400
Notizen aus Java.
ist Regierungsmonopol. Der Opium- und Schweinehandel ist an Chinesen ver-
pachtet; die Javanen, als Mohammedaner, geben sich mit letzterem nicht ab.
Seeleute zur Ergänzung der Mannschaft sind fast immer einige zu haben.
Das Desertiren ist, wie in ganz Java, auch hier nicht leicht; die Polizei übt
gute Kontrole, und erlangt man die Deserteure gewöhnlich zurück, Zurücklassen
oder abmustern darf man Leute nur, wenn sie sofort auf ein anderes Schiff
übergehen oder für mindestens drei Monate Unterhalt haben, wie man auch bei
zurückgelassenen Kranken die Verpflegungskosten für sechs Monate und das
Reisegeld per Dampfer nach Europa deponiren mufs,
Der Gesundheitszustand ist im Allgemeinen gut, Es kommen allerdings
bisweilen gefährliche Fieber- und Cholerafälle vor, doch kann man zum Schutze
der Mannschaft dagegen sehr beitragen durch strenge Verweigerung, ans Land
zu gehen, denn in den meisten Fällen sind der übermäfßsige Genufs schlechter
Getränke und schädlicher Früchte und Ausschweifungen anderer Art die Ursache
der Krankheiten. Sie geben auch die Ursache ab zu Streitigkeiten an Bord,
durch welche man dann viele Unannehmlichkeiten und Kosten hat. Durch
striktes Verbot des Anlandgehens bin ich auf allen Reisen in allen Häfen Javas
stets von Krankheitsfällen und Streitigkeiten an Bord verschont geblieben. Die
Leute murren wohl Anfangs und sehen das Verbot als eine ungerechte Be-
schränkung ihrer Freiheit an; man mulfs sich aber dadurch nicht irre machen
lassen und wegen der Verhinderung des grofsen Uebels das kleine Uebel hin-
nehmen. Man kann ja auch die Leute leicht auf andere Weise entschädigen,
ihnen einen Extrafeiertag an Bord geben, sie mit den Booten im Hafen segeln
lassen oder ihnen auch zur Erheiterung einmal eine dreifache Grogration ver-
abreichen. Die Leute werden dann die guten Absichten des Schiffers einsehen
und zufrieden sein. Es ist eine sehr gute Einrichtung, dafs der Verkauf von
Spirituosen in allen Häfen Javas verboten ist, und die sogenannten Bumboote,
die mit allerlei Schnurrpfeifereien bei den Schiffen hausiren, keine berauschenden
Getränke führen dürfen. Auch ist es eine weise Einrichtung unserer Seemanns-
ordnung, dafs die Seeleute nicht in jedem Hafen oder in gewissen Perioden
einen Tag Freiheit zum Anlandgehen verlangen können, wie die Engländer, die
die Gelegenheit denn auch nie unbenutzt vorübergehen lassen und oft für
ihren Tag Liberty schwer büfsen müssen, Kein Schiffer wird etwas dagegen
haben, wenn in gesunden, sicheren Häfen seine Leute das Land besuchen und
sich nach den Entbehrungen einer langen Seereise auf ihre Weise vergnügen,
aber in Häfen mit ungünstigem Klima sollten die Konsulate angewiesen sein,
nicht nur die Schiffer in der Durchführung des Verbotes zu unterstützen, sondern
auch gleich bei Ankunft den Schiffer sowohl als die Mannschaft warnen.
Manche Konsuln thun Letzteres auf Wunsch der Schiffer, manche halten sich
dazu nicht für berechtigt,
Soerabaya ist der gröfste Export- und auch wohl Importplatz auf Java.
Ausgeführt werden in grofsen Massen: Zucker, Kaffee, Baumwolle, Tabak,
Arrak und viele andere Artikel, eingeführt per Segelschiff vornehmlich: Kohlen,
Petroleum, Maschinentheile und Eisenbahnutensilien; bequeme Stückgüter werden
per Dampfer verladen. Die Stadt liegt ungefähr 1'/2 Sm vom Hafen auf beiden
Seiten des kleinen Kalimas, welcher Flufs den Verkehr mit dem Hafen ver-
mittelt. Derselbe ist besonders in der Mündung so seicht, dafs fortwährend Bagger
beschäftigt werden müssen, um die Tiefe auf einigen Fufs zu erhalten, Der starke
Strom läuft fast immer abwärts und durch die Fluth wird das Wasser nur
gestaut. Der Flufs ist an beiden Ufern von einer Steinmauer eingefafst und
daneben führt auf beiden Seiten eine breite bequeme Strafse zur Stadt. Diese
ist zum Theil in europäischer Weise erbaut, mit gepflasterten sauberen Strafsen
and massiven Gebäuden, geschmückt mit herrlichen Gärten und Alleen; theils
aber in chinesisch-javanischer Weise, mit engen schmutzigen Gassen und Winkeln
und niedrigen leichten Häusern und Hütten, Der Hitze und der grofsen Ent-
lernungen wegen bedient man sich meistens eines jener leichten billigen Mieth-
wagen, die überall zur Verfügung stehen. Für die Fahrt im Hafen engagirt
man ein Tabanga (Boot) für 2 Gulden den Tag. Diese sind hier bedeutend
besser und sicherer, als in Samarang.