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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

460 Strömungs-, Wind- und Witterungsverhältnisse an der Südostküste von Australien, 
von Sydney nach Valparaiso hatten wir einen solchen Sturm zu bestehen, 
vor dessen Eintreffen der Wind, von starkem Regen begleitet, jede zwei 
Stunden ein Mal rund um den Kompafs lief. Diese Stürme, welche mitunter 
auf NE holen, dauern 2 bis 3 Tage, erlangen eine bedeutende Stärke und können 
daher, wenn man dicht unter der Küste steht, gefährlich werden, auch deshalb, 
weil alsdann daselbst eine starke südliche Strömung stattfindet. Bei einem 
zolchen östlichen Sturm lag ich unter der Küste mit Steuerbordhalsen bei- 
gedreht und halste, als der Wind auf NNE geholt hatte. . Am folgenden Tage fand 
ich durch gute Observation, dafs wir auf diese Weise die Strömung gestoppt 
und auch‘ kein West gemacht hatten. Das Barometer stand während des Sturmes 
sehr hoch und fing erst an zu fallen, als derselbe in der Abnahme begriffen 
war. Der Wind holte dann bis NW herum. Das Barometer fällt gewöhnlich 
vor dem Einsetzen nordwestlicher und westlicher Winde, im Uebrigen behält es 
fast immer seinen vergleichsweise hohen Stand, Ein Wind, der dicht unter der 
Küste N ist, weht weiter auf See gewöhnlich aus NE; wenn man in ersterer 
Gegend Südwind hat, so ist der Wind weiter ab meistens SW. 
Am 7. April 1886 verliefsen wir, mit 430 Tonnen Kohlen als Ballast 
nach Valparaiso bestimmt, Sydney. Während der letzten vier Tage hatten wir 
nördlichen Wind gehabt, der am Tage unserer Abreise auf NE holte, was mich 
zu der Annahme berechtigte, dal wir bald anhaltende südliche Winde bekommen 
würden. Ich entschlofs mich daher, entgegen meiner anfänglichen Absicht, 
nördlich von Neuseeland zu gehen, und wirklich kam auch schon gegen Abend 
züdlicher Wind durch. Als wir aber etwa die halbe Distanz zurückgelegt hatten, 
traten so ungünstige Wind- und Strömungsverhältnisse ein, dafs ich mich, nach- 
dem wir uns sieben Tage vergeblich bemüht hatten, Nord zu gewinnen, ent- 
schlofs, nach Süden abzuhalten, Wir steuerten anfänglich etwas westlicher als 
Süd, um die zu erwartenden harten S- und SW-Winde mit Vortheil ausnutzen 
zu können. Nach dieser Erfahrung glaube ich, dafs man unter allen Umständen 
auf einer Reise von Australien nach Südamerika den Weg südlich von Neuseeland 
nehmen sollte, 
Am 81. Mai kamen wir in Valparaiso an, nach einer Reise von 54 Tagen. 
Alle Schiffe von Australien hatten lange Reisen, keines weniger als 50 Tage, 
obwohl mehrere ebenfalls in Ballast waren. Schiffe, die mit uns ausgingen, waren 
noch nicht hier. Die beste Breite zum Ablaufen der Länge dürfte zwischen 
420 und 43° Süd sein; wenigstens haben wir daselbst die beste Gelegenheit 
gefunden, 
Kleine Notizen. ) 
1. Strömungen an der Ostküste Afrikas. Die folgenden von 
S. M. Kr. „Möwe“, Kommandant Korv.-Kapt. Boeters, auf der während der 
Monate Juni und Juli d. J. im Südwest-Monsun ausgeführten Reise von Zanzibar 
nach Ras al Khyle, von hier nach den Seychellen und zurück nach Zanzibar 
erfahrenen Stromversetzungen stimmen mit den früher beobachteten Strömungen, 
wie sie mehrfach in diesen Annalen mitgetheilt sind, im Allgemeinen überein; 
eine besonders gute Uebereinstimmung zeigt sich in den auf der ersten von 
Zanzibar nach Ras al Khyle an der Afrikanischen Küste zurückgelegten Strecke 
konstatirten Strömungen mit den im Vorjahre in derselben Jahreszeit von der 
„Möwe“ gemachten Erfahrungen, wie sie in den Annalen 1886, Seite 395, auf- 
geführt sind. Auf dem Wege von Ras al Khyle nach den Seychellen machte 
sich meist ein nordwestlicher, an drei Tagen ein nordöstlicher und in der Nähe 
der Seychellen ein südöstlicher Strom, auf der Route von diesen Inseln nach 
Zanzibar dagegen durchweg ein nordwestlicher Strom bemerkbar. 
\ Die mit (D. SS.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet,
	        
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