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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 70 (1942)

130 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1942, 
gesamte Wassermenge eine gleichmäßige Temperatur von + 4°C, also das Dichte- 
maximum, erreicht hat. Bei weiterer Abkühlung von oben her besteht infolge 
der jetzt erfolgenden Abnahme der Wasserdichte in den oberen Schichten kein 
Grund mehr zur weiteren Durchmischung. Die weitere Abkühlung unter 4°C, 
bei der demnach nur der Wärmevorrat einer verhältnismäßig dünnen Ober- 
schicht aufgezehrt zu werden braucht, kann von nun an sehr schnell vonstatten 
gehen. Bei Temperaturen unter 0°C wird gleichfalls sehr schnell die Eisbildung 
an der Oberfläche der Seen einsetzen können. Eine weitere wichtige Folge 
besteht darin, daß die Hauptmasse der tieferen Wasserschichten der weiteren 
Einwirkung des Abkühlungs- und Gefriervorganges entzogen wird und ihre 
Temperatur von + 4°C beibehält. 
Anders liegen die Verhältnisse beim Ozeanwasser. Der Salzgehalt entfaltet 
eine doppelte Wirkung. Einmal bewirkt er eine Herabsetzung des Gefrierpunktes 
mit steigendem Salzgehalt und zum anderen eine 
Verlagerung des Dichtemaximums zu tieferen 
Temperaturen (Abb. 2). Da der zweite Vorgang, 
die Verlagerung des Dichtemaximums, rund vier- 
mal so stark verläuft wie die Herabsetzung des 
Gefrierpunktes, tritt bereits bei einem Salzgehalt 
von 25°, S der Fall ein, daß sich der Gefrier- 
punkt und das Dichtemaximum bei der gleichen 
Temperatur von etwa —1.4°C decken, während 
bei weiterer Salzgehaltszunahme der Gefrierpunkt 
bemerkenswerterweise oberhalb des Dichtemaxi- 
mums liegt. Das bedeutet aber, daß beim Ozean- 
wasser, dessen Salzgehalt sich im allgemeinen um 
35% S bewegt, der Gefriervorgang erst nach restloser Abkühlung und Durch- 
mischung der gesamten Wasserschicht bis zum Meeresboden hin die Möglichkeit zu 
seiner Verwirklichung findet. Diese Tatsache, nicht aber die geringfügige Herab- 
setzung der Gefriertemperatur um 2'/,° C, ist in Verbindung mit der zumeist großen 
Mächtigkeit der ozeanischen Wasserschichten der Hauptgrund dafür, weshalb das 
Gefrieren des Meeres im Gegensatz zu den Süßwasserbecken nur so äußerst 
schwer vor sich geht. 
Damit können wir die Betrachtungen über die anomale Dichtekurve des 
Wassers abschließen. Auf der Suche nach weiteren ähnlichen Erscheinungen 
lassen wir uns von der Überlegung leiten, daß der Vorgang der Ausdehnung 
und Zusammenziehung naturgemäß von Wärmetönungen begleitet sein muß. 
[nnere Wärmevorgänge eines Moleküls finden ihren äußeren Niederschlag im 
Auftreten und in der Änderung der Spezifischen Wärme. Wir müssen demnach 
erwarten, daß auch im Verlauf der Spezifischen Wärme ähnliche anomale Er- 
scheinungen auftreten, wie wir sie bereits oben kennengelernt haben. Das ist 
in der Tat in gleich ausgeprägtem Maße der Fall, wie bei der Dichte (Abb. 1b). 
Das Bemerkenswerte ist, daß diesmal der Minimumpunkt der Kurve nicht bei 
+4°C, sondern bei 34° C erreicht wird und demnach der linke aufsteigende 
Ast der Kurve sehr ausgeprägt in die Erscheinung tritt. Über das Verhalten 
les Meerwassers in dieser Beziehung und die entsprechende Lage des Minimum- 
punktes liegen, abgesehen von einer Messungsreihe bei 17.5° C, leider bisher 
keine Untersuchungsergebnisse vor. 
Prinzipiell ähnlich, obwohl zunächst nicht so klar in die Erscheinung tretend, 
liegen die Verhältnisse, wenn wir den Verlauf der Lichtgeschwindigkeitskurve 
im Wasser, der reziprok dem des Brechungsexponenten ist, verfolgen (Abb. 3a). 
Allerdings liegt hier der Punkt des Minimums bereits im instabilen unterkühlten 
Gebiet des Wassers bei etwa — 1°C, Im Existenzgebiet des flüssigen Wassers 
von 100 bis 0°C ähnelt daher, wenn auch nicht größen-, so doch richtungs- 
mäßig’ die Kurve der Lichtgeschwindigkeit in ihrem Verlauf den im Normfalle 
zu erwartenden Verhältnissen. 
Ein weiterer Fall, der gerade entgegengesetzt liegt, tritt uns im Verhalten 
der Gaslöslichkeit entgegen (Abb. 3b). (G. Tammann, 1938, a und b) Hier ist 
oz
	        
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