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Die Taifune der Chinesischen Meere.
Taifun durchlochte Segeltuchsäcke auszuhängen, welche mit in Oel getränktem
Werg vollgestopft sind, damit der Anschlag gemäfsigt werde und keine Brecher
überkommen. Und da ein Schiff, wenn es untergedreht liegt, immer etwas Fahrt
macht, so sollten die Oelbeutel soweit als möglich nach vorn über die Klüver-
geien und nicht mitschiffs ausgehängt werden. Solche Oelbeutel sind mir stets
von gröfstem Nutzen gewesen.
Eine der wichtigsten Beobachtungen, welche der Schiffsführer bei heran-
ziehendem Taifun auszuführen hat, ist eine wiederholte Peilung des Windes
behufs Feststellung der Lage des Mittelfeldes des Wirbelsturms, damit er er-
fahre, in welcher Richtung von ihm der gefährlichste Theil des Sturmfeldes
liege, und in welcher Richtung oder auf welchem Kurse er fortschreitet.
Die alte Acht-Strich-Regel ist veraltet; wenn man den Rücken in den
Wind kehrt, so liegt das Mittelfeld nicht in der Richtung der ausgestreckten
linken Hand, d. h. 8 Strich vom Winde, sondern 2 und mehr Strich vor der
Hand, also 10 Strich und mehr vom Winde. Diese sogen. Richtungswinkel,
wie das Mittelfeld vom Winde peilt, und welche aus verschiedenen Stellungen,
die ein Schiff zum Mittelfelde haben kann, stets verschieden ausfallen, sind hier
nach der Wirklichkeit tabellarisch aufgezeichnet.
Weil aber die meisten Küstenplätze zwischen mehr oder minder hohen
Bergen liegen, welche ein genaues Peilen der wahren Windrichtungen unmöglich
machen, 80 sind für die folgenden Tabellen nur Beobachtungen auf Seo ver-
werthet. Die 4 nachstehenden Peilungstafeln sind aus bezw. 8, 10, 11 und
5 Taifunen abgeleitet und enthalten die Mittel aller Peilungen für je 2 und
8 Strich; alle nicht völlig vertrauenswerthen Beobachtungen sind ausgeschieden.
Gemäfs der oben schon getroffenen Eintheilung der Taifune nach den
verschiedenen Gebieten, wo sie auftreten, sind auch hier die Meerestheile ge-
trennt in das Südchinesische Meer bis zu 22° N-Br, den Formosa-Kanal, das
Ostchinesische und das Japanische Meer, und für jedes Gebiet besondere Ta-
bellen aufgestellt. Die Lage des festen Landes und der Inseln empfiehlt solche
Trennung durchaus; im Südchinesischen Meer und im noch mehr beengten
Formosa-Kanal hat ganz gewifs der Taifun eine andere Form als östlich von
den Philippinen oder in den freien Ostehinesischen und Japanischen Meeren.
Ich betone vor dem Gebrauch der Tabellen noch einmal, dafs man nicht
allein die Stärke und Richtung des herrschenden Windes zu Rathe ziehe, son-
dern auch in erster Linie den Gang des Barometers berücksichtige, sodann die
Gegend, in welcher man sich befindet und welchen Kurs der Taifun dort wahr-
scheinlich in Gemäfsheit der Monats-Karten einschlagen und verfolgen wird.
Sollte dann auch die Peilung um einige Striche verkehrt sein, so wird dies
doch nicht viel ausmachen, wie sich schon daraus andeutungsweise ergiebt, da(s
ich in den Tabellen nur ganze Striche notirt habe. Die Hauptsache bleibt,
dafs man mit leidlicher Annäherung an die Wahrheit sowohl den Abstand als
auch den Kurs des Mittelfeldes des Taifuns schätzen lerne, damit man dem
Mittelfelde aus dem Wege gehe und nicht platt vor dem Winde in dasselbe
hineinlaufe.
IL. Südchinesisches Meer bis 22° N-Br.
Mittlerer Kurs der Taifune WNW. Schwankung 4 Strich. Fahrt
6 bis 13 Sm.
Durchmesser des Sturmfeldes in der Richtung des Kurses mit Wind-
stärke 6 und höher etwa 100 bis 400 Sm.
Windstärke in der vorderen Hälfte innerhalb 100 Sm Abstand vom
Mittelfelde 6 bis 12, d. h. es sind solche Windstärken innerhalb dieser Grenze
beobachtet; für gewöhnlich wird man Winde von der Stärke 10 bis 12 haben.
Die Peilungen sind am unregelmäfsigsten in der hinteren Hälfte, wo
die Richtungswinkel mit anderen Worten am gröfsten sind.