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Kleine Notizen.
Der Unterschied zwischen Ebbe und Fluth beträgt im Maximum 3 m. Die
Gezeitenströmungen im Kanal laufen in entgegengesetzter Richtung und sind
ziemlich stark; draufsen laufen sie parallel der Küste.
Es giebt hier drei Lootsen und einen Oberlootsen; dieselben gehen nur
hinaus, wenn ein Schiff erwartet wird, und besitzen zwei oder drei Fahrzeuge.
Das Lootsengeld beträgt für das KEinsegeln sowie für das Aussegeln je
30 Frances.
In San Martinho existirt ein Hafenkapitanat. Wasser erhält man aus
einem kleinen Brunnen im Norden der Bucht, in der Nähe des Zollhauses,
rechts von demselben. Ein anderer Brunnen, der besscres Wasser liefert, aber
Privateigenthum ist, befindet sich bei der Eisenbahn-Anlage, 700—800 m vom
Strande. Um Wasser daraus zu entnehmen, bedarf es natürlich der besonderen
Erlaubnifs. Das Flufswasser ist in der Nähe der Mündung brackig.
Kohlen kann man möglicherweise von der KEisenbahn-Gesellschaft er-
halten, welche daselbst ein ziemlich bedeutendes Lager hat. An Proviant
giebt es Brot in guter Qualität; Eier, Geflügel und Gemüse sind sehr theuer.
Frisches Fleisch giebt es nur Sonnabends; man muß es aus dem 14 km
von San Martinho liegenden Caldas de Reinha kommen lassen; Fische sind
selten; das Land producirt guten Wein, der leicht zu bekommen ist und sich
yut hält. Der Platz ist telegraphisch mit Lissabon verbunden.
2. a) Ueber den Gebrauch von Oel zur Beruhigung der See auf
dem Norddeutschen Lloyddampfer „Main“ während eines schweren Sturmes
auf der Reise von Bremen nach New-York im Juli d. J. berichtet Kapitän
Kuhlmann!):
„Wir befanden uns auf ca 50° N-Br und 23° W-Lg bei stürmischem
Wetter und hoher See aus West. Wir steuerten West und hatten die See recht
von vorn, so dafs das Schiff schwer stampfte und rollte und über den Bug
schwere Seen übernahm. Die Passagiere konnten sich auf Deck nicht auf-
halten, da die von vorn heranrollenden Seen das Deck vielfach überflutheten,
and aufserdem die in den Davits aufsenbords hängenden Böte beim Ueberholen
des Schiffes weggeschlagen zu werden drohten. Ich entschlofs mich bei dieser
Gelegenheit, den Versuch mit Oel zum Abschlichten der See zu machen. Zu
diesem Zwecke wurden die vorderen Klosetrohre mit Werg verstopft, und Oel
bineingegossen, welches durch das Werg nur langsam nach aufsenbords abflofs.
Bald darauf bemerkte ich die Wirkung, denn von der Hinterkante des Fockwant
bis nach hinten kam kein Wasser mehr über, Die See hatte durch das Oelen
ihre Kraft verloren; wir öffneten Thüren und Eingänge, und die Passagiere
konnten sich nach Belieben ruhig auf Deck aufhalten. Das Oelen wurde
7 Stunden lang fortgesetzt; es wurde dazu das geringe Quantum von nur
5 Pfund Oel verbraucht; in Anbetracht dieses überraschenden KErfulges und der
30 unbedeutenden Unkosten und Mühe kann das Verfahren nicht genug em-
pfohlen werden.“
b) Nach einem dem Hydrographischen Amt von der Südamerikanischen
Kolonisations-Gesellschaft zu Leipzig zugegangenen Bericht über die Seereise
des dieser Gesellschaft gehörenden Dampfers „Leipzig“ von Cuxhaven über den
Atlantischen Ocean nach dem La Plata hat dieses kleine Fahrzeug von
L00 Tonnen während eines schweren Sturmes in dem Meerbusen von Biscaya
mit Erfolg Gebrauch von Oel zur Beruhigung der See gemacht. Der Führer
des Fahrzeuges, Kapitän Erich von Drigalski, berichtet darüber aus Madeira,
wo das Schiff am 22. Juli eintraf, wie folgt:
„Die Reise hierher war äufserst anstrengend, da ich während 24 Stunden
in schwerem NE-Sturm von 42-—40° N-Br in Gefahr war, das Schiff zu ver-
lieren. Mein Kurs war SW, der Wind mit schwerer See NE. Ich lief vor
dem Sturm her, weil die See, so schnell und ohne alle vorherigen Anzeichen
auflief, dafs ich nicht mehr beidrehen konnte. Was uns durchgebracht
hat, war einzig und ajlein das Oel, indem es verhinderte, dafs sich die
Wellen am Schiff brachen. Wäre dies nur mit einer derselben der Fall ge-
wesen, so wären wir hinten voll Wasser gelaufen und hinuntergezogen worden.
„Weser-Zeitung,“