Ueber Erdmagnetismus,
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im Ostindischen Archipel die Isogonen genau der Längsazxe der Insel Sumatra,
machen dann plötzlich eine Biegung, um sich nach der Hauptaxe von Java zu
richten, während die nördlich gelegenen Kurven einen grofsen Bogen beschreiben
und dann Borneo durchschneiden; man gewinnt den Eindruck, als ob die Berg-
ketten eine hohe Koercitivkraft besäfsen.
Alle diese Beispiele, die fast sämmtlich dem oben erwähnten Werke von
Dr. Naumann entnommen sind, weisen darauf hin, dafs die Karten, auf denen
man die Komponenten der erdmagnetischen Kraft darzustellen sucht, nur ein
rohes Bild der wirklichen Verhältnisse bieten können, Es verhält sich hiermit
ähnlich, wie mit den Jahres-Isothermen. Wollte man nach einer solchen Iso-
thermenkarte, die die ganze Erdoberfläche umfalst, sich eine Vorstellung von
den wirklichen Temperatur-Verhältnissen machen, so würde man ohne nähere
Beschreibung aller: Umstände, die das Klima eines Ortes bedingen, in die
gröfsten Irrthümer verfallen.
Es mufs aber hier noch besonders hervorgehoben werden, dafs der so-
genannte Gesteinsmagnetismus nicht die Ursache solcher starker, sich meilenweit
erstreckender Abweichungen der magnetischen Elemente sein kann. Die Gebrüder
Schlagintweit hoben schon hervor, dafs der Lokaleinflufs im Allgemeinen so
klein ist, dafs er schon verschwindet, wenn man das Magnetometer, statt direkt
auf die Erde, auf sein Stativ setzt. Auch Lamont hebt die Unzulänglichkeit
des Magnetismus der Minerale zur Erklärung der magnetischen Kräfte aus-
drücklich hervor, und Dr. Naumann, der sich sechs Jahre lang in Japan
zum Zwecke der geologischen Erforschung und Bestihmung der magnetischen
Elemente dieses Landes aufgehalten, sucht fast auf jeder Seite seines schon
angeführten Werkes den. geringen Wirkungskreis der magnetischen Minerale
und die Unmöglichkeit, aus ihrer Einwirkung die grofsen Abweichungen im
Laufe der maguetischen Linien abzuleiten, darzuthun, Er sagt: „Der Gesteins-
magnetismus ist ein Phänomen, das an die Erdoberfläche gebunden ist, Damit
fällt auch die Annahme einer Beeinflussung der magnetischen Kurvennetze durch
magoetische Massen in sich selbst zusammen, Reich fand, dafs die magnetische
Polarität der Basaltmassen des Pöhlberges bei Annaberg die Magnetnadel in
einigermafsen beträchtlicher Entfernung nicht mehr beeinflufst. Wohl erwiesen
sich einzelne sehr unregelmäfsig vertheilte Punkte des Berges recht deutlich
polarisch. Wie können also magnetische Massen, die nicht einheitlich wirken,
welche die Kraft vielmehr in sich selbst zersplittern oder sogar aufheben, und
bei denen sich die magnetischen Eigenschaften nur auf die oberflächlichen Theile
beschränken, im Stande sein, so grofsartige Verzerrungen der Kurvensysteme
zu bedingen, wie wir sie thatsächlich beobachten.“
‚In wie hohem Maße übrigens Lavamassen magnetisch sein können, geht
aus Beobachtungen, die man in Japan gemacht, hervor. KEinzelne Stücke der
schwarzen Lava aus dem Krater Fujisan drehen die Kompafsnadel vollständig
im Kreise herum, überwinden also infolge ihrer starken Magnetisirung gänzlich
die Richtkraft der Magnetnadel. Einzelne Stücke dieser Lava sind nicht allein
magnetisch, sondern vollstäudig polarisch, ein Beweis für die Stärke der
elektrischen Ströme in den Tiefen der Erde und eine Bestätigung des oben an-
geführten Beispieles über die Magnetisirung einer Sonde beim Bohren eines
tiefen artesischen Brunnens,
Nach dieser Zusammenstellung von Thatsachen wollen wir zur Darlegung
der Ursachen übergehen, welche die Erdströme hervorrufen. Zu dem Zwecke
dürfte es nicht überflüssig sein, einige Sätze aus der Lehre .der Thermo-
elektricität voranzuschicken.
Aus dem Volta’schen Princip folgt, dafs an der Berührungsstelle zweier
Metalle eine elektromotorische Kraft vorhanden und dafs diese elektromotorische
Kraft eine Funktion der Temperatur ist. Aus dem Gesetz von Magnus folgt
aber, dafs diese Kraft nur von der Temperatur-Differenz der beiden Löthstellen
und keineswegs. von der Temperatur-Vertheilung in den dieselben trennenden
Leitern abhängt, da die Potential-Differenz an den beiden Enden eines homogenen
Leiters nur von der Temperatur dieser Endstellen abhängt. Diese Gesetze
gelten nicht blofs für Metalle, sondern auch für andere Materialien, Verbindet
man z. B. mit den beiden Enden eines Multiplikatordrahtes je einen trockenen
Thoncylinder, erhitzt einen derselben am äufsersten Ende und bringt ihn hierauf