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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Erdmagnetismus, 
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im Ostindischen Archipel die Isogonen genau der Längsazxe der Insel Sumatra, 
machen dann plötzlich eine Biegung, um sich nach der Hauptaxe von Java zu 
richten, während die nördlich gelegenen Kurven einen grofsen Bogen beschreiben 
und dann Borneo durchschneiden; man gewinnt den Eindruck, als ob die Berg- 
ketten eine hohe Koercitivkraft besäfsen. 
Alle diese Beispiele, die fast sämmtlich dem oben erwähnten Werke von 
Dr. Naumann entnommen sind, weisen darauf hin, dafs die Karten, auf denen 
man die Komponenten der erdmagnetischen Kraft darzustellen sucht, nur ein 
rohes Bild der wirklichen Verhältnisse bieten können, Es verhält sich hiermit 
ähnlich, wie mit den Jahres-Isothermen. Wollte man nach einer solchen Iso- 
thermenkarte, die die ganze Erdoberfläche umfalst, sich eine Vorstellung von 
den wirklichen Temperatur-Verhältnissen machen, so würde man ohne nähere 
Beschreibung aller: Umstände, die das Klima eines Ortes bedingen, in die 
gröfsten Irrthümer verfallen. 
Es mufs aber hier noch besonders hervorgehoben werden, dafs der so- 
genannte Gesteinsmagnetismus nicht die Ursache solcher starker, sich meilenweit 
erstreckender Abweichungen der magnetischen Elemente sein kann. Die Gebrüder 
Schlagintweit hoben schon hervor, dafs der Lokaleinflufs im Allgemeinen so 
klein ist, dafs er schon verschwindet, wenn man das Magnetometer, statt direkt 
auf die Erde, auf sein Stativ setzt. Auch Lamont hebt die Unzulänglichkeit 
des Magnetismus der Minerale zur Erklärung der magnetischen Kräfte aus- 
drücklich hervor, und Dr. Naumann, der sich sechs Jahre lang in Japan 
zum Zwecke der geologischen Erforschung und Bestihmung der magnetischen 
Elemente dieses Landes aufgehalten, sucht fast auf jeder Seite seines schon 
angeführten Werkes den. geringen Wirkungskreis der magnetischen Minerale 
und die Unmöglichkeit, aus ihrer Einwirkung die grofsen Abweichungen im 
Laufe der maguetischen Linien abzuleiten, darzuthun, Er sagt: „Der Gesteins- 
magnetismus ist ein Phänomen, das an die Erdoberfläche gebunden ist, Damit 
fällt auch die Annahme einer Beeinflussung der magnetischen Kurvennetze durch 
magoetische Massen in sich selbst zusammen, Reich fand, dafs die magnetische 
Polarität der Basaltmassen des Pöhlberges bei Annaberg die Magnetnadel in 
einigermafsen beträchtlicher Entfernung nicht mehr beeinflufst. Wohl erwiesen 
sich einzelne sehr unregelmäfsig vertheilte Punkte des Berges recht deutlich 
polarisch. Wie können also magnetische Massen, die nicht einheitlich wirken, 
welche die Kraft vielmehr in sich selbst zersplittern oder sogar aufheben, und 
bei denen sich die magnetischen Eigenschaften nur auf die oberflächlichen Theile 
beschränken, im Stande sein, so grofsartige Verzerrungen der Kurvensysteme 
zu bedingen, wie wir sie thatsächlich beobachten.“ 
‚In wie hohem Maße übrigens Lavamassen magnetisch sein können, geht 
aus Beobachtungen, die man in Japan gemacht, hervor. KEinzelne Stücke der 
schwarzen Lava aus dem Krater Fujisan drehen die Kompafsnadel vollständig 
im Kreise herum, überwinden also infolge ihrer starken Magnetisirung gänzlich 
die Richtkraft der Magnetnadel. Einzelne Stücke dieser Lava sind nicht allein 
magnetisch, sondern vollstäudig polarisch, ein Beweis für die Stärke der 
elektrischen Ströme in den Tiefen der Erde und eine Bestätigung des oben an- 
geführten Beispieles über die Magnetisirung einer Sonde beim Bohren eines 
tiefen artesischen Brunnens, 
Nach dieser Zusammenstellung von Thatsachen wollen wir zur Darlegung 
der Ursachen übergehen, welche die Erdströme hervorrufen. Zu dem Zwecke 
dürfte es nicht überflüssig sein, einige Sätze aus der Lehre .der Thermo- 
elektricität voranzuschicken. 
Aus dem Volta’schen Princip folgt, dafs an der Berührungsstelle zweier 
Metalle eine elektromotorische Kraft vorhanden und dafs diese elektromotorische 
Kraft eine Funktion der Temperatur ist. Aus dem Gesetz von Magnus folgt 
aber, dafs diese Kraft nur von der Temperatur-Differenz der beiden Löthstellen 
und keineswegs. von der Temperatur-Vertheilung in den dieselben trennenden 
Leitern abhängt, da die Potential-Differenz an den beiden Enden eines homogenen 
Leiters nur von der Temperatur dieser Endstellen abhängt. Diese Gesetze 
gelten nicht blofs für Metalle, sondern auch für andere Materialien, Verbindet 
man z. B. mit den beiden Enden eines Multiplikatordrahtes je einen trockenen 
Thoncylinder, erhitzt einen derselben am äufsersten Ende und bringt ihn hierauf
	        
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