Zur Theorie der Küstenströmungen und Gegenströmungen.
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Zur Theorie der Küstenströmungen und der Gegenströmungen.
Im Dezember-Heft der „Proceedings of the Royal Geographical Society“
liegt nunmehr die ausführliche Wiedergabe eines Vortrages vor, welchen Herr
Buchanan vor jener Gesellschaft am 8. November 1886 gehalten hat unter
dem Titel „on similarities in the Physical Geography of the Great Oceans“,
Der Vortrag enthält wesentlich einen Hinweis auf zwei Probleme der Oceano-
graphie, nämlich: die Aequatorialgegenströmungen und das Aufsteigen
kalten Wassers an den Küsten.
In Bezug auf die Aequatorialgegenströmungen wird besonders hervor-
gehoben, dafs das nach Osten strömende Oberflächenwasser nicht nur wärmer
wie das Wasser im Weststrom ist, sondern dafs es namentlich auch weniger
salzhaltig ist. „Die Striche oder Axen starken östlichen Stromes sind scharf
gekennzeichnet durch Gebiete obnorm niedriger Dichtigkeit des Oberflächen-
wassers, Das ganze Gebiet des nach Osten strömenden Wassers hat verhältnifs-
mäfsig geringe Dichtigkeit, aber da, wo eine plötzliche Zunahme von Geschwindig-
keit vorhanden ist, wird auch eine plötzliche Verminderung der Dichtigkeit
beobachtet, so dafs auf ein Vorhandensein starker östlicher Strömung in den
Aequatorialgegenden mit grofser Wahrscheinlichkeit geschlossen werden kann
aus den Angaben des Hygrometers.“
Auf diese Verhältnisse ist schon vor mehr als zehn Jahren, wenngleich
weniger verallgemeinernd, hingewiesen worden (vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1875,
S, 69, im Bericht des Kapt. z. See Freiherr von Schleinitz, auch in den
„Remarks to accompany monthly charts for nine ten-degree squares“, S, 495).
Die Erkenntnifs der Entstehungsursache des Aequatorialgegenstromes ist aber
durch diese Betrachtungen nicht gefördert worden. Woher kommt es, dafß die
Dichtigkeit des Wassers geringer ist, da wo der Oststrom stärker läuft? Doch
entweder weil dort die Niederschläge am stärksten sind, oder weil dort feuchte
Westwinde wehen, welche die Verdunstung hindern und den Oststrom fördern.
Jedenfalls ist das Gebiet geringster Dichtigkeit zusammenfallend mit dem Ge-
biete ohne Passatwinde, Somit werden durch die Parallelstellung von starkem
Oststrom und geringer Dichtigkeit diejenigen Darstellungen nicht widerlegt,
welche die Bewegungsursache des Aequatorialgegenstromes aus der Bewegung
des Aequatorialstromes — insbesondere des vom Südostpassat erregten —
herleiten. .
Es verdient aber nur immer wieder hervorgehoben zu werden, was auch
Buchanan in seinem Vortrage ausspricht: „Das Studium der Strömungen in
den Aequatorialgegenden würde die Mühe der Beobachtungen reichlich lohnen.
Der Aequatorialgegenstrom ist besonders interessant und die dynamischen Ver-
hältnisse dieser Strömung sind in Dunkel gehüllt. Seine Mächtigkeit beschränkt
sich auf die oberflächlichsten Wasserschichten, und seine physikalischen Ver-
hältnisse können studirt werden ohne die umfangreiche und kostspielige Aus-
rüstung, welche für die Erforschung der oceanischen Tiefen erforderlich ist.“
Das Aufsteigen kalten Wassers aus der Tiefe, welchem der letzte Theil
des Vortrages gewidmet ist, bietet insofern besonderes Interesse, als dieser
Erscheinung erst in jüngster Zeit von der Wissenschaft Beachtung zugewendet
ist. Bis vor einigen Jahren war es feststehender Grundsatz, aus kalten Wasser-
temperaturen an den Küsten auf Strömungen zu schliefsen, welche von kalten
Gegenden der Erde herkommen. Auf Grund dieser Temperaturbeobachtungen
wird in den mafsgebenden Werken über Meeresströmungen bis jetzt ein kalter
Strom für die Ostküste von Nord-Amerika bis Charleston, für Süd-Amerika bis
Kap Frio als erwiesen angesehen. Ebenso wurde das kalte Wasser innerhalb
des Kurosiwo an der Japanischen Küste, die bekannten niedrigen Temperaturen
an der Küste von Peru und Kalifornien, endlich an vielen Stellen der West-
Afrikanischen Küste nur als Beleg für kalte, äquatorwärts gerichtete Strömungen
angeführt. Die erste Diskussion von Strombeobachtungen, welche unseres
Aon. dA. Hrädr. eto., 1887, Hoft I.