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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte. 
vor Ende September überschritten, als mittlere Dauer 44 Tage ergiebt, betrug 
die durchschnittliche Dauer der später angetretenen nur 38 Tage. Die Ursache 
der Verzögerung bestand vornehmlich in den anhaltenden Windstillen und den 
häufigen Nordwinden, welche die Schiffe zwischen 30° und 40° N-Br, beim 
Uebergang vom Passatgebiete zum Gebiete der vorherrschenden Westwinde an- 
trafen. „Moltke“ verbrachte auf dieser Strecke nicht weniger als 21 Tage. 
Zum Theil lag der Grund aber auch in der geringen Segelfähigkeit der Schiffe 
oder in einer nicht ganz den Umständen angemessenen Führung derselben. 
Wie aus der Tabelle ersichtlich, waren es vornehmlich die eisernen 
Schiffe, die unter der geringen Segelfähigkeit zu leiden hatten.'‘) Von langer 
Reise und aus tropischen Gegenden kommend und infolge dessen mit sehr un- 
reinem Boden versehen, waren sie in ihrer Fahrt sehr behindert und besonders 
nicht im Stande, die leichten Winde der Aequatorialzone und der Rofsbreiten 
auszunutzen und deshalb hier sehr oft zu langem Aufenthalt verurtheilt. In 
den meisten Fällen wurden sie von ihren hölzernen Mitseglern um mehrere 
Tage geschlagen. . 
Die rascheste Reise von allen machte das Schiff „Johann Hinrich“, 
welches den Weg von der Linie nach dem Kanal in 26 Tagen zurücklegte. 
Es traf die Verhältnisse insofern recht günstig, als es den Passat schon in 
verhältnifsmäfeig niedriger Breite, in 29° N-Br und 32° W-Lg am 15. September 
verlor und dann mit fast ununterbrochen aus südwestlicher Richtung wehendem 
Winde auf direktem Kurse die Reise vollenden konnte, Die günstige Wetter- 
lage wurde hervorgerufen durch die Depression, welche vom 15. bis zum 
25. September erst auf der Mitte und dann auf dem nordöstlichen Theile des 
Nordatlantischen Oceans lagerte. 
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Anhang. 
Mittlere Abweichung der Temperatur von ihrem normalen Werthe. 
In der folgenden Tafel ist die mittlere Abweichung der Lufttemperatur 
der drei Monate von ihrem Normalwerthe für ca 50 Gebiete aufgeführt, deren 
jedes ungefähr 700 km im Durchmesser und also 3—400 000 qkm Oberfläche hat; 
Inseln gelten als die benachbarte Meeresfläche mitvertretend. Als Quellen 
haben gedient einerseits die von der Seewarte in den „Ann. d. Hydr. etc.“ 
veröffentlichte „Vergleichende Uebersicht der Witterung in Nordamerika und 
Centraleuropa“, andererseits das Jahrbuch des Dänischen Met. Instituts, das 
Journal der Schottischen Met. Gesellschaft, endlich für die Russischen Stationen 
die Annalen des Petersburger Central-Observatoriums und die Isothermenkarten 
von Wild. Da nämlich in den Annalen ein beträchtlicher Theil der Stationen 
neu ist, so dafs keine Normalwerthe dafür vorhanden sind, und da die zur 
Verfügung stehende Zeit und Arbeitskraft den gewöhnlichen Weg der Ableitung 
von Abweichungen viel zu umständlich erscheinen liefs, so wurde eine andere 
Methode eingeschlagen, welche sich technisch sehr vortheilhaft erweist; ob die 
gewonnenen Resultate fehlerfrei sind, hängt davon ab, ob die neueren Beob- 
achtungen mit dem in den Isothermenkarten niedergelegten älteren Material 
vergleichbar sind, wie man dies doch voraussetzen mul. Es wurde auf die 
Isothermenkarte des betreffenden Monats ein Stück Pauspapier gelegt, die 
Zahlen für denselben Monat von 1883 aus den Annalen nach der willkürlichen 
Reihenfolge, in welcher sie stehen, herausgenommen, auf den Meeresspiegel 
reducirt, mit der ihrem Orte nach den Isothermen zukommenden Normal- 
temperatur verglichen und die Differenz an die betreffende Stelle auf das Paus- 
papier geschrieben; die betreffende Rechenoperation kann leicht im Kopfe ge- 
macht werden, doch sind Stationen von mehr als 500 m Seehöhe nicht benutzt 
worden. Diese Zahlen wurden dann in bequemster Weise in geographische 
Gruppen zusammengefafst und gemittelt und an das Gruppenmittel die Korrek- 
tion angebracht, welche nach dem Werke über die „Temperatur- Verhältnisse 
Russlands“ der Stundenkombination 7h 1b 9% zukommt, da die Isothermen auf 
0 In der Tabelle 4 sind die eisernen Schiffe mit E, die hölzernen mit HK bezeichnet.
	        
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