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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

AB6 
Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, 
Maxima stimmten nämlich diese beiden Zeiträume wesentlich überein: hoher 
Druck in Manitoba, auf dem Ocean von Florida bis südlich der Azoren, und im 
ganzen Alpen- und Donaugebiet, dazwischen geringe Depressionen im Mississippi- 
thal und westlich von Portugal; freilich war die Bewegung der einzelnen Druck- 
centren, besonders in Europa, verschieden. Der Hauptunterschied bestand aber 
in der Lage der Niederdruck-Gebiete, welche sich bis zum 8. im hohen Norden 
hielten, von da an aber südlich von Island, bis auf die Mitte des Oceans hinab, 
erscheinen. Die bedeutendste Erscheinung dieses Zeitabschnitts ist im Osten 
eine Depression, welche ihre am 29. Januar in Nebraska begonnene Bahn in 
diesen Tagen durch Skandinavien und Russland fortsetzte und den 4, zusammen 
mit dem Maximum in Frankreich, zum stürmischsten Tage des Monats an der 
Deutschen Küste machte. In Amerika aber ist derselbe Zeitraum durch den 
Beginn der gewaltigen Ueberschwemmung des Ohio denkwürdig, welche ihren 
Höhepunkt in Pittsburg schon am Abend des 6., in Cincinnati am 14., in Louis- 
ville am 15. erreichte und sich auch in den Mississippi fortpflanzte, der seinen 
höchsten Stand zu Cairo am 23., zu Memphis am 27, und zu Vicksburg erst im 
März erreichte. In Cincinnati überschritt der Flufs zuerst am 4. die sogenannte 
„danger line“ und blieb über dieser 18 Tage lang; am 6. bereits, wo er 
9'% Fufs über dieses Niveau gestiegen war, erlangte die Kalamität auch hier 
grofse Dimensionen, und das Wasser stieg bis zum 14. noch um weitere 12 Fufs. 
Einen so hohen Wasserstand hatte der Ohio seit der Besiedelung durch Weifse 
noch nicht gehabt; der höchste Stand übertraf in Cineinnati jenen vom Februar 
1832 um 6 Fufs 10Zoll, jenen vom Dezember 1847 um 7 Fufs 6 Zoll und sogar jenen 
vom Februar 1883 um 4 Fufs 9 Zoll. Am 5. bildete sich bei Pittsburg eine Eis- 
stauung, die aber ohne Schaden fortgeschwemmt wurde; auf dem Missouri und 
dem oberen Mississippi (oberhalb Keokuk) erhielt sich die Eisdecke während des 
ganzen Monats. 
Der zweite Zeitraum von der Karte VII reicht vom 8. bis zum 13. Fe- 
bruar und zeigt grofßse Verwandtschaft mit den Tagen nach dem 25. Januar 
durch die wiederholte plötzliche Ausbildung südwestlicher Auswüchse zu 
gewaltigen, aber unter Zurücklegung einer ungewöhnlich stark cyklonal ge- 
krümmten Bahn rasch sich wieder ausgleichenden Wirbeln. Der Schauplatz lag 
jedoch diesmal etwas weiter nordwestlich, und Europa wurde weniger davon 
berührt; nur die Britischen Inseln hatten sowohl am 9.—10., als am 12. Sturm 
aus S und SW. Mit der Entstehung und Abrundung der ersten dieser grofsen 
Depressionen im Laufe des 8, und 9. war auch eine Umwandlung in den um- 
gebenden Hochdruckgebieten verknüpft; jenes am Mittelmeere verlor sich, an 
seinem Nordrande entwickelte sich eine Zunge höheren Drucks, die zwischen 
die atlantische Depression und ein in Russland gelegenes Anhängsel der Eismeer- 
Depression hereinragte, zu einem selbständigen Maximum aus; an der SW-Seito 
der atlantischen Depression wurde ein schwaches von New-Brunswick bis gegen 
dio Azoren vorgedrungenes Maximum durch ein intensiveres von ebenda nach- 
drängendes ersetzt. Am Morgen des 10., als die Depression bei Island auf 
dem Höhepunkt ihrer Entwickelung war, sehen wir südwestlich von ihr bei 
Neufundland ein schwaches parasitisches Minimum sich ansetzen, welches allem 
Anschein nach den Golfstrom herabgekommen war. Schon 24 Stunden später 
ist dassoclbe dem Hauptminimum gleichwerthig, und nach weiteren 24 Stunden 
hat es sich gänzlich an seine Stelle gesetzt und beherrscht die Winde von 
Labrador bis Russland, um darauf rasch dem Schicksal seines Vorgängers zu 
verfallen. 
Aus den Schiffsbeobachtungen dieser Tage können wir zur Ergänzung 
der Karten folgende anführen: 
8. Februar. D. 380. Um 8p Wind NE 5, Barometer 778,5. — D. 45. Um 8p Wind NW 10, 
Barometer 745,3. — D. 39. Um 8p Wind WNW 8, Barometer 736,8. 
9. Februar. D.39. Um 8p Wind NW 11, Barometer 748,5. — D.61. Um 8p Wind W 9, 
Barometer 734,8, 
10. Februar. S. 100 (5° W). Um 4p Wind S11, Barometer 713,2. 
11. Februar. D. 50. Barometer fiel in 8 Stunden von 749,3 auf 717,7; um 8p Wind 
WNW 7, Barometer 755,1. — D. 39. Um 8p Wind WNW 11, Barometer 738,1. — D. 61. Um 8p 
Wind W 8, Barometer 726,0, Blitzen, orkanartige Böen. — D. 49. Um 8p Wind SW 9, Barometer 
745,9. — D. 33. Um 8p Wind SSE 10, Barometer 741,6. 
12. Februar. S. 100 (7° W). Um 12p Wind S 9, Barometer 727,3.
	        
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