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Zur Oceanographie des Adriatischen Meeres.
Zur Oceanographie des Adriatischen Meeres,
Es ist hinlänglich bekannt, dafs für die Feststellung der oceanisch-
ohysikalischen Verhältnisse des Adriatischen Meeres die Adria-Kommission der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, sowie die Professoren an
der Kaiserlich Königlich Oesterreichischen Marine-Akademie, Julius Wolf
und Josef Luksch, eine Reihe höchst verdienstvoller und erfolgreicher For-
achungen angestellt haben, welche nicht nur für die Kenntnifs jenes Meeres
grundlegend waren, sondern auch wesentlich zur Förderung der oceanographischen
Wissenschaft im Allgemeinen beigetragen haben. Die letzteren beiden Gelehrten
haben die Resultate ihrer in den Jahren 1874 bis 1880 angestellten Unter-
suchungen unter gleichzeitiger Besprechung der Ausführung solcher Unter-
suchungen und unter Angabe der angewandten Beobachtungsmethode in ge-
drängter Zusammenfassung veröffentlicht, welche Arbeit den „Mittheilungen aus
dem Gebiete des Seewesens“, 1887, No. V und VI,!) als besondere Beilage
beigegeben ist, und wir glauben dem Interesse unserer Leser nachzukommen,
wenn wir nach diesem Resume die wichtigsten Ergebnisse hier zur Kenntnifs
bringen.
Die Untersuchungen erstreckten sich im Jahre 1874 an Bord des Dampf-
bootes „Nautilus“ auf die Gewässer an der Küste von Dalmatien, 1875 an
Bord der Yacht „Deli“ auf das Nordbecken des Adriatischen Meeres, 1876 an
Bord derselben Yacht und 1880 an Bord des Dampfers „Hertha“ auf das
Gesammtgebiet dieses Meeres; während diese Expeditionen alle im Hochsommer
ausgeführt wurden, unternahmen die beiden Herren 1875 und 1876 aufserdem
zu allen Jahreszeiten kleinere Fahrten im Quarnero und stellten auf der Rhede
von Fiume über 12 Monate lang im Auftrage der Adria-Kommission Beobach-
iungen an.
Die Temperatur des Meerwassers wurde an mehr als 150 Stationen
während der Sommermonate gemessen, meistens nicht nur an der Oberfläche,
sondern auch in den tieferen Schichten, Die Oberflächentemperatur wurde ent-
weder mittelst eines über Bord gelassenen Pinsel-Thermometers (dessen Gefäfs
mit einem Pinsel aus Wollfäden umgeben ist) bestimmt, oder es wurde Wasser
geschöpft und in dasselbe ein gewöhnliches Thermometer gebracht.. Zur
Temperaturmessung in der Tiefe kamen Miller-Casella’sche Index-Thermometer
zur Anwendung, deren Angaben noch durch ein Umkehr-Thermometer von
Negretti-Zambra alten Modells kontrolirt wurden. Nach den erhaltenen Tem-
peraturen sind Isothermen konstruirt, nicht nur in den durch den Schiffsweg
festgelegten Vertikalschnitten von der Oberfläche nach der Tiefe zu, sondern
auch auf einzelnen Tiefen im Horizontalschnitt, so dafs die hier gezogenen Iso-
ihermen-Kurven die in derselben Tiefe liegenden Orte gleicher Temperatur
verbinden; für die Oberfläche, 10 m Tiefe und den Meeresgrund sind Isothermen-
kärtchen letzterer Art der bezeichneten Arbeit von Wolf und Luksch bei-
gefügt. Sie leiten folgende Resultate aus ihren Untersuchungen ab,
1. Die Oberflächentemperatur nimmt im Hochsommer an der Italienischen
Küste und in der Axe des Adriatischen Meeres von Nordwest nach Südost um
2-—3° C. zu; in den zunächst unter der Oberfläche liegenden Wasserschichten
ist diese Zunahme noch bedeutender und tritt auch an der Dalmatisch-Albanischen
Küste auf.
Im Westen ist das Wasser wärmer als im Osten,
2. Die Temperatur am Grunde schmiegt sich dem Bodenrelief an, so
dafs an vielen Stellen in dem Verlauf der Isothermen und Isobathen eine ge-
wisse Uebereinstimmung besteht — obgleich, wie besonders betont wird, bei
der Interpolation gar keine Rücksicht auf die Tiefenverhältnisse genommen ist.
Im nordöstlichen Theile des Adriatischen Meeres, d. h. im Quarnero, in
vielen Kanälen Dalmatiens und aufserhalb der Insel Scarda und der Felsen von
Sebenico herrscht eine im Verhältnifs zur Tiefe sehr niedrige Bodentemperatur,
Hieraus, sowie aus dem hier gefundenen geringen specifischen Gewicht der
Joset
Physikalische Untersuchungen in der Adria, Ein Beitrag von Julius Wolf und
üußgsch.