrinde vorhandenen Spalten und Zwischen- 
räume schwache Erweiterungen oder Verengerungen erfahren, also die in diesen 
Hohlräumen enthaltenen Wassermassen periodisch fallen und steigen müssen. 
Da die direkte Wirkung des Monddurchganges eine Senkung des Wasserspiegels 
der Bergwerke zu Duw zur Folge hatte, so muß man an eine Erweiterung des 
Reservoirs denken; es kann aber auch ebenso wohl, je nach der Lago der 
Spalten und der Tektonik der Erdrinde an einem anderen Orte eine Ver- 
engerung stattfinden. Die fernere Thatsache, dals gewisse Quellen Niveau- 
Oscillationen zeigen, die mit der Ebbe und Fluth des Meeres zeitlich parallel 
laufen, entspricht der eben erwähnten Erscheinung vollständig. 
Aus diesen T’hatsachen geht jedenfalls soviel hervor, dafs die Erde bei 
jedem Sonnen- und Monddurchgang eine Deformation erleidet; diese kann aber 
nicht ohne kleine Verschiebungen, ohne Wechsel von Zug und Druck, also auch 
nicht ohne periodische Schwankungen im Dichtigkeitszustande und der Tempe- 
ratur der Erdschichten vor sich gehen. Darauf weisen auch die Hebungen und 
Senkungen der Küsten, das stetige Erzittern der Erdrinde, die allmählichen 
4) Bolletino della societa adriatica di scienze naturali, Trieste, Vol, VI, Fase. I, 1880, und 
Ciel et Terre 1880—81, pag. 400.
	        
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