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Ueber Erdmagnetismus,
eines Drahtende in den Boden geleitet, während das andere mit einer auf dem
Dache senkrecht errichteten Eisenstange verbunden ist, zu dieser Zeit kräftige,
von der Erde nach der Atmosphäre gerichtete elektrische Ströme.
Die Existenz stetiger Erdströme in geringeren Tiefen der Erdrinde ist aber
durch die Erdstrom - Untersuchungen von Walker, Lamont, Matteucei,
Secchi, Lloyd, Airy, Lemström, Wild, Blavier und Anderer so sicher
nachgewiesen, dafs es überflüssig ist, hier darauf näher einzugehen.
In wie hohem Mafse ferner die Richtung der Magnetnadel resp. der
Erdströme von der Temperatur und der Tektonik der Erdrinde abhängig ist,
zeigen folgende Beobachtungen. . Auf Porter’s Island am Ufer des Lake Superior
and auf dem Ende der Keweenaw-Halbinsel wird in der Gegend eines durch
Trappgesteine metamorphosirten Sandsteines eine sehr plötzliche Störung der
magnetischen Verhältnisse bemerkbar. Die Inklination wächst unvermittelt um
nicht weniger als 1° 3‘. Bei Magnetic Inlet nimmt die Neigung der Nadel
auf eine Entfernung von nur 500m um etwas mehr als 1° zu.) Nun hat
H. A. Wheeler in den Kupferminen von Keweenaw Point, den tiefsten von
ganz Nordamerika, Temperatur-Beobachtungen angestellt, um die Zunahme der
Temperatur mit der Tiefe zu bestimmen. Die Beobachtungen ergaben einen
auffallend schwachen thermometrischen Gradienten, 1° C auf 60m. Die beträcht-
lichen Temperatur-Unterschiede in den fünf Minen führten nun auch zur Er-
klärung dieser Erscheinung. Keweenaw Point bildet die Spitze einer Halbinsel,
die ca 115km weit in den Lake Superior hineinragt, so dafs sämmtliche
Bergwerke nur wenig von den Wassermassen des Sees entfernt sind. Die ent-
ferntesten ergaben auch den gröfsten Gradienten. Bei der grofsen Ausdehnung
des Sees und der niedrigen Temperatur von +4°C. der untersten Wasser-
schichten resp. des Bodens mufs man den See als einen ungeheuren Kühlapparat
betrachten, der die unter ihm liegenden Felsmassen beträchtlich abkühlt. Es
liegt nun nahe, die oben hervorgehobenen Abweichungen der magnetischen
[nklination von den mittleren Werthen der Umgebung mit den durch die grofsen
Temperatur-Differenzen hervorgerufenen Aenderungen in der Stärke der Erdströme
in Verbindung zu bringen. Dal dieser Gedankengang nicht ungerechtfertigt
ist, geht daraus hervor, dafs auf allen Inseln, besonders solchen vulkanischer
Natur, die magnetischen Abweichungen von den normalen Werthen ihrer Um-
gebung mehr oder weniger bedeutend sind. So betragen dieselben auf /sland
20—30° in Deklination und beeinflussen die Magnetnadel auf eine Entfernung
von 5—6 Sm, an einigen Stellen sogar 20—30 Sm weit von der Küste. Auf
der Insel Jan Mayen zeigen sich an zwei Punkten Unterschiede der Deklination
von 13°%?) und die gleichen Erscheinungen beobachtet man auf Neu-Seeland,
auf den Kurilen, auf den Bermuda- und Sandwich-Inseln ete. Ferner beobachtet
man in der Nähe des Aetna, dafs die Magnetnadel sich mehr oder weniger mit
demselben Ende nach dem Mittelpunkte dieses Berges einzustellen
sucht, wenn man denselben umkreist; andererseits finden wir im nordöstlichen
Asien ein elliptisch geformtes Gebiet mit westlicher Abweichung, während
rundum östliche Abweichung herrscht. Rund um das Eruptionsgebiet des Pilot
Knob in Nordamerika zeigt die Magnetnadel eine Abweichung von 7° 30%, so
äafs die Isogone von 7'/2° eine Schleife bildet, die das Eruptionsgebiet ganz
umschliefst. In Japan ist die Einwärtsbiegung in den inneren Zonen, wo die
Bruptivmassen über der grofsen Longitudinalspalte (Fossa magna) aufgethürmt
liegen, viel bedeutender als nach Aufsen, wo das alte, ziemlich unverletzte
Faltengebirge verläuft. Abgesehen von Keweenaw Point ergaben auch viele
andere Stationen am Lake Superior bedeutsame Abweichungen von den Normal-
werthen, und besonders für Portage de VIsle (48° 26‘ N-Br und 89° 42‘ W-Lg)
findet man in Deklination eine ganz aufserordentliche Abweichung. Ebenso
zeigen sich in ganz Russland die gröfsten Unregelmäfsigkeiten in der Ver-
theilung der erdmagnetischen Elemente. Bekannt ist auch die grofse Abweichung
zwischen. den astronomischen und geodätischen Breitenbestimmungen in der Um-
gebung Moskau’s, die man auf grofse Hohlräume zurückführt, Weiter folgen
1) Die Erscheinungen des Erdmagnetismus in ihrer Abhängigkeit vom Bau der Erdrinde, von
Dr. E. Naumann, Stuttgart 1887.
% Annalen der Hydrographie, Heft IV (April) 1887.