Aus dem Reiseberichte der Deutschen Bark „Speculant“.
and nahe der Küste entlang segelnd, wurde noch vor Dunkelwerden die Barre
von San Marco passirt, die erste, die auf Tonala folgt. Die nächste Barre ist
diejenige von Tolemita, so genannt von den hiesigen Bewohnern, in der Karte
unter dem Namen Pzigiapa aufgeführt. Hier lag die für uns bestimmte Ladung
aufgestapelt am Strande. Die Lagune ist etwa 2 Sm vom Seestrande, dem sie
in paralleler Richtung folgt, entfernt. Sie ist nur schmal, soll aber nach Aus-
sage der Einwohner 20 Sm lang sein. Der Bingang zur Lagune ist viel enger,
als derjenige bei Tonala und in einer Entfernung von nur 3 Sm seewärts kaum
ausfindig zu machen. Die Brandung vor demselben reicht ungefähr '/2 Sm in
die See hinaus. Ein Dorf befindet sich hier nicht, und nur während der Ver-
schiffungszeit, der trockenen Jahreszeit vom November bis Mai, wenn auflandige
Winde von Bedeutung nicht vorkommen und deshalb die Schiffe einen ziemlich
sicheren Ankerplatz haben, sind provisorische Hütten für die Arbeiter auf-
gerichtet. Wir erreichten den Ankerplatz am 10. Januar 12 Uhr Mittags.
Derselbe ist etwa 1 Sm vom Lande entfernt, auf einer Tiefe von 12'Am
(7 Fad.) über Sand- und Muddgrund, und peilt man von dort aus die Barre,
2 Sm entfernt, mw. NNW'AW. Die geographische Lage bestimmte ich durch
astronomische Beobachtungen zu 15° 35,5‘ N-Br und 93° 23‘ W-Lg.
Während unseres hiesigen Aufenthaltes — Januar bis Februar 1886 —
traten hier mehrere Norder auf, von welchen diejenigen zur Zeit des Neumondes
am stärksten waren und den in Tonala und Salina Cruz beobachteten nicht
nuachstanden. Während dieser Norder und auch noch einige Tage nach den-
selben setzte der Strom —— wie schon an anderer Stelle hervorgehoben — mit
einer Geschwindigkeit von über 2 Kn nach West. Zu anderen Zeiten lief der
Strom eben so häufig östlich als westlich, wobei seine Geschwindigkeit zwischen
EL und 2 Kn varlirte,. Irgend welche Regelmäfsigkeit konnte ich nicht ent-
decken. Wenn kein Norder wehte, wechselten Land- und Seewinde beständig
mit einander ab. Die Richtung der ersteren war von N bis NNE, Stärke 2-—3,
die der letzteren, die um 10® a. m. einsetzten und selten die Stärke 5 erreichten,
von SSE bis SW.
Das Beladen des Schiffes hat man in Tolemita mit der eigenen Mann-
schaft zu besorgen, doch überläfst der Kaufmann einem auf Wunsch einige
Arbeiter, die einen Tagelohn von 1!/a Doll. erhalten. Proviant und Wasser sind
nicht erhältlich — letzteres auch nicht in Tonala — und hat ein nach hier
bestimmtes Schiff sich reichlich mit diesen Gegenständen zu versehen.
NM. La Union (San Salvador).')
Am 3. März 1886, nachdem „Speculant“ beladen war, gingen wir um
12 Uhr Mittags nach La Union unter Segel, um Trinkwasser für die Reise an
Bord zu nehmen, und ankerten daselbst am 1l. März um 1* 45“ p.m., die
Landungsbrücke in SW*/,W und Punta Secate-Südostspitze in SOzO, dicht unter
der Stadt.
Das Aufsegeln nach La Union ist auch ohne Lootsen ganz gefahrlos,
da die Untiefen des Fahrwassers über Wasser zu sehen sind. In der Enge
bei Chicacare, wo man die Mitte des Kanals zu halten hat, ist jedoch eine
frische Briese erforderlich, weil in derselben namentlich bei Neu- und Vollmond
ein rasender Strom ausläuft. Wir fanden hier zwei Tage vor dem ersten Mond-
viertel einen solchen von 3'% Ku Geschwindigkeit. Ein Kapitän, der zum
ersten Male nach La Union kommt, sollte sich auch nicht durch eine mond-
helle Nacht zum Durchsegeln der Enge verleiten lassen, sondern, vor Anker
liegend, den Tag abwarten. Ankergrund, der aus weichem Mudd besteht, ist,
aufser in der Enge, überall vorhanden.
Als Trinkwasser ist in La Union gutes Quellwasser vorhanden. Es ist
indessen recht zeitraubend, dasselbe an Bord zu schaffen, denn dieses kann nur
bei Hochwasser geschehen, weil bei Niedrigwasser die Stelle mit einem Boote
unzugänglich und aufserdem der Brunnen leer ist. Wenn eine Lansche an-
genommen wird, die eine Tragfähigkeit von 6 Tonnen hat, und für welche
12 Doll. zu zahlen sind, so mul ein zuverlässiger Schifsmann mitgesandt
werden, um darauf zu achten, dafs man kein brackiges Wasser erhält, Da ich
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I) Siehe auch Annalen, Jahrgang 1886, Seite 442 £.