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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Die Taifune der Chinesischen Meere. 
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lenze deshalb von!) dem Winde fort. Aber um 7" kam mir erst die 
Ueberzeugung, dafs ich es mit einem Taifun zu thun haite, so wenig Warnung 
hatte das Barometer gegeben. Ich hatte 10 Schiffe südlich von mir und wufste 
auch nicht genau, wo ich mich befand. ‚Nur ein Schiff, das südlichste von allen, 
hielt in der That ab und lief binnen .drei Stunden in schönes Wetter hinein, 
wir anderen bekamen alle schwere Havarien, und zwei gingen mit Mann und 
Maus verloren. ; 
In den Japanischen Meeren, sowie in der Nähe der Liu-Kiu-Inseln scheint 
obige Regel für östliche und südöstliche Winde nicht immer Geltung zu ver- 
dienen; dort sollte man die Antwort auf die Frage, ob Beidrehen oder Lenzen, 
nur mit Hülfe des Barometers und unter Vergleichung der Monatskarten der 
Bahnen zu finden suchen, 
Unstreitig ist das Barometer der beste Warner des Schiffsführers, dem 
keine telegraphischen Warnungen von Land zur Verfügung stehen, und dem aus 
dem Verhalten seines Instrumentes erst die Ueberzeugung von der drohen- 
den Gefahr sich aufdrängt. - Aber es gehört eine genaue Kenntnifs des Instru- 
mentes dazu, aus seinen Warnungen den richtigen Nutzen zu ziehen, denn ein 
Taifun zeigt sich in den beiden vorhergehenden Tagen weniger 
durch das Fallen des Instrumentes an, als vielmehr durch das Ver- 
halten des Instrumentes überhaupt. 
Unter 29 Taifunen erhielt ich bei zwei Dritteln derselben 12 Stunden 
vorher oder später genügende Warnung durch entschiedenes Fallen des Baro- 
meters, und wehte es dann zum Mindesten mit Stärke 8; bei dem letzten Drittel 
hatte ich von 24 bis 12 Stunden vorher Warnung. Ein Taifun (vom 10.—12. Juli 
1881) mit Kurs NNW und N, Fahrt 15,5 Sm, gab in Tamsui zwei Tage 
vorher, an Bord des Dampfers „Keelung“, in etwa 28° N-Br und 122° O-Lg, 
einen Tag vorher und bei mir an Bord, in 36° N-Br und 123° O-Lg, acht 
Stunden vorher Warnung. Der Gradient wurde also auf einer Entfernung von 
660 Sm sehr steil. Da obige Zeit für ein Segelschiff in der Regel nicht aus- 
reichen wird, um binnen oder dem Taifun aus dem Wege zu laufen, außerdem 
durch die unsichere Peilung des Mittelfeldes sein Ort nicht hinreichend genau 
bestimmt werden kann, so wird allerdings in den meisten Fällen nichts Anderes 
übrig bleiben, als beizudrehen. 
_ Aus der Dauer des Fallens läfst sich kein Schlufs auf die Gröfse 
des Sturmfeldes ziehen. Bei dem Taifun vom 31. Juli 1879 (Dechevrens), 
dessen Kursdurchmesser etwa 300 Sm betrug, fing bei mir an Bord das Baro- 
meter einen Tag vorher zu fallen an, bevor ich das Mittelfeld des Taifuns 
passirte; dasselbe fand aber statt bei dem Taifun vom 15.—21. September 1878 
(Knipping), als das Sturmfeld den ungeheuren Kursdurchmesser von 
1300 Sm hatte, 
Auch die Tiefe des Fallens giebt wenig Anhalt zur Beurtheilung der 
Schwere des Taifuns, Während des Taifuns vom 24.—28. September 1881, 
dessen Kursdurchmesser etwa 1000 Sm betragen mochte, und der 20—25 Sm 
Fahrt hatte, wehte es bei mir an Bord in etwa 27° N-Br und 123° O-Lg 
36 Stunden hindurch mit Stärke 10 bis 12. Mein Barometer, ein Aneroid, für 
Stand verbessert, fiel vom Mittag des 23. September, als es aus NzE 6 wehte, 
bis zum Mittag des 25, September, als das Wetter schon anfing besser zu 
werden, obwohl es noch aus NWzN mit Stärke 11 wehte, also in 48 Stunden 
von 29,92“ bis 29,59“ oder 0,33 Zoll. Dagegen fiel es während des Taifuns 
vom 21.—23. August 1883, der einen Kursdurchmesser von 400 Sm hatte und 
14 Sm Fahrt lief, bei mir an Bord in 26° N-Br und 123° O-Lg vom Mittag 
des 22. August bei NNE-Wind Stärke 6 bis um 7° Nm. des 23. August bei 
W-Wind Stärke 10, also in 31 Stunden, von 29,89“ bis zu 29,42“, also um 
0,47 Zoll. In beiden Taifunen trat der niedrigste Stand des Barometers erst 
nach der größten Windstärke ein: das Schiff stand beim Passiren des Mittel- 
1) Von dem Winde, 2—4 Strich ein von Steuerbord,
	        
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