Zur Oceanographie des‘ Adriatischen Meeres.
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Das specifische Gewicht und der Salzgehalt. Zum Aufholen des
Wassers behufs Bestimmung des Salzgehaltes wurde bei geringen Tiefen bis zu
20m eine Flasche mit Korkverschlufs angewandt,') für gröfsere Tiefen der
Wasserschöpfapparat von Meyer. Die Bestimmungen erfolgten mittelst Aräo-
meters und in einzelnen Fällen zur Kontrole auch durch Feststellung des
Chlorgehaltes mittelst Titrirmethode; die Angaben wurden auf eine Temperatur
von 17,5° C. reduecirt.
Wenngleich die Salzgehaltbestimmungen weniger zahlreich waren als die
Temperaturmessungen, so konnten doch nach dem erhaltenen Material für be-
stimmte Tiefen (Meeresgrund, Oberfläche und 10m Tiefe) Linien gleichen Salz-
gehaltes konstruirt werden, welche ein anschaulicheres Bild über die Vertheilung
des Salzgehaltes geben. Es sind folgende Ergebnisse fostgestellt:
i. Gleich wie die Temperatur nimmt auch der Salzgehalt an der Ober-
fläche im Sommer von NW nach SO hin zu. Dagegen ist derselbe an der
[talienischen Küste geringer als an der Dalmatinischen, während die Temperatur
an der ersteren gröfser war als an der letzteren, Kin Salzgehalt von 3,85 %%
wird nur in einem kleinen Gebiete seewärts des Golfs von Drin überschritten.
2. Im Allgemeinen nimmt der Salzgehalt von der Oberfläche nach dem
Boden hin zu; doch ist diese Zunahme an verschiedenen Stellen sehr ungleich-
artig und nicht ohne Rücksprünge, und finden Ausnahmen besonders da statt,
wo kalte Sülßswasserquellen am Meeresgrunde münden. Die versüßende KEigen-
schaft der im Norden mündenden Italienischen Flüsse dringt dicht an der Küste
Italiens mit dem Vorschreiten nach SO immer mehr in die Tiefe,
Zur Erläuterung dieser Verhältnisse bezüglich der Vertheilung des Salz-
gehaltes nach der Tiefe zu werden 10 an verschiedenen Stellen des Adriatischen
Meeres gewonnene Beobachtungs-Reihen aufgeführt.
Besonders auffallend ist der Unterschied im Verhalten des Meerwassers
im Nordwesten, östlich und westlich der Halbinsel Zstrien, Westlich derselben
findet man eine hohe Temperatur und niedrigen Salzgehalt, welcher letztere in
horizontaler Richtung nach der Venetianischen Küste noch abnimmt, in vertikaler
dagegen zunimmt; östlich der Halbinsel herrscht eine niedrigere Wassertemperatur
und ein höherer Salzgehalt, sowie am Grunde (infolge der kalten Sülswasser-
quellen) kaltes und salzarmes Wasser.
3. Im Winter, für welche Jahreszeit allerdings nur Beobachtungen im
Quarnero vorliegen, ist auch wie bei der Temperatur, und wohl aus denselben
eben bezeichneten Gründen, die Anordnung des Salzgehaltes in vertikaler Rich-
tung viel gleichmäfsiger als im Sommer, Rücksprünge in der Vertheilung kamen
in dieser Jahreszeit gar nicht vor.
4. Der mittlere Salzgehalt für dieselbe Position und zu denselben Zeiten,
für welche die mittlere Wassertemperatur bestimmt wurde (siehe oben unter 7),
beträgt 3,823, 3,784, 3,790, 3,740 und 3,785. Sn
Die Strömungen sind nicht durch direkte Messungen bestimmt, sondern
aus den beobachteten Temperatur- uud Salzgehaltverhältnissen unter Berück-
sichtigung der meteorologischen Verhältnisse, der Sülswasserzufuhr von Land,
der Bodenfiguration und der Erdrotation abgeleitet. Die zuerst angestellten
direkten Strommessungen führten wegen der komplicirten Einflüsse von Wind,
Gezeiten und anderen lokalen unberechenbaren Verhältnissen zu keinem Resultat;
nach Ansicht der Herren Wolf und Luksch bietet auch die gewählte indirekte
Methode wesentliche Vortheile, „so lange es sich eben nur um die Erkenntnifs
der Hauptwasserbewegung handelt, da engbegrenzte und durch kurze Zeit vor-
handene Strömungen das sie überdauernde Gesammtbild der Salz- und Temperatur-
vertheilung nicht zerstören. Aus diesem Bilde ist der Einfluls einer verwirrenden
Mannigfaltigkeit von Bewegungen eliminirt, während er sich in den Resultaten
der direkten Messungen geradezu in den Vordergrund drängt.“
Als besonders wichtig für die Beurtheilung der Vorgänge wird hervor-
gehoben die Zunahme der Wassertemperatur nach Südosten hin, sowie der
niedrige Salzgehalt an der Apulischen Küste trotz der geringen daselbst statt-
findenden Niederschläge, der hohe Salzgehalt dagegen an der Albanischen
Küste, obgleich hier das Hinterland mehr Regen empfängt und ziemlich be-
+ Siehe „Handbuch der nautischen Instrumente“, S. 171,