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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Vorausbestimmung des Ganges eines Chronometers. 
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erster Linie ziehen würde, nämlich dafs das Chronometer III seinen Gang ge- 
ändert habe, würde gerade der falsche gewesen sein. In unserem Beispiele tritt 
ain solcher Fall in der Zeit vom 19. Septbr. bis 26. Oktbr. 1880 ein, wo die 
Gänge von 1949 und 214 um ziemlich gleichen Betrag und im gleichen Sinne 
von den durch die Tangente 1 gegebenen und für die Vorausberechnung be- 
nutzten Gängen abzuweichen beginnen, während der Gang von 250 sehr nahe 
mit dem durch die Tangente 1 gegebenen übereinstimmt. Die Folge davon ist, 
dafe die Standdifferenzen 250-—1949 und 250—214 rasch von den beobachteten 
abzuweichen anfangen, so dafs die erstere am 26. Oktbr. um 34,8°, die zweite 
am 47,7° gröfser ist als die beobachtete, während die Differenz 1949—214 sich 
lange in naher Uebereinstimmung mit der beobachteten hält und erst gegen 
den 15. Oktbr. stärker abzuweichen beginnt, derart, dafs am 26. Oktober die 
Abweichung 12,9® beträgt. Der wahrscheinliche Schlufs, den man hieraus ziehen 
kann, ist der, dafs 250 seinen Gang erheblich geändert habe, und das wäre, wie 
der Erfolg zeigt, gerade das Falsche gewesen. 
Bleibt ein Chronometer konstant oder ändert es; der gemachten Annahme 
gemäfs, während die beiden anderen in entgegengesetztem Sinne von der 
angenommenen Gangänderung abweichen, so ist die Art der Abweichung zwischen 
den beobachteten und berechneten Standdifferenzen so charakteristisch, dafs man 
mit Sicherheit den Schlufs auf Aenderung beider Chronometer ziehen und mit 
Hülfe des konstant gebliebenen Chronometers die beiden anderen korrigiren 
kann. Bleibt I der Annahme gemäfs, und weichen II und III im entgegen- 
zesetzten Sinne von der Annahme ab, so werden die Standdifferenzen I—II und 
[—11I in entgegengesetztem Sinne von den beobachteten abweichen, während 
die Differenz I1—111 aufserordentlich rasch, nämlich um die Summe der beiden 
Aenderungen von der Beobachtung sich entfernt. Hier ist es in der Regel 
leicht, auf die Konstanz von I zu schliefsen; ehe man dies aber zu einer Ver- 
yesserung des Ganges von II und 1II anwendet, ist es gut, zugleich das frühere 
Verhalten von I in Betracht zu nehmen. Hat sich dasselbe auch früher als 
zuverlässig bewährt, so ist es ohne Bedenken zur Verbesserung von II und III 
zu benutzen. 
Ein dritter Fall ist der, dafs zwei Chronometer sich der Annahme gemäfs 
verhalten und das dritte sich stark ändert. In diesem Falle wird man das 
frühere Verhalten der Chronometer in Rücksicht zu nehmen haben, um zu ent- 
scheiden, ob hier nicht etwa der zuerst angeführte Fall vorliege. Hat sich ein 
Chronometer bisher als zuverlässig erwiesen, wie in unserem Beispiel Ehrlich 250, 
30 ist es um go wahrscheinlicher, dafs es auch in Zukunft sich so verhalten 
werde, je länger die Zeit gewesen ist, während der es sich gut bewährt hat. 
Dieser Fall trat in unserem Beispiele ein, nachdem g, No. 14 erhalten 
und in Tangente 8 weitergegangen wurde. Für die Chronometer 214 und 250 
ziebt diese Tangente annähernd den richtigen Verlauf an, dagegen wendet (wie 
wir im Lauf einer Reise natürlich erst später konstatiren können) sich die Gang- 
Kurve von 1949 stark abwärts, während die Tangente 8, die wir ja zur Berech- 
aung des Standes von 1949 benutzen, stark aufwärts geht. Juni 15 wurden 
folgende Abweichungen der berechneten von den beobachteten Standdifferenzen 
zonstatirt: 250— 1949: +27,1°, 1949—214: — 46,1°, 250—214: — 19,0’; 
während die letzte Differenz (250—214) nur langsam anwächst und dadurch 
anzeigt, dafs die Kurve von 214 zwar auch nicht ganz so verläuft, wie sie sollte, 
aber doch weniger falsch ist als die für 1949, wachsen die beiden anderen 
Differenzen sehr schnell. Das Verhalten von 250 im bisherigen Verlaufe der 
Reise ist ein derartiges, dafs man ohne Bedenken dies Chronometer zu Grunde 
legen kanu, um die anderen zu verbessern. Wir beschränken jedoch die Ver- 
‚esserung auf 1949 und berechnen für zwei um einige Tage auseinander liegende 
Tage Stand und Gang dieses Chronometers, indem wir den berechneten Stand 
ron 250 als richtig annehmen. 
Ann, d, Hydr. etc., 1887, Heft I.
	        
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