accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Zur Oceanographie des‘ Adriatischen Meeres. 
407 
Das specifische Gewicht und der Salzgehalt. Zum Aufholen des 
Wassers behufs Bestimmung des Salzgehaltes wurde bei geringen Tiefen bis zu 
20m eine Flasche mit Korkverschlufs angewandt,') für gröfsere Tiefen der 
Wasserschöpfapparat von Meyer. Die Bestimmungen erfolgten mittelst Aräo- 
meters und in einzelnen Fällen zur Kontrole auch durch Feststellung des 
Chlorgehaltes mittelst Titrirmethode; die Angaben wurden auf eine Temperatur 
von 17,5° C. reduecirt. 
Wenngleich die Salzgehaltbestimmungen weniger zahlreich waren als die 
Temperaturmessungen, so konnten doch nach dem erhaltenen Material für be- 
stimmte Tiefen (Meeresgrund, Oberfläche und 10m Tiefe) Linien gleichen Salz- 
gehaltes konstruirt werden, welche ein anschaulicheres Bild über die Vertheilung 
des Salzgehaltes geben. Es sind folgende Ergebnisse fostgestellt: 
i. Gleich wie die Temperatur nimmt auch der Salzgehalt an der Ober- 
fläche im Sommer von NW nach SO hin zu. Dagegen ist derselbe an der 
[talienischen Küste geringer als an der Dalmatinischen, während die Temperatur 
an der ersteren gröfser war als an der letzteren, Kin Salzgehalt von 3,85 %% 
wird nur in einem kleinen Gebiete seewärts des Golfs von Drin überschritten. 
2. Im Allgemeinen nimmt der Salzgehalt von der Oberfläche nach dem 
Boden hin zu; doch ist diese Zunahme an verschiedenen Stellen sehr ungleich- 
artig und nicht ohne Rücksprünge, und finden Ausnahmen besonders da statt, 
wo kalte Sülßswasserquellen am Meeresgrunde münden. Die versüßende KEigen- 
schaft der im Norden mündenden Italienischen Flüsse dringt dicht an der Küste 
Italiens mit dem Vorschreiten nach SO immer mehr in die Tiefe, 
Zur Erläuterung dieser Verhältnisse bezüglich der Vertheilung des Salz- 
gehaltes nach der Tiefe zu werden 10 an verschiedenen Stellen des Adriatischen 
Meeres gewonnene Beobachtungs-Reihen aufgeführt. 
Besonders auffallend ist der Unterschied im Verhalten des Meerwassers 
im Nordwesten, östlich und westlich der Halbinsel Zstrien, Westlich derselben 
findet man eine hohe Temperatur und niedrigen Salzgehalt, welcher letztere in 
horizontaler Richtung nach der Venetianischen Küste noch abnimmt, in vertikaler 
dagegen zunimmt; östlich der Halbinsel herrscht eine niedrigere Wassertemperatur 
und ein höherer Salzgehalt, sowie am Grunde (infolge der kalten Sülswasser- 
quellen) kaltes und salzarmes Wasser. 
3. Im Winter, für welche Jahreszeit allerdings nur Beobachtungen im 
Quarnero vorliegen, ist auch wie bei der Temperatur, und wohl aus denselben 
eben bezeichneten Gründen, die Anordnung des Salzgehaltes in vertikaler Rich- 
tung viel gleichmäfsiger als im Sommer, Rücksprünge in der Vertheilung kamen 
in dieser Jahreszeit gar nicht vor. 
4. Der mittlere Salzgehalt für dieselbe Position und zu denselben Zeiten, 
für welche die mittlere Wassertemperatur bestimmt wurde (siehe oben unter 7), 
beträgt 3,823, 3,784, 3,790, 3,740 und 3,785. Sn 
Die Strömungen sind nicht durch direkte Messungen bestimmt, sondern 
aus den beobachteten Temperatur- uud Salzgehaltverhältnissen unter Berück- 
sichtigung der meteorologischen Verhältnisse, der Sülswasserzufuhr von Land, 
der Bodenfiguration und der Erdrotation abgeleitet. Die zuerst angestellten 
direkten Strommessungen führten wegen der komplicirten Einflüsse von Wind, 
Gezeiten und anderen lokalen unberechenbaren Verhältnissen zu keinem Resultat; 
nach Ansicht der Herren Wolf und Luksch bietet auch die gewählte indirekte 
Methode wesentliche Vortheile, „so lange es sich eben nur um die Erkenntnifs 
der Hauptwasserbewegung handelt, da engbegrenzte und durch kurze Zeit vor- 
handene Strömungen das sie überdauernde Gesammtbild der Salz- und Temperatur- 
vertheilung nicht zerstören. Aus diesem Bilde ist der Einfluls einer verwirrenden 
Mannigfaltigkeit von Bewegungen eliminirt, während er sich in den Resultaten 
der direkten Messungen geradezu in den Vordergrund drängt.“ 
Als besonders wichtig für die Beurtheilung der Vorgänge wird hervor- 
gehoben die Zunahme der Wassertemperatur nach Südosten hin, sowie der 
niedrige Salzgehalt an der Apulischen Küste trotz der geringen daselbst statt- 
findenden Niederschläge, der hohe Salzgehalt dagegen an der Albanischen 
Küste, obgleich hier das Hinterland mehr Regen empfängt und ziemlich be- 
+ Siehe „Handbuch der nautischen Instrumente“, S. 171,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.