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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Ueber Erdmagnetismus, 
eines Drahtende in den Boden geleitet, während das andere mit einer auf dem 
Dache senkrecht errichteten Eisenstange verbunden ist, zu dieser Zeit kräftige, 
von der Erde nach der Atmosphäre gerichtete elektrische Ströme. 
Die Existenz stetiger Erdströme in geringeren Tiefen der Erdrinde ist aber 
durch die Erdstrom - Untersuchungen von Walker, Lamont, Matteucei, 
Secchi, Lloyd, Airy, Lemström, Wild, Blavier und Anderer so sicher 
nachgewiesen, dafs es überflüssig ist, hier darauf näher einzugehen. 
In wie hohem Mafse ferner die Richtung der Magnetnadel resp. der 
Erdströme von der Temperatur und der Tektonik der Erdrinde abhängig ist, 
zeigen folgende Beobachtungen. . Auf Porter’s Island am Ufer des Lake Superior 
and auf dem Ende der Keweenaw-Halbinsel wird in der Gegend eines durch 
Trappgesteine metamorphosirten Sandsteines eine sehr plötzliche Störung der 
magnetischen Verhältnisse bemerkbar. Die Inklination wächst unvermittelt um 
nicht weniger als 1° 3‘. Bei Magnetic Inlet nimmt die Neigung der Nadel 
auf eine Entfernung von nur 500m um etwas mehr als 1° zu.) Nun hat 
H. A. Wheeler in den Kupferminen von Keweenaw Point, den tiefsten von 
ganz Nordamerika, Temperatur-Beobachtungen angestellt, um die Zunahme der 
Temperatur mit der Tiefe zu bestimmen. Die Beobachtungen ergaben einen 
auffallend schwachen thermometrischen Gradienten, 1° C auf 60m. Die beträcht- 
lichen Temperatur-Unterschiede in den fünf Minen führten nun auch zur Er- 
klärung dieser Erscheinung. Keweenaw Point bildet die Spitze einer Halbinsel, 
die ca 115km weit in den Lake Superior hineinragt, so dafs sämmtliche 
Bergwerke nur wenig von den Wassermassen des Sees entfernt sind. Die ent- 
ferntesten ergaben auch den gröfsten Gradienten. Bei der grofsen Ausdehnung 
des Sees und der niedrigen Temperatur von +4°C. der untersten Wasser- 
schichten resp. des Bodens mufs man den See als einen ungeheuren Kühlapparat 
betrachten, der die unter ihm liegenden Felsmassen beträchtlich abkühlt. Es 
liegt nun nahe, die oben hervorgehobenen Abweichungen der magnetischen 
[nklination von den mittleren Werthen der Umgebung mit den durch die grofsen 
Temperatur-Differenzen hervorgerufenen Aenderungen in der Stärke der Erdströme 
in Verbindung zu bringen. Dal dieser Gedankengang nicht ungerechtfertigt 
ist, geht daraus hervor, dafs auf allen Inseln, besonders solchen vulkanischer 
Natur, die magnetischen Abweichungen von den normalen Werthen ihrer Um- 
gebung mehr oder weniger bedeutend sind. So betragen dieselben auf /sland 
20—30° in Deklination und beeinflussen die Magnetnadel auf eine Entfernung 
von 5—6 Sm, an einigen Stellen sogar 20—30 Sm weit von der Küste. Auf 
der Insel Jan Mayen zeigen sich an zwei Punkten Unterschiede der Deklination 
von 13°%?) und die gleichen Erscheinungen beobachtet man auf Neu-Seeland, 
auf den Kurilen, auf den Bermuda- und Sandwich-Inseln ete. Ferner beobachtet 
man in der Nähe des Aetna, dafs die Magnetnadel sich mehr oder weniger mit 
demselben Ende nach dem Mittelpunkte dieses Berges einzustellen 
sucht, wenn man denselben umkreist; andererseits finden wir im nordöstlichen 
Asien ein elliptisch geformtes Gebiet mit westlicher Abweichung, während 
rundum östliche Abweichung herrscht. Rund um das Eruptionsgebiet des Pilot 
Knob in Nordamerika zeigt die Magnetnadel eine Abweichung von 7° 30%, so 
äafs die Isogone von 7'/2° eine Schleife bildet, die das Eruptionsgebiet ganz 
umschliefst. In Japan ist die Einwärtsbiegung in den inneren Zonen, wo die 
Bruptivmassen über der grofsen Longitudinalspalte (Fossa magna) aufgethürmt 
liegen, viel bedeutender als nach Aufsen, wo das alte, ziemlich unverletzte 
Faltengebirge verläuft. Abgesehen von Keweenaw Point ergaben auch viele 
andere Stationen am Lake Superior bedeutsame Abweichungen von den Normal- 
werthen, und besonders für Portage de VIsle (48° 26‘ N-Br und 89° 42‘ W-Lg) 
findet man in Deklination eine ganz aufserordentliche Abweichung. Ebenso 
zeigen sich in ganz Russland die gröfsten Unregelmäfsigkeiten in der Ver- 
theilung der erdmagnetischen Elemente. Bekannt ist auch die grofse Abweichung 
zwischen. den astronomischen und geodätischen Breitenbestimmungen in der Um- 
gebung Moskau’s, die man auf grofse Hohlräume zurückführt, Weiter folgen 
1) Die Erscheinungen des Erdmagnetismus in ihrer Abhängigkeit vom Bau der Erdrinde, von 
Dr. E. Naumann, Stuttgart 1887. 
% Annalen der Hydrographie, Heft IV (April) 1887.
	        
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