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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Die Taifune der Chinesischen Meere. 
Taifun durchlochte Segeltuchsäcke auszuhängen, welche mit in Oel getränktem 
Werg vollgestopft sind, damit der Anschlag gemäfsigt werde und keine Brecher 
überkommen. Und da ein Schiff, wenn es untergedreht liegt, immer etwas Fahrt 
macht, so sollten die Oelbeutel soweit als möglich nach vorn über die Klüver- 
geien und nicht mitschiffs ausgehängt werden. Solche Oelbeutel sind mir stets 
von gröfstem Nutzen gewesen. 
Eine der wichtigsten Beobachtungen, welche der Schiffsführer bei heran- 
ziehendem Taifun auszuführen hat, ist eine wiederholte Peilung des Windes 
behufs Feststellung der Lage des Mittelfeldes des Wirbelsturms, damit er er- 
fahre, in welcher Richtung von ihm der gefährlichste Theil des Sturmfeldes 
liege, und in welcher Richtung oder auf welchem Kurse er fortschreitet. 
Die alte Acht-Strich-Regel ist veraltet; wenn man den Rücken in den 
Wind kehrt, so liegt das Mittelfeld nicht in der Richtung der ausgestreckten 
linken Hand, d. h. 8 Strich vom Winde, sondern 2 und mehr Strich vor der 
Hand, also 10 Strich und mehr vom Winde. Diese sogen. Richtungswinkel, 
wie das Mittelfeld vom Winde peilt, und welche aus verschiedenen Stellungen, 
die ein Schiff zum Mittelfelde haben kann, stets verschieden ausfallen, sind hier 
nach der Wirklichkeit tabellarisch aufgezeichnet. 
Weil aber die meisten Küstenplätze zwischen mehr oder minder hohen 
Bergen liegen, welche ein genaues Peilen der wahren Windrichtungen unmöglich 
machen, 80 sind für die folgenden Tabellen nur Beobachtungen auf Seo ver- 
werthet. Die 4 nachstehenden Peilungstafeln sind aus bezw. 8, 10, 11 und 
5 Taifunen abgeleitet und enthalten die Mittel aller Peilungen für je 2 und 
8 Strich; alle nicht völlig vertrauenswerthen Beobachtungen sind ausgeschieden. 
Gemäfs der oben schon getroffenen Eintheilung der Taifune nach den 
verschiedenen Gebieten, wo sie auftreten, sind auch hier die Meerestheile ge- 
trennt in das Südchinesische Meer bis zu 22° N-Br, den Formosa-Kanal, das 
Ostchinesische und das Japanische Meer, und für jedes Gebiet besondere Ta- 
bellen aufgestellt. Die Lage des festen Landes und der Inseln empfiehlt solche 
Trennung durchaus; im Südchinesischen Meer und im noch mehr beengten 
Formosa-Kanal hat ganz gewifs der Taifun eine andere Form als östlich von 
den Philippinen oder in den freien Ostehinesischen und Japanischen Meeren. 
Ich betone vor dem Gebrauch der Tabellen noch einmal, dafs man nicht 
allein die Stärke und Richtung des herrschenden Windes zu Rathe ziehe, son- 
dern auch in erster Linie den Gang des Barometers berücksichtige, sodann die 
Gegend, in welcher man sich befindet und welchen Kurs der Taifun dort wahr- 
scheinlich in Gemäfsheit der Monats-Karten einschlagen und verfolgen wird. 
Sollte dann auch die Peilung um einige Striche verkehrt sein, so wird dies 
doch nicht viel ausmachen, wie sich schon daraus andeutungsweise ergiebt, da(s 
ich in den Tabellen nur ganze Striche notirt habe. Die Hauptsache bleibt, 
dafs man mit leidlicher Annäherung an die Wahrheit sowohl den Abstand als 
auch den Kurs des Mittelfeldes des Taifuns schätzen lerne, damit man dem 
Mittelfelde aus dem Wege gehe und nicht platt vor dem Winde in dasselbe 
hineinlaufe. 
IL. Südchinesisches Meer bis 22° N-Br. 
Mittlerer Kurs der Taifune WNW. Schwankung 4 Strich. Fahrt 
6 bis 13 Sm. 
Durchmesser des Sturmfeldes in der Richtung des Kurses mit Wind- 
stärke 6 und höher etwa 100 bis 400 Sm. 
Windstärke in der vorderen Hälfte innerhalb 100 Sm Abstand vom 
Mittelfelde 6 bis 12, d. h. es sind solche Windstärken innerhalb dieser Grenze 
beobachtet; für gewöhnlich wird man Winde von der Stärke 10 bis 12 haben. 
Die Peilungen sind am unregelmäfsigsten in der hinteren Hälfte, wo 
die Richtungswinkel mit anderen Worten am gröfsten sind.
	        
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