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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Die Strömungen in der Tafel-Bai. 
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östliche Winde verstärkt wird, drängt er den Polarstrom, oder wie er auch 
genannt wird, den kalten Südafrikanischen Strom, nach Westen, und es laufen 
zwei Strömungen von sehr verschiedenen Temperaturen neben einander, an der 
Küste entlang nach Norden, zunächst der Küste der warme, nach aufsen zu 
der kalte. Wenn die Südost-Winde ausbleiben, verliert der warme Strom an 
Stärke, und der kalte drängt sich an die Küste heran. Dieser letztere kalte 
Strom war Ende März und Anfang April ungefähr drei Wochen der vor- 
herrschende in der Tafel-Bai. In Simons-Bai wurde er über einen Monat 
später beobachtet, jedoch nur zwei Mal, ungefähr je zwei Tage lang. 
Mit dem Einsetzen von nordwestlichen Winden wurde eine weitere 
Strömungs-Aenderung beobachtet; das Wasser nahm eine andere, bräunliche 
Färbung an, und die Temperatur stieg um 3°—31/2° (5—6° F.); es machte sich 
hierdurch der über den Atlantischen Ocean zwischen 30° und 40° S-Br laufende 
Südatlantische Verbindungsstrom bemerkbar, 
Der Agulhas- und der kalte Südafrikanische Strom, welche beide im AN- 
gemeinen dem: Verlaufe der Küste nach Norden folgen, treten in der Tafel-Bai 
als einlaufende Strömungen auf, welche in Stärke und Richtung entsprechend 
der Küstenlinie und der Wassertiefe verschieden sind. So setzt der Strom am 
Ende des Wellenbrechers in südlicher Richtung in die Bai, weiter nach Green- 
Spitze SSE, SE, ESE u. 8. w. 
Während die Geschwindigkeit an der Küste aufserhalb der Bucht in der 
Mitte der Strömung 12—30 Sm pro Tag betrug, wurden beim Kingange der 
Bai, in 16—18 m Wasser, nie über %10 Knoten beobachtet, weiter im Innern 
der Bai auf 6% m Wasser nur 240 m (800‘ engl.) in der Stunde, 
Der Agulhas-Strom wird durch die herrschenden Winde sehr beeinflufst, 
während .der kalte Südafrikanische Strom, dessen Auftreten zwischen dem Auf- 
hören der südöstlichen Winde und dem Einsetzen der nordwestlichen Winde 
beobachtet wurde, in der Richtung sehr wenig ändert; vom Ende des Wellen- 
brechers geht er in südlicher Richtung direkt auf den Strand zwischen dem 
Militär-Hospital und Woodstock zu; wenn kein entgegenstehender Wind weht, 
so treiben die von den Schiffen auf Rhede über Bord geworfenen schwimmenden 
Gegenstände alle an diesen Theil des Strandes an. 
Die Oberflächenströmung ist selbst bei Windstille nicht mafsgebend für 
die Bewegung der unteren Wasserschichten, schr selten ergeben die Beob- 
achtungen an der Oberfläche eine gleichlaufende Richtung mit dem Unterstrom, 
vielmehr breitet sich der letztere mit dem Vorschreiten in die Bai nach rechts 
oder nach links, gewöhnlich nach links aus. Eine Neigung nach rechts zeigt 
sich längs einer westlich vom Wellenbrecher-Kopf nach Süden gezogenen Linie. 
Längs dieser Linie biegen die unteren Wasserschichten nach Westen dem Strande 
zu und laufen hier nach Norden zurück. Der so erzeugte Gegenstrom ist von 
wechselnder Stärke, zuweilen wurde er bis zu den Sceptre-Riffen angetroffen; 
an der Innenseite des Wellenbrechers scheint er stets entlang zu laufen; bei 
dem Kopfe desselben wurde zuweilen in 9ın Tiefe ein starker nach Norden 
setzender Unterstrom gefunden, während über demselben in 4'/m Tiefe ein 
entgegengesetzter Strom in die Bai hineinsetzte, zuweilen bog er auch beim 
Wellenbrecher wieder um und schlofs sich der Richtung des Oberflächenstroms 
an. Dieser Gegenstrom verhindert ein Ansetzen von Sand und Schlick an der 
Innenseite des Wellenbrechers. Aufserhalb der angeführten Linie zeigt der 
Unterstrom zuerst wenig Aenderung in der Richtung, biegt aber, je weiter er 
in die Bai hineinkommt, desto mehr nach Osten aus. Im Grunde der Bai 
tritt die Abzweigung nach Osten entschiedener auf, und zwischen Craig Tower 
und Salt River folgt er der Küste, bei Paarden-I. vorbei, und dann nach 
Norden. Gelegentlich wurde bei Salt River ein kleiner Zweig beobachtet, 
welcher nach Westen längs der Küste zurückflofs und sich mit dem vorerwähnten 
Gegenstrom vereinigte, 
Der Südatlantische Verbindungs- oder Gegenpassatstrom wechselt mit 
den Winden sehr häufig seinen Kurs. Setzt z. B. ein Sturm von Nord- 
nordost oder Nord ein und geht nach Südwest herum, so setzt zunächst ein 
Strom nach Süden die Küste herunter, während später das Wasser in enigegen- 
gesetzter Richtung wieder nach Norden zurückgetrieben wird,
	        
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