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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Notizen aus Java. 
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bei Springfluthen ist bisweilen noch mehr Wasser da. Beide Fahrstrafsen sind 
durch Bojen markirt, weiß an Steuerbord, schwarz an Backbord einkommend. 
Das frühere Leucht- und Lootsenschiff ist fortgenommen; dafür kreuzt, wie 
gesagt, der Lootsenschoner draufsen und sind auf Kap Piering (Madura-Insel) 
zwei Leitfeuer errichtet, ein hohes und ein niederes. Ebenfalls ist bei Kresik 
ein Feuer. Sobald die letzte schwarze Boje passirt ist, nimmt die Wassertiefe 
zu, und hat man von Kap Piering bis Soerabaya fast überall 11 bis 14m 
(6 bis 8 Fad.) Wasser, dabei guten Ankergrund; einzelne vorhandene Untiefen 
sind mit Bojen bezeichnet. Die Schiffe werden in Front der Stadt vor zwei 
Ankern vertäut. Petroleumschiffe bleiben jedoch während des Löschens aufser- 
halb der übrigen und können vor einem Anker liegen. 
In Soerabaya ist man lootspflichtig, und ist es auch wohl kaum thunlich, 
ohne Lootsen einzusegeln, da das Fahrwasser sich oft verändert und eine starke 
Strömung läuft, die man kennen mufß. Das Lootsgeld wird nach Gröfse und 
Tiefgang des Schiffes berechnet und ist reichlich hoch. Schleppdampfer von 
einiger Größe sind nicht vorhanden. Nahe von dem kleinen Flusse, Kali mas 
(Goldflufß) genannt, der von der Rhede zur Stadt führt, liegt das Wachtschiff, 
Hier mufßfs man sich bei der Ankunft und Abfahrt anmelden und auch, wenn 
man das Schiff im Hafen verlegen will, Erlaubnifs holen. Hart an der Mündung 
des Kali mas steht ein kleines Observationshaus mit einem eisernen Gerüst, auf 
welchem die Zeitklappe um 0* mittlere Ortszeit fällt. Man kann auch dorthin 
in der Mittagsstunde Chronometer zur Vergleichung bringen, 
Schiffe mit gröfserem Tiefgange als 14 bis 15 Fufs müssen den Ost- 
eingang der Soerabaya-Strafse benutzen, dessen Fahrwasser bei Springfluthen 
bis 6,3m (21 Fufs engl.) Tiefe hat. Dasselbe ist ebenfalls mit weißsen und 
schwarzen Bojen markirt. Dicht vor dem Ostfahrwasser liegt ein Schiffshulk, 
welcher als Leuchtschiff und Lootserstation dient. In der Nähe desselben kann 
man nöthigenfalls, um den Lootsen zu erwarten, ankerp. 
Soerabaya ist der einzige wirkliche Hafen an der Nordküste Javas; alle 
anderen sind nur offene Seerheden und Ankerplätze. Man liegt in jeder Jahres- 
zeit sicher und bequem, Der Platz besitzt grofsartige Marine-Anlagen, als 
Docks, Werfte, ein Arsenal u. s. w., und ist, dieser Bedeutung entsprechend, 
der Hafen wie die Stadt nach allen Seiten stark befestigt. Es giebt verschiedene 
Plätze zum Kielholen der gröfsten Schiffe. Jegliche Reparaturen an Zimmer-, 
Schmiede- und Gufßarbeit können ausgeführt werden, auch sind sämmtliche 
Schiffsartikel und Dauerproviant stets zu haben. Selbstverständlich giebt es in 
einer Stadt von über 100000 Einwohnern gute Aerzte, Hospitäler und eine gute 
Post- und Telegraphenverbindung. Kine Eisenbahn führt nach Osten bis Probo- 
lingo, eine andere nach Westen über Solo bis Samarang; zahlreiche Dampfer 
vermitteln den Verkehr mit der Küste und drei direkte Linien den mit Europa. 
In der Handelswelt sind alle Nationen vertreten. Der Grofshandel ist haupt- 
sächlich in Händen Europäischer Häuser; der Küstenhandel, sowie der Klein- 
handel und das Handwerk gehört auch hier den Chinesen, unter denen manche 
Millionäre sind. Alle Nationen haben hier Konsulate, ebenso sind die meisten 
Klassifikations- und Versicherungsgesellschafien vertreten, Banken und Hotels 
fehlen ebenso wenig als Schiffsmakler, Schiffshändler und Stauer, deren Klerks 
infolge der Konkurrenz meistens schon mit dem Lootsen an Bord kommen, 
Trinkwasser wird zu mälsigem Preise in Fahrzeugen an Bord gebracht. 
Dasselbe wird theils in einer grofsen Fabrik aus dem Flufßswasser destillirt, 
theils aber mit der Bahn oder zu Schiff von Passoeroean zugeführt. Letzteres 
ist reines Quellwasser und soll das beste sein; der Preis ist gleich. Das 
Löschen und Laden geschieht vermittelst grofser Leichter von 20 bis 40 Tonnen 
Tragfähigkeit und geht im Allgemeinen befriedigend rasch. Der Arbeitslohn 
und Stauerlohn ist mäfsig, fast nur halb so hoch wie in Samarang und Batavia, 
und dabei sind die Arbeiter, besonders die Stauer, doppelt so gut als in den 
Westhäfen. Ebenso sind Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Früchte u. s. w. bedeutend 
besser und nur halb so theuer wie im Westen. Das Zollwesen wird strenge 
gehandhabt; jedoch sind die Zoll- wie auch die Hafenbeamten sehr höflich und 
gefällig, und wird man nie unnöthig belästigt. Fast sämmtliche Handelsartikel 
sind mit hohen Ein- und Ausfuhrzöllen belegt. Der Handel mit Salz, das haupt- 
sächlich auf Madura bei dem Hafen Soemanan aus Seewasser gewonnen wird,
	        
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