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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Die Juba-Mündung; Ostküste von Afrika, 
Kurz nach Hochwasser passirten die Boote auf dem Rückwege wieder 
die Barre. Der Wind, welcher, wohl nur durch lokale Verhältnisse verstärkt, 
sich im Flusse so kräftig gezeigt hatte, war weniger fühlbar als erwartet, und 
theils infolge des tieferen Wassers, theils weil nunmehr die Boote den brechen- 
den Seen entgegen gingen, zeigte sich bei allerdings bedeutend längerer 
Passagezeit das Durchkommen leichter als beim Einfahren. Es gelang sogar, 
mancher brechenden See auszuweichen, und war in dieser Beziehung der 
Dampfkutter bedeutend vor dem Ruderkutter bevorzugt. 
Während des Aufenthaltes der „Möwe“ vor der Juba-Mündung wehte 
der Wind zwischen ESE und SE, Stärke 5—1, vorherrschend war er SE und 
flau. Der Gezeitenstrom war auf dem Ankerplatze gering, das Fahrzeug lag 
stets mehr oder weniger mit dem Heck nach der Juba-Mündung zu, durch 
Strom und Wind gleichzeitig beeinflufst. Der Ebbstrom setzte leicht nach 
Nordost, der Fluthstrom leicht nach Südwest. Infolge der wechselnden Gezeiten- 
strömung traf die über das gelb gefärbte Wasser von S.M.S. „Carola“ ge- 
machte Bemerkung (Annalen 1887 Seite 230) nicht mehr zu. Dieses Wasser 
befand sich weder südlich noch nördlich, sondern gerade vor der Mündung. 
Infolge der offenen Rhede stand selbst zu dieser Jahreszeit soviel südöst- 
liche Dünung, dafs die „Möwe“ recht merklich stampfte und schlingerte. Diese 
Dünung ist denn auch die Ursache der Brandung auf der Barre, und dafs zu 
jetziger Jahreszeit wohl meist nur Dünung brandet, wird die Möglichkeit geben, 
dafs auch offene Boote die Barre passiren können. Ich möchte der Ansicht 
Ausdruck geben, dafs, wenn sich Wind hinter diese Dünung setzt, was nach 
meinen Erfahrungen in der Manda-Bucht während des dem Besuch des Juba 
vorangehenden dortigen Aufenthaltes der „Möwe“ in jetziger Zeit wohl statt- 
finden kann, diese Möglichkeit schwindet. Die Höhe der Brandungsseen beträgt 
vom Gipfel bis zur Sohle zwischen %/4 bis 2m, und zwar nimmt die Höhe nach 
innen ab. Die Wassertiefe auf der Barre betrug nach den Lothungen des 
Navigationsoffiziers ziemlich gleichmäfsig 1,5 m bei Hochwasser. 
Es steht keine langgestreckte gleichmäfsige Brandung auf der Barre, 
nur von beiden Küsten eine Strecke nach der Mitte zu sind unveränderliche 
weifßse Streifen zu sehen. In der Mitte der Barre und namentlich an der 
äufseren Grenze derselben kommen die Brecher unregelmäfsig, .es steht gewisser- 
mafsen plötzlich hier, plötzlich da, eine See auf, wächst und läuft eine relativ 
kurze Strecke und bricht dann zusammen. KEin Durchlaufen der Brandung auf 
dem Rücken eines Brechers ist daher nicht denkbar. Aus demselben Grunde, 
sowie ferner deshalb, weil die Barre meiner Schätzung nach ca 600m tief ist, 
auch deshalb, weil die früheren Erfahrungen, mit der jetzigen zusammengehalten, 
ergeben, dafs die Strömung schräg zur Mündung und zur Barre setzt, halte ich 
ein Durchfieren von Booten durch die Barre mittelst Leine uud Anker, welcher 
aufserhalb derselben verankert, nicht gut für durchführbar. Besser durchführbar 
und unter Umständen am gefahrlosesten ist die Methode, streichend, den Bug 
den brechenden Seen zugekehrt, die Brandung zu passiren. Es wird aber diese 
Manier unter den obwaltenden Umständen eine beträchtliche Zeit in Anspruch 
nehmen und die Bootsmannschaften gewaltig anstrengen. 
Am bequemsten und schnellsten wird man die Barre passiren, wenn man 
im Stande ist, vor der See durchzulaufen. Dazu gehört neben grofser Schwimm- 
fähigkeit eine gewisse Geschwindigkeit des Bootes, und daher war auch die 
erste Frage des Isa ben Abdikherim (Sohn eines Somali-Häupilings), als bei 
seinem Besuche in Zanzibar von der Barre die Rede war, „ob ich ein Dampf- 
boot besäfse“, und auf die bejahende Antwort seine Aeufserung, „dann würden 
wir über die Barre hinüberkommen“. Die Eingeborenen sollen dieselbe Methode 
anwenden. 
Nach dem Ergebnisse des von Bord aus unausgesetzt beobachteten ersten 
Versuchs war der Navigationsoffizier wohl zur Anwendung eben dieser Methode 
berechtigt und konnte er nach bester Ueberzeugung urtheilen, dafs beide Kutter 
zu Expeditionszwecken die Barre passiren könnten. Der Umstand, dafs am 
folgenden Tage die Verhältnisse ungünstiger lagen, beweist zunächst, dafs keine 
vollkommene Regelmäfsigkeit in den Erscheinungen auf der Barre herrscht, 
sowie ferner, dafs es uns unmöglich ist, mit dem Auge vom Mast aus direkt 
bezw. mit dem Gefühl an der event. Zunahme der Dünung Veränderungen
	        
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