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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1886—87. 
Die Chronometer wurden während der Untersuchungszeit jeden zweiten Tag 
um 10 Uhr Morgens durch den Abtheilungs-Assistenten Herrn Dr. C. Stechert 
mit den Normaluhren der Sternwarte auf chronographischem Wege verglichen; 
außerdem wurde an jedem Dekadentage durch den Observator der Sternwarte, 
Herrn Dr. W. Luther, zwischen 10 und 11 Uhr vormittags eine zweite Ver- 
gleichung zur Herstellung der nöthigen unabhängigen Kontrolle ausgeführt. Die 
zur Ermittelung des Standes der Normaluhren nothwendigen Zeitbestimmungen 
wurden von Herrn Dr. C. Stechert am Passagen-Instrumente der Sternwarte 
angestellt. 
Das in den Protokollen über die Sitzungen der Chronometer-Konferenz 
vom 18. bis 20. März 1878 für die Prüfung der Uhren festgesetzte Verfahren 
wurde auch in diesem Jahre genau innegehalten, und es wurden daher die 
Temperaturen, denen die Uhren ausgesetzt wurden, in 10- resp. 20- oder 30- 
tägigen Intervallen von 5° zu 5° geändert, die Instrumente somit folgenden 
Temperaturen ausgesetzt: 5°, 10°, 15°, 20°, 25° und 30°C. Die Anordnung 
war dabei eine solche, dafs die drei Dekaden, welche auf jede dieser Tempera- 
turen fallen, mit Ausnahme derjenigen von 5°, nie unmittelbar auf einander 
folgten, sondern stets durch andere Temperatur-Dekaden getrennt wurden. 
Der diesjährige Winter war der Prüfung bei den niederen Temperaturen 
insofern günstig, als dieselben vollkommen innegehalten werden konnten. Die 
niedrigste überhaupt erreichte Temperatur betrug 4,2°, die höchste 30,5°. - Die 
Schwankungen innerhalb der einzelnen Dekaden überschritten nur ganz aus- 
nahmsweise den Betrag von 0,5°. 
Die aus den Vergleichungen mit den Normaluhren resultirenden Gänge 
der einzelnen Chronometer wurden zu zehntägigen Gangsummen vereinigt und 
die betreffenden Beträge in die Tabellen I und II eingetragen. 
Während Tabelle I dieselben nach der Zeit geordnet enthält, giebt 
Tabelle II dieselben in der Reihenfolge der Temperaturen, bei welchen die 
Uhren in den einzelnen Dekaden untersucht wurden. Gleichzeitig mit den 
Chronometern wurde ein Thermochronometer (nicht kompensirtes Chronometer) 
mitbeobachtet und die Dekadengänge desselben der Tabelle unten beigefügt. 
Unter der Rubrik, welche diese in Sekunden ausgedrückten Werthe enthält, 
folgen alsdann die aus den täglichen Ablesungen der meteorologischen Instru- 
mente gebildeten Mitteltemperaturen und hierauf die während des Verlaufs der 
Dekade abgelesenen Temperatur-Extreme. 
Dem Konkurrenz-Ausschreiben entsprechend, sind die Chronometer der 
Güte nach so geordnet, dafs dasjenige Instrument, bei welchem der Unterschied 
zwischen dem gröfsten und kleinsten Dekadengange (Betrag A) vermehrt um 
den doppelten Betrag der gröfsten zufälligen Gangschwankung zwischen zwei 
auf einander folgenden Dekaden (Betrag B) ein Minimum ist, die erste Stelle 
in der Prüfungsliste einnimmt und die anderen Uhren je nach der Zunahme der 
Summe dieser beiden numerischen Gröfsen nachfolgen. 
Die Maximal- und Minimalgänge sind in Tabelle II durch Beifügung 
eines Sternchens (*) gekennzeichnet und deren Differenz, auf Zehntheile der 
Sekunde abgerundet, in Tabelle II eingetragen. Desgleichen sind in Tabelle I 
die beiden auf einander folgenden Dekadengänge, welche den gröfsten Unter- 
schied zeigen, durch ein Kreuz (+) kenntlich gemacht und ihre Differenz gleich- 
falls in Tabelle II eingetragen. 
Bei genauer Betrachtung der Gang-Tabellen zeigt sich dieses Mal, gegen- 
über den Resultaten der vorjährigen 9. Konkurrenz, ein gewisser Rückschritt 
in der Gesammtleistung der Fabrikanten. Während im vorigen Jahre die An- 
zahl derjenigen Uhren, bei welchen der Betrag A-+2B die Grenze von 35 Se- 
kunden nicht übersteigt, 9 betrug, ist sie dieses Mal nur 5. Diesen 5 Chrono- 
metern, es sind die mit No. 1 bis 5 bezeichneten, gebührt allerdings in jeder 
Beziehung das Prädikat „ausgezeichnet“, und stehen sie, was ihre Güte an- 
belangt, den in den früheren Konkurrenz-Prüfungen prämürten in keiner Weise 
nach. Die zehn folgenden Chronometer No. 6 bis 15 sind gleichfalls noch als 
„recht gute“ Instrumente zu bezeichnen, und ist ihre Verwendung für wissen- 
schaftliche Zwecke sowohl als zum Gebrauche auf Schiffen sehr zu empfehlen. 
In die Klasse der noch als „gut“ zu bezeichnenden Chronometer gehören die 
anter No, 16, 17 und 18 angegebenen, während bei der jetzt folgenden Gruppe
	        
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