Einheitliche Betonnungssysteme.
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stehen, sondern es reifset das Eis diese Tonnen mit Ketten und Steinen aus dem Grunde weg, so
dafs sie viele Meilen in See wiedergefischt werden. Man hat daher für den Winter besondere See-
zeichen, sogen. Eisbojen, dort eingeführt. .
Langjährige Erfahrungen haben gelehrt, dafs der Verlust an eisernen Wintertonnen viermal
so grofs war, als an hölzernen, und dafs das in Salzwasser erzeugte klebrige Eis sich am Holz nicht
so leicht ansetzt, wie am Eisen. Infolge dessen werden die Wintertonnen jetzt nur noch aus Holz
angefertigt. Alle Tonnen werden dreimal im Jahre gewechselt, um sie immer gut in Farbe zu
halten und von dem sich bildenden Muschelansatz zu befreien. Nach dem Verschwinden des Eises,
gewöhnlich im Februar, werden die Sommertonnen ausgelegt, dann Ende Juli oder Anfang August
mit neu gestrichenen ausgewechselt, welche, sobald das Eis sich zeigt, durch Wintertonnen er-
setzt werden.
Alle in neuerer Zeit erbauten Tonnen sind mit einer starken eisernen, etwa 1,20 m langen
Hebelstange versehen, an welche unten ein Gegengewicht angeschraubt wird, welches die Tonnen
auch bei geringerer Strömung oder stillem Wasser aufrecht stehend erhalten und ihr Plattliegen ver-
hindern soll.
In Bezug auf ihre Gröfse kommen zwei Klassen zur Anwendung, welche sich in Form und
Größe nur wenig von den Tonnen erster und zweiter Klasse in der Jade unterscheiden.
Die Spierentonnen auf der Weser sind aus Eisen konstruirt und haben wasserdichte Ab-
heilungen und bleiben während des Winters liegen, während die übrigen Tonnen gleichfalls aus
Holz gefertigt sind, welches mit dreiviertelzölligen eisernen Bändern umspannt wird. Diese werden
im Winter durch Tonnen kleinerer Dimensionen ersetzt.
Als äußerste Grenze der Widerstandsfähigkeit gegen hohen Seegang und scharfen, bis zu
5 Sm laufenden Strom haben sich auf der E/e folgende Dimensionen ergeben:
für Pyramiden (spitze Tonnen):
Höhe vom Kopf zur Sohle 5m,
gröfster Durchmesser 1,5 m;
für Plattbodentonnen:
Höhe 4,5 m, ;
gröfster Durchmesser 1,75 m;
für spitze Fahrwassertonnen:
Höhe 3,4 m,
gröfster Durchmesser 1,7 m;
Plattboden-Fahrwassertonnen:
Höhe 3,4 m,
gröfster Durchmesser 1,7 m.
Diese verjüngen sich von der Wasserlinie bis zum Boden, wodurch die Kraft des andringen-
den Wassers geschwächt wird, indem dasselbe sich nur bis zur gröfsten Bauchweite der Tonne an-
saugt, dann aber plötzlich durch die Verjüngung den Halt und die Kraft verliert, und so der Tonne
gestattet, sich höher über dem Niveau zu halten.
Die auf der Elbe vorkommenden Spierentonnen, deren Kessel bei einem gröfsten Umfange
von 1,30 m eine Höhe von 1,25 m hat, tragen eine 0,48 m dicke Spiere, welche 5,7m über dem
Kessel hervorragt.
Auf der Weser werden Spierentonnen in drei Klassen verwendet, deren Totalhöhe zwischen
12,5 und 6,9m liegt und deren Spieren 4,4 resp. 3,1 m über dem gröfsten Umfang der Tonne
hervorragen.
Die gröfsten Tonnen werden da verwendet, wo höherer Seegang ist und die Brandung dicht
an das Fahrwasser herantritt, damit sie sich deutlicher und erkennbarer erweisen.
Sämmtliche Tonnen werden mit Ketten verankert, welche aus langen Gliedern ohne Stag
bestehen, um das von der Tonne zu tragende Gewicht möglichst gering zu machen und der Strömung
weniger Widerstand zu leisten; auch hat die Erfahrung gelehrt, dafs diese langgliedrigen Ketten
nicht so leicht aufschürzen, wie die Ankerketten.
Die stärksten in See und an der AKl/be-Münduug benutzten Ketten haben eine Gliederlänge
von 0,38 m und sind aus 0,033 m starkem besten deutschen Eisen geschmiedet.
Die Ketten der übrigen Fahrwassertonnen haben 0,29m lange Glieder und sind 0,024m stark.
Unterhalb Cuxhaven erhält jede Tonne aufser der Wassertiefe 36 m Kette mit vier Wirbeln,
welche mit einem schweren drehbaren Haken in dem Auge der Tonne befestigt wird.
Für die Tonnen oberhalb Cuxhaven bis Freiburg beträgt die Kettenlänge 22 bis 27 m aufser
der Wassertiefe. '
Die Ketten für die gröfsten Baken- und Spitzentonnen bestehen aus fünf Enden & 10m,
welche durch vier Wirbel verbunden sind. Jedes Kettende besteht aus 25 Gliedern.
Die Verankerung wird durch möglichst flache Feldsteine bewirkt. An Stellen, wo schnelle
Versandung eintritt, genügt ein Gewicht von 800 bis 1000 kg für den Ankerstein, wo dies jedoch
nicht der Fall ist, müssen Steine von 1200 bis 1500 kg verwendet werden. .
An Stellen, wo Wirbelströmung herrscht, wird dem schweren noch ein leichter Stein hinzu-
gefügt, welcher mit einer der Wassertiefe entsprechend langen Kette an ersterem befestigt wird. Für
diese Stellen werden besonders flache Steine, sogenannte Mühlsteine ausgewählt, damit die Kette im
Grunde nicht unklar von ihnen werden kann.
Auch auf der Weser werden Steinsinker von möglichst quadratischer Form in verschiedenen
Gröfsen zur Verankerung der Tonnen benutzt.
In der Verordnung sind besondere Seezeichen für den Winter nicht vorgesehen, da aber
auch nirgend Gröfsenmalse für die Seezeichen festgesetzt sind, so können, dem Bedürfnisse ent-
sprechend, für die Winterzeit Seezeichen von kleineren Dimensionen ausgelegt werden. Auf der
Weser und Jade haben sich die Spierentonnen im Eisgange vorzüglich bewährt, und auf der Ems
3ind sie als die besten von sämmtlichen Tonnensorten befunden worden. In der Jade hatte man
den Versuch gemacht, die Spierentonnen im Winter durch stumpfe zu ersetzen, ist aber von dieser
Mafsnahme abgekommen, weil sie sich nicht bewährt hat. Auch in Amerika werden mit Eintritt
Ann. d. Hydr. etc... 1887, Heft X.