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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Die Juba-Mündung; Ostküste von Afrika, 
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bald wieder los gemacht werden, ohne dafs, infolge des hohen Dollbortes sowie 
des ausgeholten Schutzdaches, soviel Wasser hineingekommen wäre, dafs das 
Dampfhalten wesentlich gelitten hätte. Dem Boote hatte das Festkommen nichts 
geschadet, Der Ruderkutter, in welchem ich mich befand, hatte, weil mir au 
der nördlichen Seite das Wasser zeitweilig ruhiger zu sein schien, . die Barre 
mehr nördlich betreten und versucht, sich in das anscheinend etwas ruhigere 
Wasser hinter der vom Nordstraude vorspringenden Brecherreihe zu schieben, 
Es gelang mir dies jedoch nicht, und trieben auch mich die brechenden Seen 
nach der Südseite hinüber, so dafs ich in der Nähe des festsitzenden Dampf- 
kutters in das tiefere Wasser des Flusses kam. Der Ruderkutter war ziomlich 
trocken durch die Brandung gekommen, nur von einem Brecher hatte er etwas, 
aber wenig Wasser erhalten. 
Nach Passiren der Barre fuhren die Boote 5 bis 6 Sm stromaufwärts, 
auf der ganzen Strecke einen Fluthstrom bis zu reichlich 1!/a Kn Geschwindig- 
keit konstatirend. Aus dieser immerhin beträchtlichen Stromgeschwindigkeit, 
zowie aus dem Umstande, dafs nur brackes Wasser während der Fahrt gefunden 
wurde, ist zu schliefsen, dafs der Fluthstrom noch erheblich weiter den Fluls 
hinauf bemerkbar bleibt. 
Die Richtung der Barre der Mündung liegt in einem sehr spitzen Winkel 
zum Flusse, so dafs an der Stelle, wo die Boote in den Fluß hineintraten, 
derselbe nur ca 30m breit ist und sofort eine Drehung nach B-B. verlangt. 
Sobald man die Spitze des südlichen Ufers passirt hat, tritt man in die 
Gegend der gröfsten Breite des Flusses ein, die Sandbank springt etwas zurück, 
und entsteht so eine buchtartige Verbreiterung des Juba, ca 300 m breit, welche 
den Anblick eines schönen Hafens erweckt. Von hier ab nähern sich die Ufer 
wieder mehr und mehr, so dafs schon vor Vumbo der Flufs ungefähr 200 m 
Breite besitzt, welche er dann beibehält, 
Sein Nordufer besteht aus Korallen, das Südufer zeigte zunächst Sand. 
Beide Seiten sind mit Mangroven bewachsen, und zwar das Nordufer von Anfang 
an, die Sandzunge des Südufers erst an ihrem hinteren Ende mit wenigen und 
kleinen Büschen bedeckt, von dort ab indefs in gleicher Weise, wie das Nord- 
ufer, einen allerdings sehr schmalen Streifen von hohen und zum Theil etwas 
vereinzelt stehenden Mangrovebüschen zeigend. 
Jenseits Vumbo, wo die bis dahin hügeligen Ufer für eine Zeit in ebene 
übergehen, ändert sich auch der Charakter der Einfassung derselben, Hier 
sind die Mangroven ganz niedrig und mit einzelnen Palmen untermischt. Diose 
Einfassung ist ein schmaler Saum, hinter dem Schambas (Anpflanzungen) sichtbar 
werden. Auch scheinen hier keine Korallen mehr vorzukommen, 
Die Stadt Vumbo liegt an einem Hügel derart, dafs man, von der Mün- 
dung des Flusses kommend, vom Wasser aus die ganze Stadt einsehen kann. 
Sie ist unbedeutend, klein, besteht aus einfachen, ärmlichen, unregelmäfsig 
stehenden Hütten und .ist von einer dünnen, scheinbar zum Theil eingefallenen, 
wahrscheinlich einer mit Lehm abgeputzten Korallenstein-Mauer umgeben. Das 
Ganze macht den Eindruck der von Kindern mittelst Baukasten planlos dar- 
gestellten Oertlichkeiten. 
Auf einer der gröfseren Hütten wehte die Zanzibar-Flagge; eine Be- 
festigung außer der erwähnten Mauer konnte nicht wahrgenommen werden, 
Dagegen stand auf dem am gegenüberliegenden Ufer gelegenen, schroff zum 
Wasser abfallenden, ca 40m hohen Hügel ein anscheinend ganz neu aufgeführtes 
festes Arabisches Haus von quadratischöm Querschnitt, in welchem ein Detache- 
ment Askaris sich aufhielt. Von hier aus wurde zuerst unser Kommen bemerkt, 
es sammelten sich Askaris und Weiber in Suaheli-Tracht auf dem plattform- 
artigen Gipfel des Hügels, und wurde unser Passiren durch einen Gewehrschufs 
nach der nördlichen Seite signalisirt. . 
Die Ufer scheinen sehr bevölkert zu sein, denn namentlich auf der Rück- 
fahrt waren viele Somali an den Ufern zu sehen, auch schönes silbergraues 
Rindvieh, von mehreren Somali bewacht, war in der Biegung bei Vumbo trotz 
des Brackwassers zur Tränke gekommen, und ein Thier derselben wurde mit 
Wassersäcken beladen. 
Die Wassertiefen im Flusse waren sehr gleichmäfsig 3 m.
	        
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