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Die Bewölkung im östlichen Theile des Nordatlantischen Oceans.
den Werthen der Englischen Publikation, welche für je zwei Breitengrade
berechnet sind, finden sich manche, die auf weniger als 50 Beobachtungen
beruhen; diese haben wir, so gut es anging, durch Interpolation nach den
benachbarten Feldern berichtigt.
Im Allgemeinen ist das Bild, wie nicht anders zu erwarten war, dem-
jenigen sehr ähnlich, welches wir in derselben Weise von der Vertheilung der
Regenhäufßgkeit in denselben Breiten entworfen haben Gel. diese Annalen S. 324).
Doch sind die Gegensätze hier bedeutend geringer. ährend die Regenhäufig-
keit zwischen 0 °%o und 80 % aller Tage schwankt, liegt der Spielraum der
Bewölkung nur zwischen 33 %, und 73 % des ganzen Himmelsgewölbes, Die
trockenen Zeiten und Räume finden also nur zum Theil in geringerer Wolkenmenge
ihren Ausdruck, zum anderen Theil aber in der Unfähigkeit der vorhandenen
Wolken, Regen zu spenden, Woran diese Unfäbigkeit liegt, ist noch nicht
bekannt; es ist aber Thatsache, dafs auch in unserem Klima zuweilen Wochen
vergehen, wo trotz bedeutender Bewölkung kein Regen fällt, während zu anderen
Zeiten jede Wolke regnet, Das Obige scheint uns ein wichtiges Resultat für
den Ocean zu sein.
Ein Auseinandergehen der beiderlei Kurven in Bezug auf die jährliche
Periode ist in der Zone 15°—27° N-Br auffällig. Während die tropischen
Sommerregen zwischen 15° und 20° N-Br aufhören, reicht das sommerliche
Maximum der Bewölkung weiter bis 25° N-Br hinauf. Entsprechend reicht das
winterliche Maximum bei der Bewölkung südwärts nur bis 25° N-Br, beim Regen
bis 17° N-Br. Das Minimum fällt in diesen Breiten bei der Bewölkung auf den
Herbst, beim Regen auf den Frühling. Erst von 15°—17° südwärts ist auch
die Bewölkung im Frühjahr kleiner als im Herbst, und erst nördlich von 27° N-Br
Aiefsen beide Minima in ein solches im Spätsommer zusammen. Zwischen 15°
and 20° N-Br ist also das Ende der grofsen, von Februar bis Juni reichenden
Trockenzeit sehr bewölkt,
Es könnte nun sein, dafs dieser Unterschied in der jährlichen Periode
beider Elemente seinen Grund nur in der Verschiedenheit der benutzten Jahr-
gänge hat. Um dies zu prüfen, wollen wir für den gleichen Streifen zwischen
20° und 30° W-Lg die Angaben über Regen aus denselben Quellen und somit
auf dieselben Jahrgänge bezüglich vergleichen. Allerdings läfst sich die Zahl
der Tage mit Regen aus diesen nicht entnehmen, sondern nur Angaben, die
sich auf vier- bis achtstündige Zeiträume oder auf Stunden beziehen; nach dem,
was wir anderswoher wissen, müssen sich diese Daten dem Gang der Bewölkung
näher anschliefsen, als es die Zahl der Regentage thun würde; wo wir dieselben
von der Bewölkung abweichend finden, können wir annehmen, dafs die Zahl
der Regentage noch weiter von der letzteren in derselben Richtung abweichen
wird. Nördlich von 20° N-Br entuehmen wir für die Längen 20°—30° West
aus der Deutschen Publikation die „Dauer des Regens in Stunden auf je
100 Beobachtungswachen“, welche ebenso wie die beigefügten Bewölkungszahlen
aus den Beobachtungen der Jahre 1868 bis 1878 abgeleitet sind:
Breite: Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez.
a50_30° f Regen 101 10.1 78 58 38 25 14 16 55 48 113 1683
Bewölk. 5,1 50 45 49 49 44 45 39 39 3,8 49 51
20°.950 f Rexen 61 37 49 13 30 07 1383 51 36 54 36 82
Bewölk. 42 41 46 46 48 49 5658 52 43 8,7 40 45
Die anomal grofse Zahl der Regenstunden zwischen 20° und 25° N-Br
im Mai, wo doch schon die Trockenzeit eingesetzt hat, ist besonders zwei
anhaltenden Regenfällen zuzuschreiben, welche sich vom 10. bis 11. Mai 1880
(die Nacht über, 7 Stunden) und vom 18, bis 19. Mai (4 Stunden) eingestellt
haben. Ohne diese beiden Fälle wäre der Procentsatz 1,8.
Für die Breiten 10°—20° Nord entnehmen wir der Englischen Publikation
die Summen der procentischen Anzahl der Beobachtungen mit r, p und d der
Beaufort’schen Wetter-Skala für je zwei Breitengrade in denselben Längen: