Zur Theorie der Küstenströmungen und Gegenströmungen.
Coqwimbo und Iquique. Die Konfiguration der Küste wird hier zur Erklärung
ausreichen.
Ein Abschwenken des Küstenstromes und Aufsteigen von Tiefenwasser
wird überall dort wesentlich erleichtert, wo der Meeresgrund steil abfällt. Die
Westküste von Süd-Amerika bietet hierfür den besten Beleg. Das Abschwenken
wird aufgehalten dort, wo ein Küstenstrom auf einer flachen Schwelle dahin-
fliefst und daher Tiefenwasser unter demselben nicht aufsteigen kann. Kin
Beispiel hierfür bietet der Golfstrom zwischen der Florida-Strafse und Charleston,
Ein typisches Beispiel für den Verlauf der ganzen Erscheinung bieten die
Strömungsverhältnisse an der Ostküste von Afrika im Südwestmonsun, Dort
beobachtet man südlich vom Aequator und bis ca 2° N-Br stets warmes Küsten-
wasser (Korallenbänke) und starken Nordstrom, Weiter nach Norden nimmt
der Monsun zu, aber die Strömung wird schwächer, und kaltes Küstenwasser
tritt auf. Hier, in der heißesten Gegend der Erde, sinkt die Wassertemperatur
im Juli unter die unserer Nordseebäder herab. Das vergleichsweise heifse
Wasser des Golfs von Aden kann nicht zufliefsen, weil der weiter nördlich
immer stärker wehende Monsun dasselbe nach NO mit sich fortzieht. Die
Neigung des Stromes, nach rechts abzuschwenken, wird aber auch hier beson-
ders schön bestätigt durch die Stromverhältnisse südlich von der Insel Socotra.
S. M. Kr. „Möwe“ wurde hier im Juli 1885 auf einer Reise von Aden nach
Zanzibar in 24 Stunden 78 Sm nach OSO versetzt, bei stürmischem Südwest-
monsun. Diese Beobachtung steht im Einklange mit der Stromkarte von Taylor
für diesen Theil des Indischen Oceans.
Die bezüglichen Daten sind folgende;
Das Schiff passirte Kap Gwardafui am 28. Juli Morgens.
Wind Strom setzte in
. N-Br O-Lg aus 24 Stunden
Juli 29 um 12 Uhr Mittags 10° 21’ 54° 5 SW 0S0'20 24 Sm
Juli 30 um 12 Uhr Mittags 8° 7‘ 56°49‘ SWzW 8S0z0'L20 78 Sm.
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An den folgenden Tagen weiter südöstlich kein Strom oder schwache
Versetzung .mit dem Winde,
Die mechanische Theorie der Meeresströmungen bedarf noch vielfach der
Ergänzung. Wie weit das Aufsteigen von Tiefenwasser bei der Darstellung
der arktischen Strömungen berücksichtigt werden mufs, läfst sich nicht ohne
Weiteres übersehen, da die Verhältnisse dort viel verwickelter liegen. Soviel
geht aber aus dem Gesagten hervor, dafs nicht das Thermometer und nicht
lokale Stromversetzungen für die Kenntnifs der Wassercirkulation an der
Oberfläche der Oceane allein mafsgebend sein dürfen. Vielmehr mufßs die
Darstellung auf der Karte davon ausgehen, dafs diese Cirkulation mechanischen
Gesetzen gehorcht, und dafs alle Beobachtungen, welche mit solchen Gesetzen
in Widerspruch stehen, mit gröfstem Mifstrauen aufgenommen werden müssen.