Die Strömungen in der Tafel-Bai.
445
östliche Winde verstärkt wird, drängt er den Polarstrom, oder wie er auch
genannt wird, den kalten Südafrikanischen Strom, nach Westen, und es laufen
zwei Strömungen von sehr verschiedenen Temperaturen neben einander, an der
Küste entlang nach Norden, zunächst der Küste der warme, nach aufsen zu
der kalte. Wenn die Südost-Winde ausbleiben, verliert der warme Strom an
Stärke, und der kalte drängt sich an die Küste heran. Dieser letztere kalte
Strom war Ende März und Anfang April ungefähr drei Wochen der vor-
herrschende in der Tafel-Bai. In Simons-Bai wurde er über einen Monat
später beobachtet, jedoch nur zwei Mal, ungefähr je zwei Tage lang.
Mit dem Einsetzen von nordwestlichen Winden wurde eine weitere
Strömungs-Aenderung beobachtet; das Wasser nahm eine andere, bräunliche
Färbung an, und die Temperatur stieg um 3°—31/2° (5—6° F.); es machte sich
hierdurch der über den Atlantischen Ocean zwischen 30° und 40° S-Br laufende
Südatlantische Verbindungsstrom bemerkbar,
Der Agulhas- und der kalte Südafrikanische Strom, welche beide im AN-
gemeinen dem: Verlaufe der Küste nach Norden folgen, treten in der Tafel-Bai
als einlaufende Strömungen auf, welche in Stärke und Richtung entsprechend
der Küstenlinie und der Wassertiefe verschieden sind. So setzt der Strom am
Ende des Wellenbrechers in südlicher Richtung in die Bai, weiter nach Green-
Spitze SSE, SE, ESE u. 8. w.
Während die Geschwindigkeit an der Küste aufserhalb der Bucht in der
Mitte der Strömung 12—30 Sm pro Tag betrug, wurden beim Kingange der
Bai, in 16—18 m Wasser, nie über %10 Knoten beobachtet, weiter im Innern
der Bai auf 6% m Wasser nur 240 m (800‘ engl.) in der Stunde,
Der Agulhas-Strom wird durch die herrschenden Winde sehr beeinflufst,
während .der kalte Südafrikanische Strom, dessen Auftreten zwischen dem Auf-
hören der südöstlichen Winde und dem Einsetzen der nordwestlichen Winde
beobachtet wurde, in der Richtung sehr wenig ändert; vom Ende des Wellen-
brechers geht er in südlicher Richtung direkt auf den Strand zwischen dem
Militär-Hospital und Woodstock zu; wenn kein entgegenstehender Wind weht,
so treiben die von den Schiffen auf Rhede über Bord geworfenen schwimmenden
Gegenstände alle an diesen Theil des Strandes an.
Die Oberflächenströmung ist selbst bei Windstille nicht mafsgebend für
die Bewegung der unteren Wasserschichten, schr selten ergeben die Beob-
achtungen an der Oberfläche eine gleichlaufende Richtung mit dem Unterstrom,
vielmehr breitet sich der letztere mit dem Vorschreiten in die Bai nach rechts
oder nach links, gewöhnlich nach links aus. Eine Neigung nach rechts zeigt
sich längs einer westlich vom Wellenbrecher-Kopf nach Süden gezogenen Linie.
Längs dieser Linie biegen die unteren Wasserschichten nach Westen dem Strande
zu und laufen hier nach Norden zurück. Der so erzeugte Gegenstrom ist von
wechselnder Stärke, zuweilen wurde er bis zu den Sceptre-Riffen angetroffen;
an der Innenseite des Wellenbrechers scheint er stets entlang zu laufen; bei
dem Kopfe desselben wurde zuweilen in 9ın Tiefe ein starker nach Norden
setzender Unterstrom gefunden, während über demselben in 4'/m Tiefe ein
entgegengesetzter Strom in die Bai hineinsetzte, zuweilen bog er auch beim
Wellenbrecher wieder um und schlofs sich der Richtung des Oberflächenstroms
an. Dieser Gegenstrom verhindert ein Ansetzen von Sand und Schlick an der
Innenseite des Wellenbrechers. Aufserhalb der angeführten Linie zeigt der
Unterstrom zuerst wenig Aenderung in der Richtung, biegt aber, je weiter er
in die Bai hineinkommt, desto mehr nach Osten aus. Im Grunde der Bai
tritt die Abzweigung nach Osten entschiedener auf, und zwischen Craig Tower
und Salt River folgt er der Küste, bei Paarden-I. vorbei, und dann nach
Norden. Gelegentlich wurde bei Salt River ein kleiner Zweig beobachtet,
welcher nach Westen längs der Küste zurückflofs und sich mit dem vorerwähnten
Gegenstrom vereinigte,
Der Südatlantische Verbindungs- oder Gegenpassatstrom wechselt mit
den Winden sehr häufig seinen Kurs. Setzt z. B. ein Sturm von Nord-
nordost oder Nord ein und geht nach Südwest herum, so setzt zunächst ein
Strom nach Süden die Küste herunter, während später das Wasser in enigegen-
gesetzter Richtung wieder nach Norden zurückgetrieben wird,