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Aus dem Reiseberichte der Deutschen Bark „Speculant“,
Jahren einer ihrer Dampfer verloren gegangen und der gröfste Theil der Mann-
schaft dabei ums Leben gekommen sei. Wir ankerten '/2 Sm südlich von der
Brandung auf einer Wassertiefe von 22m (12 Fad.). Nach der Brandung zu
nahm die Wassertiefe rasch ab; 1 Kabllg. mw. Nord vom Schiffe betrug die-
selbe nur noch 12m (7 Fad.) und einige Schiffslängen weiter nur noch 7m
(4 Fad.)., Von unserem Ankerplatze aus peilte die Ostseite des Einganges in
die Lagune mw. Nz0!/40 4 Sm entfernt. Kinige an der Innenseite der Lagune
liegende Dörfer waren vom Schiffe aus zu sehen, während Tonala selbst, weiter
landeinwärts am Fuße eines Berges gelegen, durch Bäume verdeckt war, Hart
an der Nordseite von Tonala steht auf einem erhöhten Punkte ein weifses
thurmartiges Gebäude, von dem aus mit einem Fernrohre das Meer und die
vor der Barre liegenden Schiffe gesehen werden können und umgekehrt. Dieses
Gebäude peilte von Bord aus mw. NO5/s0. Durch astronomische Beobachtungen
bestimmte ich die Breite unseres Ankerplatzes zu 15° 56,5‘ Nord und die Länge
zu 93° 54,5‘ West, Die Position der Barre von Tonala ist danach also be-
trächtlich südlicher und östlicher, als in der Karte und Segelanleitung von
Imray angegeben,
Bei klarem Wetter, wenn die Berge nicht, wie kurz vor und während
eines Norders, von einer weifsgrauen Wolkenschicht umhüllt sind, ist die An-
segelung der Barre von Tonala nicht schwierig, denn an der ganzen Küste
befindet sich kein ähnlich geformter hoher Berg, als derjenige, in dessen Nähe
Tonala liegt. Derselbe hat auf seiner Spitze drei Zacken und peilt von der
Barre mw. N01/440.
Am Tage nach unserer Ankunft war auf der Barre bis dicht vor dem
Eingange zur Lagune fast gar keine Brandung vorhanden, und nur gelegentlich
bemerkte man einige weiße Köpfe, die die seichten Stellen andeuteten. Es ist
daher in einem solchen Falle bei der Annäherung an die Barre die gröfste
Vorsicht geboten. Bei den steifen und stürmischen Winden der letzten Tage
fand eine starke Strömung nach WSW statt.
Am letztgenannten Tage — 7. Januar 1886 — kam um 8'/* a. m. ein
Zollboot aus der Lagune über die Barre zu uns heraus. Der Beamte erklärte
mir, dafs der Hafen von Tonala, genannt La Puerta, noch fast 10 Sm östlicher
sei und das Schiff dorthin zu gehen hätte. Infolge dessen lichteten wir wieder
unseren Anker, segelten mit flauer südwestlicher Briese ostwärts längs der
Küste und gelangten endlich um 3* p. m. nach unserem eigentlichen Bestimmungs-
platze, woselbst wir auf einer Wassertiefe von 16m (9 Fad.) 3 Kabllg. vom
Lande ankerten.
La Puerta besteht aus ungefähr einem Dutzend Schilfhütten, einigen
Schuppen, in denen die Boote und Lanschen untergebracht werden, und einem
ziemlich grofsen weißen Hause mit Zinkdach und einer Flaggenstange, ungefähr
in der Richtung Ost vom Ankerplatze, welches, im Oktober 1885 erbaut, der
Firma L. Gout in Tonala gehört und zur Aufbewahrung der zu verladenden
oder der mit den zwei Mal monatlich hier anlaufenden Dampfern, die zwischen
Panama und San Francisco verkehren, angebrachten Güter dient. Auch ist in
diesem Hause das Bureau des Hafenmeisters, der bei Annäherung von Schiffen
die Mexikanische Flagge zeigt. Etwa !» Kabllg. vom Lande, woselbst noch
11m (6 Fad.) Wasser stehen, liegt eine eiserne Boje, an welcher vermittelst
einer Leine die Lanschen durch die Brandung auf tieferes Wasser gezogen
werden. Wir lagen !/a Kabllg. aufserhalb dieser Boje und, wie schon bemerkt,
auf 16 m (9 Fad.) vor Anker.
Zollbeamte und Hafenmeister kommen zur Besichtigung an Bord. Zum
Einklariren hat der Kapitän nicht nöthig an das Land zu gehen, da dieses
Geschäft von dem Kaufmann besorgt wird, der in Tonala wohnt, welches zu
Pferde in vierstündigem scharfem Ritte zu erreichen ist; doch wird natürlich
durch die Anwesenheit des Kapitäns die Erledigung dieser Angelegenheit be-
schleunigt.
Die geographische Lage unseres Liegeplatzes bestimmte ich durch astro-
nomische Beobachtungen zu 15° 55‘ N-Br und 93° 45,5‘ W-Lg.
In La Puerta erhielt ich die Order, nach dem Ladeplatze Tolemita zu
versegeln. Wir lichteten deshalb, nachdem ein am 8. Januar begonnener Norder
wieder abgenommen hatte, um 4* p.m. den 9. Januar abermals unseren Anker,