Aus dem Reiseberichte der Deutschen Bark „Speculant“,
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befanden sich mehrere Dörfer; auch sahen wir Leute, die auf der Lagune in
Booten und Kanoes Fischfang betrieben, doch kam ein Lootse nicht zu uns
heraus. Wir gingen deshalb am nächsten Morgen wieder unter Segel und
setzten, uns in einer Entfernung von etwa 2 Sm von der Küste haltend, auf
einer Tiefe von 16 bis 22m (9 bis 12 Fad.) die Reise fort. Die Lagune war
auch jetzt von der Bramraa aus über das Gebüsch hinweg zu sehen. Au dem-
selben Nachmittage um 3 Uhr ankerten wir 2 Sm vom Lande auf einer Wasser-
tiefe von 18m (10 Fad.), nach astronomischen Beobachtungen auf 16° 5‘ N-Br
und 94° 9‘ W-Lg. ;
Obwohl in der Karte und dem Segelhandbuche von Imray die Barre
vom Tonala in 94° 10‘ W-Lg niedergelegt ist, konnten wir hier doch weder
diese noch die Lagune entdecken. Am Lande sahen wir zwar eine Menge
Menschen, aber keine Häuser, auch von oben nicht. Am folgenden Tage, dem
2. Januar 1886, setzten wir ein Boot aus, fanden aber die Brandung zu hoch,
um landen zu können, und fuhren dann mit demselben noch etwa 7 Sm weiter
ostwärts längs der Küste, ohne von Tonala etwas zu sehen. Es wehte während
des ganzen Tages ein leichter westlicher Wind, wobei eine hohe Dünung aus
derselben Richtung lief.
Am 3. Januar wehte ebenfalls eine leichte westliche Briese, die gegen
Abend aus NW auffrischte und so während der Nacht verblieb. Die Leute am
Lande forderten uns durch Zeichen auf, zu landen, allein die noch immer hohe
Brandung liefs dieses nicht zu. Am Morgen des 4. Januar machten wir trotz-
dem mit zwei Booten den Versuch, das Land zu erreichen, da wir nicht länger
hoffen durften, dafs Leute von dort zum Schiffe herauskommen würden, und
nirgends ein Fahrzeug zu erblicken war. Das eine Boot wurde außerhalb der
Barre verankert und von diesem aus eine dünne Leine in dem anderen mit
ans Land genommen, um letzteres später vermittelst derselben durch die Bran-
dung zurückholen zu können. Das Landen gelang auch ziemlich gut; das Boot
schlug dabei freilich voll Wasser, doch hatten meine vier Leute und ich uns
aus Vorsicht mit Korkgürteln versehen. Nach längerem Suchen auf dem Lande
kamen wir in ein Dorf mit dem Namen Robele, dessen Bewohner uns mit-
theilten;, dafs sie kein Fahrzeug besäfsen und Tonala noch bedeutend östlicher
an der Küste läge. Ein schon in Tonala gewesener Mann erbot sich, mit an
Bord zu gehen und als Lootse zu dienen. Nach unserem Boote zurückgekehrt,
fanden wir, dafs der Wind auf NNE gegangen und zum Sturme angewachsen
war und auch die Brandung noch bedeutend zugenommen hatte. Wir versuchten
zwar, mit Hülfe einiger Leute vom Lande das Boot abzubringen, allein der
Anker des aufserhalb der Brandung liegenden ging durch, wodurch dieses der
Brandung zu nahe kam und wir gezwungen wurden, die Verbindungsleine zu
schlippen. Es blieb uns keine andere Wahl, als die Nacht über bei unserem
Boote am Strande unter freiem Himmel zu kampiren. Am Abend erlangte der
Wind sogar die Stärke 10, nach Mitternacht flaute er jedoch wieder ab.
Am folgenden Morgen gelang es uns endlich, bei mäfsigem NNW-Winde
durch die Brandung zu kommen und um 7* a, m. mit dem Lootsen unser Schiff
zu erreichen. Wir setzten darauf die Boote ein, lichteten die Anker und setzten
mit NNE-Wind, der inzwischen wieder stürmisch geworden war, unter Unter-
marssegeln, Stagsegel und Besan dicht längs der Küste auf einer Wassertiefe
von 18m (10 Fad.) die Reise ostwärts fort. Die Luft war klar, nur an den
Bergspitzen hing eine dichte weißse Wolkenschicht. Der Küstensaum war auch
hier nur einige Meter hoch und mit Gestrüpp bewachsen, während das hohe
bergige Land weiter zurück lag. Nach 2'/stündiger Fahrt sahen wir voraus
und etwas mehr seewärts Brandung, die nach der Aussage des Lootsen die
Barre von Tonala kennzeichnete, Zu gleicher Zeit kam auch von oben über
das Gestrüpp hinweg. die Lagune wieder in Sicht, und nachdem wir etwas ab-
gehalten hatten und weiter gesegelt waren, erblickten wir auch bald den Ein-
gang zur Lagune.
Der Eingang zur Lagune von Tonala ist viel breiter, als derjenige von
San Francisco und hat eine Weite von 2 Sm, Die Brecher erstrecken sich
bis 3'/a Sm von dem Eingange seewärts, weshalb man sich hier der Küste nicht
innerhalb eines Abstandes von 4 Sm nähern darf, Der Agent der San Francisco-
Dampfer in Mazatlan hat mir mitgetheilt, dafs an dieser Stelle vor einigen