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Die Taifune der Chinesischen Meere.
feldes des ersten Taifuns nur etwa 100 Sm und des zweiten Taifuns gegen
150 Sm von seiner Bahn entfernt.
Obgleich also das Barometer für sich allein und durch die Tiefe seines
Fallens nicht immer frühzeitig genug Warnung giebt, so ist seine Beobachtung
doch in Verbindung mit anderen Taifunzeichen entschieden das beste Mittel,
sich über einen heranziehenden Taifun Gewifsheit zu verschaffen. Diese Taifun-
zeichen sind Tage vorher der Wind und der Seegang, ferner feine Cirrus-
Wolken, welche wie dünne Haare, Federn oder Büschel Wolle aussehen und
im Chinesischen Meere zwischen N und E westlich ziehen; dazu hat man dann
meist leichte Winde und auffallend schönes Wetter, Jetzt wird der Gang des
Barometers unregelmäfsig und die Luft eine Zeit lang merkwürdig durchsichtig;
kommt der Taifun aber näher, so wird das Wetter diesig und drohend, es
zeigen sich Ringe um Sonne und Mond, der Gang des Barometers wird immer
uanregelmäfsiger, und wiegt die Neigung zum Fallen vor. Dann setzen Böen
ein, und damit ist man im Bereiche des Taifuns. Selten werden gerade alle
Anzeichen wahrgenommen, immer aber einige von ihnen.
Die Vorläufer des Taifuns vom 20.—27. August 1885 wurden auf der
Rhede von Tatwanfu von mir, wie folgt, beobachtet:
20. August. Rogelmäfsige leichte Land- und Seebriese, sehr durchsichtige
Luft, Bewölkung cu 2. Das Barometer war bis 10* Vm. des 19. August regel-
mäfsig gestiegen und stand um diese Zeit auf 30,11“ (für Stand verbessert),
fiel aber innerhalb der nächsten 24 Stunden um 0,06“; Thermometer 84°—88° F,
21. August. Wind, Wetter und Wärme unverändert; Barometer fiel um
0,06“; Bewölkung cu 1.
22. August. Wind, Wetter und Wärme unverändert; Bewölkung cu 4;
Barometer fiel um 0,06“; nach Mittag wurde die Luft diesig; Barometer fiel
von Mittag bis 4* Nm. um 0,13“, stieg aber bis 10% Nm, wieder um 0,04“,
23. August. Regelmäfsige leichte Land- und Seebriese bis um 21 Nm,,
Luft diesig, Bewölkung cir str 4, um Mittag cu, Thermometer unverändert. Das
Barometer war während der Nacht um 0,09“ gefallen und fiel während des
Vormittags regelmäfsig in der Stunde um 0,02“. Um 2* Nm. setzte steife
nördliche Briese ein, und damit war das Schiff im Windbereiche des Taifuns,
Während diesem Taifun also nur eine grofse Durchsichtigkeit der Luft
voranging, beobachtete ich vor dem Taifan vom 13.—14. August 1886 (dem
Wenchau-Taifun) 7 Tage hindurch mäfsige nordöstliche Briese mit hoher süd-
östlicher Dünung, dazu Cirrus-Wolken, sowie einen Hof um den Mond und einen
unregelmäfsigen Gang des Barometers.
Ich selbst halte mich gegenwärtig an die folgende Regel: Geht
mein Barometer während der Taifunzeit auf See unregelmäfsig, d. h. sind die
täglichen periodischen Schwankungen des Standes unregelmäfsig, und zeigt da-
bei das Instrument eine Neigung zum Fallen, herrschen ferner gleichzeitig, ganz
abgesehen von der Stärke, nördliche, östliche oder südöstliche Winde
mit oder ohne nordöstliche und südöstliche Dünung, so nehme ich an, dafs
irgendwo ein Taifun weht, der vielleicht noch 1000 und mehr Seemeilen entfernt
sein mag.
Am 13. und 14, September 1884 waren die täglichen periodischen
Schwankungen meines Barometers unregelmäfsig, gleichzeitig fiel es in einem
Etmal um 0,10 Zoll und erreichte seinen niedrigsten Stand um 7* Nm. am
14. September. Der Wind, welcher am 13. September SSE 3 gewesen war,
ging am 14. September auf etwa 28° 30‘ N-Br und 124° O-Lg nach NNE mit
hoher südöstlicher Dünung. Ich schlofs daraus, dafs irgendwo im Osten von
mir ein Taifun wehe, dessen Kurs aber nach 7“ Nm. des 14. September sich
vom Schiffe entferne, und in der That verwüstete ein Taifun vom 15. bis 17, Sep-
tember Japan; sein Mittelfeld war um 7* Nm. des 14. September etwa 540 Sm
ENE vom Schiffe entfernt.
Falst man vorstehende, den Verlauf eines Taifuns schildernde Erfahrungen
zusammen, so ergiebt sich:
1. dafs der Taifun sich mit unregelmäfsiger Fahrt südlich von 30° N-Br
langsamer, nördlich von 30° N-Br schneller fortbewegt;
2. dafs je rascher die Fahrt und je gröfser das Sturmfeld, desto schwerer
der Taifun ist: