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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Der Juni-Regen in Japan 1885 und 1886. 
(September, Oktober), im Japanischen Meere, besonders in NW-Nippon, im 
Anfang des Winters (November, Dezember). 
Von allen meteorologischen Werthen zeigen die Niederschläge in den 
verschiedenen Jahren die gröfsten Abweichungen, Juni 1885 und 1886 liefern 
für Tokio und Umgegend ein sprechendes Beispiel. Juni 1885 war aufser- 
ordentlich nafs, er brachte 29cm Regen; Juni 1886 dagegen ungewöhnlich 
trocken, mit nur 8 cm Regen (Verhältnifs 7:2). 
Diese Werthe stellen für Tokio die Extreme der 14 Jahre 1873—1886 
dar, während das Mittel 19cm beträgt. 
Noch gröfsere Abweichungen bieten die Nachbarstationen Numazu und 
Hamamatsu, beide ebenfalls an der Südostküste Nippons gelegen. Die Nieder- 
schlagshöhen waren hier 74cm und 7cm (Verhältnifs 21:2), entsprechend 
73cm und 13 cm (Verhältnifs 11:2). ‘In Numazu fiel also im Juni 1885 zehn- 
mal mehr Regen, als im Juni 1886. 
Zur besseren Würdigung dieser Zahlen sei erwähnt, dafs der eine Monat 
Juni 1885 an den beiden Stationen je soviel Regen lieferte, wie an den regen- 
reichen Stationen Deutschlands durchschnittlich im ganzen Jahre fällt. Die 
Jahressumme der Niederschläge beträgt dort etwa 50 bis 80 cm. 
Die Ursachen, welche dem Wetter längerer Perioden zu Grunde liegen, 
treten nur sehr selten lokal auf, meistens werden größere Gebiete in ähnlicher 
Weise beeinflufst. Zur Feststellung des Verbreitungsbezirkes der Nässe im 
Juni 1885, der Dürre in 1886, dient folgende Tabelle, 
Stationen Regenmenge in cm 
Juni 1885 Juni 1886 Unterschied 180006 
V—_ A 
Nagasaki 
Kagoshima 
Miyasaki 
Kochi 
Wakayama 
Hiroshima 
Osaka 
Kyoto 
Shimonoseki 
Sakai 
Kanagawa 
Fushiki ;. 
Cifa 
Hamamatsu 
Numazu 
Tokio 
Niigata 
Akita 
Nobiru 
Miyako 
Aomori 
Hakodate 
Sapporo 
Nemuro 
36 
. 
67 
3 
ö 
8 
6 
1ı 
12 
= 
20 
Das südliche und mittlere Japan bis zur Breite von Nügata (38° Nord) 
hatte also Juni 1885 einen beträchtlichen Ueberschufs von Regen gegen Juni 
1886. Dieses Verhältnis kehrt sich aber weiter nördlich um. Nord-Japan 
hatte in 1885 einen trockenen, in 1886 einen nassen Juni. 
Den höchsten Niederschlag (96cm) und die gröfste Differenz in beiden 
Jahren (69 cm) weist Nagasakti auf. 
Bei Numazu liegen die Verhältnifszahlen am meisten auseinander, bei 
keiner anderen Station wiederholt sich das Verhältnifes von 10:1. 
Im Durchschnitt beider Jahre ist die Regenhöhe im Süden am gröfsten, 
in Central-Japan nimmt sie beträchtlich, im Norden sehr schnell ab. Da wo 
der Zeichenwechsel von — zu + stattfindet, liegt auch die nördliche Grenze 
der Sommerregenzeit, denn, wie bereits bemerkt, hat der Norden überhaupt 
keine, Central-Japan eine weniger ausgeprägte Sommerregenzeit als der Süden. 
Die allgemeinen Resultate bleiben dieselben, wenn man die Werthe für 
Juni 1885 und 1886 mit den mehrjährigen Mitteln vergleicht,
	        
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