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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Notizen aus Java. 
ist Regierungsmonopol. Der Opium- und Schweinehandel ist an Chinesen ver- 
pachtet; die Javanen, als Mohammedaner, geben sich mit letzterem nicht ab. 
Seeleute zur Ergänzung der Mannschaft sind fast immer einige zu haben. 
Das Desertiren ist, wie in ganz Java, auch hier nicht leicht; die Polizei übt 
gute Kontrole, und erlangt man die Deserteure gewöhnlich zurück, Zurücklassen 
oder abmustern darf man Leute nur, wenn sie sofort auf ein anderes Schiff 
übergehen oder für mindestens drei Monate Unterhalt haben, wie man auch bei 
zurückgelassenen Kranken die Verpflegungskosten für sechs Monate und das 
Reisegeld per Dampfer nach Europa deponiren mufs, 
Der Gesundheitszustand ist im Allgemeinen gut, Es kommen allerdings 
bisweilen gefährliche Fieber- und Cholerafälle vor, doch kann man zum Schutze 
der Mannschaft dagegen sehr beitragen durch strenge Verweigerung, ans Land 
zu gehen, denn in den meisten Fällen sind der übermäfßsige Genufs schlechter 
Getränke und schädlicher Früchte und Ausschweifungen anderer Art die Ursache 
der Krankheiten. Sie geben auch die Ursache ab zu Streitigkeiten an Bord, 
durch welche man dann viele Unannehmlichkeiten und Kosten hat. Durch 
striktes Verbot des Anlandgehens bin ich auf allen Reisen in allen Häfen Javas 
stets von Krankheitsfällen und Streitigkeiten an Bord verschont geblieben. Die 
Leute murren wohl Anfangs und sehen das Verbot als eine ungerechte Be- 
schränkung ihrer Freiheit an; man mulfs sich aber dadurch nicht irre machen 
lassen und wegen der Verhinderung des grofsen Uebels das kleine Uebel hin- 
nehmen. Man kann ja auch die Leute leicht auf andere Weise entschädigen, 
ihnen einen Extrafeiertag an Bord geben, sie mit den Booten im Hafen segeln 
lassen oder ihnen auch zur Erheiterung einmal eine dreifache Grogration ver- 
abreichen. Die Leute werden dann die guten Absichten des Schiffers einsehen 
und zufrieden sein. Es ist eine sehr gute Einrichtung, dafs der Verkauf von 
Spirituosen in allen Häfen Javas verboten ist, und die sogenannten Bumboote, 
die mit allerlei Schnurrpfeifereien bei den Schiffen hausiren, keine berauschenden 
Getränke führen dürfen. Auch ist es eine weise Einrichtung unserer Seemanns- 
ordnung, dafs die Seeleute nicht in jedem Hafen oder in gewissen Perioden 
einen Tag Freiheit zum Anlandgehen verlangen können, wie die Engländer, die 
die Gelegenheit denn auch nie unbenutzt vorübergehen lassen und oft für 
ihren Tag Liberty schwer büfsen müssen, Kein Schiffer wird etwas dagegen 
haben, wenn in gesunden, sicheren Häfen seine Leute das Land besuchen und 
sich nach den Entbehrungen einer langen Seereise auf ihre Weise vergnügen, 
aber in Häfen mit ungünstigem Klima sollten die Konsulate angewiesen sein, 
nicht nur die Schiffer in der Durchführung des Verbotes zu unterstützen, sondern 
auch gleich bei Ankunft den Schiffer sowohl als die Mannschaft warnen. 
Manche Konsuln thun Letzteres auf Wunsch der Schiffer, manche halten sich 
dazu nicht für berechtigt, 
Soerabaya ist der gröfste Export- und auch wohl Importplatz auf Java. 
Ausgeführt werden in grofsen Massen: Zucker, Kaffee, Baumwolle, Tabak, 
Arrak und viele andere Artikel, eingeführt per Segelschiff vornehmlich: Kohlen, 
Petroleum, Maschinentheile und Eisenbahnutensilien; bequeme Stückgüter werden 
per Dampfer verladen. Die Stadt liegt ungefähr 1'/2 Sm vom Hafen auf beiden 
Seiten des kleinen Kalimas, welcher Flufs den Verkehr mit dem Hafen ver- 
mittelt. Derselbe ist besonders in der Mündung so seicht, dafs fortwährend Bagger 
beschäftigt werden müssen, um die Tiefe auf einigen Fufs zu erhalten, Der starke 
Strom läuft fast immer abwärts und durch die Fluth wird das Wasser nur 
gestaut. Der Flufs ist an beiden Ufern von einer Steinmauer eingefafst und 
daneben führt auf beiden Seiten eine breite bequeme Strafse zur Stadt. Diese 
ist zum Theil in europäischer Weise erbaut, mit gepflasterten sauberen Strafsen 
and massiven Gebäuden, geschmückt mit herrlichen Gärten und Alleen; theils 
aber in chinesisch-javanischer Weise, mit engen schmutzigen Gassen und Winkeln 
und niedrigen leichten Häusern und Hütten, Der Hitze und der grofsen Ent- 
lernungen wegen bedient man sich meistens eines jener leichten billigen Mieth- 
wagen, die überall zur Verfügung stehen. Für die Fahrt im Hafen engagirt 
man ein Tabanga (Boot) für 2 Gulden den Tag. Diese sind hier bedeutend 
besser und sicherer, als in Samarang.
	        
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