accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Die Juba-Mündung; Ostküste von Afrika, 
wahrzunehmen bezw. vorauszusetzen, welche sich beim Passiren der Barre 
merklich fühlbar erweisen, 
Das Festlaufen des Damptkutters, obwohl unter Führung des Navigations- 
offiziers, welcher sich am Tage vorher eine Richtungslinie ausgelothet hatte, 
dieses Festlaufen, welches durch Brandungswellen und Strom veranlafst event, 
an ungünstigerer Stelle eintreten konnte, ferner die Ueberzeugung, dafs der 
Ruderkutter, von der aufbäumenden See am Heck erfafst und vorwärts getrieben, 
am Bug unter dem Kiel zeitweilig nicht viel mehr Wasser gehabt (das Wasser 
wurde hier muddig vom aufgesogenen Grund) als nöthig, um ihn hier schwimmend 
zu erhalten und so vor dem Umschlagen zu schützen, lassen mich das Passiren 
der Barre doch für wesentlich bedenklicher erachten, als ich ursprünglich an- 
nahm. Zwar wird behauptet, dafs zur Zeit des Hochwassers die Barre am 
ungefährlichsten sei, wie das ja naturgemäfs wäre, und auch ich habe auf dem 
zur Zeit des Hochwassers stattfindenden Rückwege, obwohl derselbe an sich 
leichter ist, als der Weg hinein, denselben Eindruck zu gewinnen geglaubt. 
Ferner ist wohl anzunehmen, dafs die Versuchstage noch nicht die aller- 
günstigsten Umstände auf der Barre geboten haben, dafs es noch günstigere, 
vielleicht noch viel günstigere Tage giebt, dennoch würde ich ohne ausdrück- 
lichen Befehl oder durchaus zwingende Gründe keines meiner Boote wieder 
über die Barre schicken. 
Das Faktum der zeitweiligen Passirbarkeit der Barre ist durch den 
gelungenen Versuch erwiesen, und bin ich auch fest überzeugt, dafs zu Zeiten 
das Passiren absolut gefahrlos stattfinden kann, ob mit unseren, ob mit anderen 
Booten, vielleicht viel häufiger stattfinden kann, als wir ursprünglich anzunehmen 
geneigt sind. Dazu gehören aber Leute, welche die örtlichen Tiefen-, Brandungs-, 
Strom- etc. Verhältnisse kennen und welche sich bei jeder Gelegenheit einen 
Ueberbliek von Land aus über den augenblicklichen Stand der Dinge verschaffen 
können, also an Land wohnende Leute. Flachgehende feste Dampfer, denen 
die Brecher weniger schaden, werden noch bessere Erfolge erzielen. Von 
einem fern auf Rhede verankerten Schiffe bleibt der Versuch, die Barre passiren 
zu wollen, unter allen Umständen gefahrvoll. 
Nach den Erfahrungen des als Dolmetscher an Bord der „Möwe“ 
fungirenden Somali M’Hamed ben Abdikherim soll im April und Mai häufig 
derartiges Wetter herrschen, dafs die Barre passirbar ist. Vom Juni ab soll 
das nicht mehr möglich sein, dagegen Ende September und Oktober wieder die 
Verhältnisse günstig werden, doch soll dann das Wasser sehr flach sein, etwa 
einen halben Meter, so dafs die Barre durchwatet werden kann, Von November 
bis März wäre dann wieder die Passage unterbrochen. Es sollen Dhaus, d. h. 
über See gehende größere Segelfahrzeuge, wahrscheinlich unter Segel, ferner 
Maus (über Rippen gebaute flache Bretterboote) und Mtumbwis (gröfsere, aus 
Baumstämmen hergestellte Kanoes ohne Auslieger), letztere beiden mit Riemen, 
und zwar je nach der Gröfse vier bis zehn Riemen, d. h. am vorderen Ende 
mit rundem bezw. ovalem Blatte versehene Stangen, die Barre zeitweise passiren, 
sogar manchmal Korn. nach. Kismayu. bringen. _ Ich habe_kein. Boot aufser den 
meinigen die Barre passiren oder Miene hierzu machen sehen, Gewöhnlich soll 
der Handelsweg über Land per Kameel nach Kismayu gehen.“ 
Die geographische Lage der Juba- Mündung wurde, wie bereits von 
S. M, S. „Carola“ (s. Annalen 1887 S. 231) so auch von S. M. Kr. „Möwe“ 
etwas nordöstlicher gefunden, als sie in der Britischen Admiralitäts-Karte an- 
gegeben ist; die Differenz war nach den Beobachtungen der „Möwe“ noch 
gröfßser, als nach denjenigen des erstgenannten Schiffes, nämlich 1,2 Sm in 
direkter Entfernung gemessen. Hiernach würde die Spitze der das Südufer 
bildenden Bank auf 0° 13,6‘ S-Br und 42° 39,8‘ -O-Lg liegen. 
431
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.