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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Aus dem Reiseberichte der Deutschen Brigg „J. H. Lübken“, 
Wir hatten während der Nacht in der Passage starke Stromkabbelungen, und 
der Strom setzte uns, bei veränderlichen Winden und Windstille, in der Rich- 
tung nach der Rook-Insel. Um $* p. m. standen wir nur etwa 3 Sm südlich der 
kleinen Insel Heyn. Zunächst konnte wegen der angeführten Verhältnisse nur 
wenig Fortschritt gemacht werden, bis nach 2* a,m. frische östliche Briese 
durchkam. In dunkler Nacht ist nach meiner Ansicht diese Passage einem 
Segelschiffe nicht zu empfehlen. 
Am Nachmittage des 22. November trieben wir nördlich von der Gazelle- 
Halbinsel in Windstille. Das Wetter war sehr schwül, und über dem Lande 
standen Gewitter. Am Abend war einer der Vulkane in Thätigkeit. In der 
folgenden Nacht kreuzten wir zwischen Neu-Mecklenburg und der Gazelle-Halb- 
insel gegen frischen südöstlichen Wind, und um 10" a. m. den 24. November 
segelten wir, nach 6tägiger Reise, durch die Südost-Passage in den Hafen von 
Mioko, ohne vorher einen Lootsen erhalten zu haben. In der Passage lief der 
Strom mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 4 Kn aus, und nur durch die 
frische Briese wurde die Einsegelung möglich, Treibholz, auf dessen Vorkommen 
in den Berichten der Deutschen Kriegsschiffe hingewiesen wird und ich auch 
von Kapt. Dallmann aufmerksam gemacht worden war, habe ich auf der 
ganzen Strecke von Finsch-Hafen bis Mioko, einige kleine Zweige ausgenomm®n, 
nicht angetroffen, 
Am 15. Dezember um 8!/2* a, m. verliefsen wir Mioko wieder, um eine 
Reise nach Apia zu unternehmen. Auf dieser sichteten wir am 22, des- 
selben Monats bei Sonnenuntergang von der Marsraa aus die Insel Tasman, 
dem Anscheine nach eine einzige kleine, mit Bäumen bestandene Insel. Am 
folgenden Abend um 10 Uhr sahen wir im Mondschein die Lord Howe’s-Gruppe 
and wendeten um 12* p. m. nordwärts, um derselben nicht zu nahe zu kommen, 
Um 4 a.m. den 24. wurde wieder südwärts gewendet, und gegen Sb a. m. 
hatten wir uns der Inselgruppe bereits so weit genähert, dafs die Eingeborenen 
in ihren grofsen, schön gearbeiteten Kanoes längsseit kamen. Mehrere der- 
selben sprachen, wenn auch gebrochen, ein ganz verständliches Englisch. Durch 
alle erdenklichen günstigen Vorstellungen suchten sie mich zum Kinlaufen in 
ihre Lagune zu veranlassen, nach welcher, wie sie mir zeigten, mehrere Passagen 
führen. Da ich daselbst aber nichts zu thun hatte, lehnte ich natürlich die 
Aufforderung ab, Aufser meiner Besatzung hatte ich eine grofse Anzahl 
Passagiere — darunter 54 Arbeiter für die Samoa-Plantage — an Bord, und 
durfte ich es deshalb wohl wagen, die Eingeborenen an Deck zu nehmen, was 
unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht rathsam erscheint, denn die Leute waren 
ungemein zudringlich, und in wenigen Augenblicken waren ihrer an 30 über- 
gesprungen. Nirgends in der ganzen Südsee habe ich einen Menschenschlag 
gesehen, der sich mit den Bewohnern der Lord Howe’s-Inseln messen könnte. 
Sie hatten eine Gröfse von 6 Fufs und waren alle tadellos gewachsen. Sie 
hatten durchaus keine Aehnlichkeit mit den Bewohnern der benachbarten 
Salomon-Inseln, und ihre Hautfarbe war heller als die der Samoaner. Waffen 
irgend welcher Art führte keiner bei sich. Als sie einsahen, dafs sie mich nicht 
zum Ankern bewegen konnten, wurden Kanoes nach dem Lande geschickt, um 
Hühner und Kokosnüsse zu holen, von denen ein ziemliches Quantum ein- 
getauscht wurde. 
Bei vorherrschend frischen nördlichen und nordwestlichen Winden wurde 
die Reise weiter fortgesetzt und am 8. Januar 1886, nachdem noch in der voran- 
gegangenen Nacht an der Nordküste der Insel Samoa stürmischer NW-Wind 
mit strömendem Regen durchgemacht war, nach 24tägiger Reise Apia erreicht. 
Am 14. Januar 1886 um 5% p. m. versegelte „J. H. Lübken“ bei leichter 
unbeständiger Briese von Apta nach Lefuka (Haabai). Am 21. Januar wurde 
die Vavau-Gruppe an ihrer Ostseite passirt. Um 12 Uhr Mittags peilte Accow 
Jago-Riff mw. NO, 4 Sm entfernt. Zur selben Zeit bestimmte ich durch eine 
astronomische Beobachtung unsere Breite zu 19° 4‘ Süd. Demnach scheint es 
mir, als ob das Riff etwas nördlicher läge, als in der Karte angegeben. Auf 
dem Riff liefen hohe Brecher, und in der Mitte befand sich eine etwa 1 Kabllg. 
grofse Sandbank, die einige Fufßs über die Meeresoberfläche hervorragte. 
Ungefähr 2 Sm südlich von dem Riffe sahen wir uns plötzlich auf einer Un- 
tiefe, auf welcher an verschiedenen Stellen wiederholt Brandung entstand. Der
	        
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