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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte,
die Reise rascher vollendet, wenn sie schon in 35° N-Br, wo sie am 30. Sep-
tember den der Südseite des vorhandenen Maximums angehörenden östlichen
Wind erhielten, den westlichen Kurs wieder aufgenommen hätten. Nach Aus-
weis der Wetterkarten würden sie in dieser Breite einen günstigen und meistens
frischen Wind ganz bis zu ihrem Reiseziele behalten und letzteres auf dieser
Route schon am 18. Oktober etwa erreicht haben. Das Schiff „Hermann
Friedrich“, welches 10° W-Lg Anfang Oktober kreuzte und nicht nur auf dem
Wege nach Süden, sondern auch in der Passatregion eine ziemlich ungünstige
Gelegenheit antraf, benöthigte zu der Ueberfahrt 44 Tage. Das Schiff „Hedwig“,
welches gleichzeitig mit „Johanne Auguste“ und „Doris“ die Fahrt antrat und
ebenfalls die Passatroute einschlug, gewann dagegen mehrere Tage gegen seine
Mitsegler, und zwar vornehmlich durch die südlichere Lage seines Abfahrtsortes,
Sehr günstig für die Fahrt auf der Passatronte lagen die Verhältnisse
während der ersten beiden Dekaden des November, Das Schiff „Henry“ legte
um diese Zeit die Strecke von 10° bis 70° W-Lg in nur 20 und den ganzen
Weg von Gibraltar nach Now-York in 31 Tagen zurück. „Jupiter“, der infolge
seiner nördlicheren Stellung bei der Abfahrt und der etwas zu nördlichen Lage
seiner Route, 50° W-Lg wenn schon ebenfalls ziemlich rasch, doch 4 Tage
später als sein Mitsegler erreichte, fand dagegen die Verhältnisse auf dem
letzten Theile seines Weges schon soviel ungünstiger, dafs die Fahrt von 10°
bis 70° W-Lg 33, und die ganze Reise von St. Nazaire nach New-York nicht
weniger als 53 Tage in Anspruch nahm.
2, Reisen von West nach Ost.
Die Fahrten zwischen 70° und 10° W-Lg in der Richtung von West nach
Ost verfolgten, wie dies gewöhnlich der Fall ist, nahezu dieselbe, nur durch die
Lage des Abfahrts- und Bestimmungsortes etwas beeinflufste Route. Die Dauer
derselben schwankte zwischen 19 Tagen — bei „Olbers“ und „Caroline“ — und
34 Tagen („Savannah“). Wie die Tabelle erkennen läfst, wurden die ungünstig
verlaufenden Reisen, zu welchen neben der des Schiffes „Savannah“ in erster
Linie noch die der Schiffe „Alsen“ und „Amelia“ zu rechnen sind, vornehmlich
auf der ersten Hälfte des Weges verzögert, und zwar durch die östlichen Winde,
welche, wie vorher erwähnt, die Fahrt in entgegengesetzter Richtung auf dieser
Strecke oftmals sehr begünstigten. „Amelia“ erhielt erst gegen Ende Oktober,
nachdem sie 14 Tage auf der Strecke von 70° bis 56° W-Lg zugebracht hatte,
mit der um diese Zeit vom Amerikanischen Kontinent herüber kommenden
Depression den zur rascheren Beförderung der Reise erforderlichen Westwind,
Die besten Fahrten machten die Schiffe fast das ganzo Vierteljahr hindurch auf
dem östlichsten Abschnitte des Weges, zwischen 30° und 10° W-Lg, wo unter
dem Einflusse der vorhandenen Druckvertheilung mit wenigen und kurzen Unter-
brechungen nur Winde aus dem westlichen Halbkreise herrschend waren.
3. Reisen von Nord nach Süd.
Unter den sehr zahlreichen Reisen, welche im Herbste 1883 auf dem
Wege vom Englischen und St. Georgs-Kanal oder Nord um Schottland nach
dem Südatlantischen Ocean gemacht wurden, lassen sich in Hinsicht auf die
Dauer derselben vier Gruppen unterscheiden.
Die erste Gruppe, welche die Schiffe umfafst, die vor dem 4. September
ihre Fahrt antraten, „Fulda“ bis „Richard Rickmers“, hatte eine Reise bis zum
Aequator von mittlerer Dauer, 29 bis 35 Tage. Mit Ausnahme von „ Willy“
and „Richard Rickmers“, welche auf der Strecke vom Kanal bis 30° N-Br mehr
wio die anderen begünstigt waren, trafen alle Schiffe hier wie auf der folgenden
Nordostpassat-Strecke die gleiche mittelgünstige Gelegenheit. Der Unterschied
in der Reisedauer entstand vornehmlich in der Aequatorialzone, zwischen 10° N-Br
and der Linie. Während auf den verhältnifsmäfsig kurzen Reisen der Schiffe
„Madeleine Rickmers“ und „Paul“ diese Strecke in 6 bis 7 Tagen zurückgelegt
wurde, benöthigte das Schiff „Marie Louise“, dessen Reise die abweichend
lange Dauer von 38 Tagen hatte, nicht weniger als 13 Tage dazu.
Die nächstfolgenden Schiffe, „George“ bis „Amaranth“, welche den Kanal
zwischen dem 4. und 19, September verliefen, hatten fast ohne Ausnahme eine
lange Reise. Letztere nahm bei fast allen mehr als 35, in mehreren Fällen