Der Gebrauch von Oel zur Beruhigung der See.
von Rapsöl (als zu leicht bezeichnet) und 2 Mal von Petroleum (die Bemerkung,
dafs Petroleum keine resp. nur geringe Wirkung hat, findet sich aufserdem in
mehreren Berichten, ohne dafs diese Behauptung durch ein besonderes Beispiel
belegt ist).
6 Dan den 179 Fällen fehlt in 75 die Angabe der gebrauchten Oolart, im
Uebrigen wurde benutzt: Fischöl 25 Mal (davon 5 Mal Walfischöl, 3 Mal
Delphinöl, 1 Mal Seehundöl und 1 Mal Haileber), Specköl 3 Mal, Klauenfett
1 Mal, Leinöl 20 Mal, gekochtes Leinöl oder Firnifs 10 Mal, Rapsöl 6,
Lampenöl (ohne nähere Bezeichnung) 7, Fichtenöl 5, Olivenöl 1, Maschinenöl
(ohne nähere Bezeichnung) 2, Theeöl (? tea-oil) 1, Kokosnufsöl 1, Paraffin 1,
Petroleum 5 (davon 2 Mal als roh bezeichnet), Kerosin 7, Fischöl und Petroleum
zusammen 1, Leinöl und Petroleum 2, Leinöl und Kerosin 3, Leindl und Pa-
raffin 1, Rapsöl und Paraffin 1, Leinöl, Theer und Kerosin 1 Mal.
Die gegebenen Beispiele legen genügend Zeugnifs ab von der Nutzbarkeit
des Oels in den verschiedensten Verhältnissen, wie sie oben bereits angeführt,
auf Rhede, vor Anker und in See, beim Beiliegen und beim Lenzen vor Sturm
und See, ja sogar beim Fahrtlaufen bei backstags oder quer einlaufender See,
zum Passiren von Brandung, sowie zur Rettung Schiffbrüchiger und über Bord
Gefallener durch Boote oder kleine Fahrzeuge. Für den letzteren Zweck dürfte
es empfehlenswerth sein, an den Rettungsgürteln und Rettungsbojen ein passen-
des Gefäls mit Oel zu befestigen, nicht nur um durch dessen Gebrauch die
achwcre Gefahr zu mindern, welche dem Verunglückten durch die Brechseen
Arohen, sondern auch um dem Rettungsboote durch die erzeugte glatte Um-
gebung die Stelle zu bezeichnen, an welcher sich derselbe befindet.
Als weiteres Beispiel von der nützlichen Anwendung beim Schleppen
von havarirten Schiffen sei hier noch der Fall mit dem Norddeutschen Lloyd-
dampfer „Werra“ hinzugefügt; derselbe hatte auf der Reise von New- York
nach Bremen Anfang August vorigen Jahres schwere Havarie an Schraube und
Welle und wurde von dem Dampfer „ Venetian“ ins Schlepptau genommen, um
nach einem Amerikanischen Hafon gebracht zu werden. Während dieser Fahrt
erhob sich ein dem Kurse konträrer westlicher Sturm, in welchem die „ Werra“
schwer zu stampfen anfıng, so dafs ihr Verdeck stets unter Wasser stand und
die Bugsirtaue zu brechen drohten. In dieser kritischen Lage wurde von der
„ Venetian“ an jeder Seite ein Fafls Oel über Bord gehängt, was zur sofortigen
Folge hatte, dafs die „Werra“ viel bequemer arbeitete, kein Wasser mehr über
Bord nahm und wohlbehalten nach Boston gebracht wurde,
Wenngleich das Stadium der Versuche noch nicht als abgeschlossen zu
betrachten ist, so kann nach diesen Darlegungen doch schon jetzt den Seeleuten
nicht angelegentlich genug die Benutzung des Oels bei sich bietenden Gelegen-
heiten und in Fällen der Noth, sowie eine entsprechende Ausrüstung jeden
Schiffes mit einem gewissen Quantum — ein geringes genügt — für diesen
Zweck bestimmten Oeles (nach den bisherigen Erfahrungen am besten Fischöl),
wie dies auch bereits von einzelnen Rhedereien durchgeführt wird, empfohlen
werden, um so mehr Angesichts der außerordentlich geringen hierdurch ent-
stehenden Kosten und der auf der anderen Seite in die Wagschale tretenden
Rettung von Menschenleben und Erhaltung des Schiffes,
Andererseits sind fernere Anwendungen und Experimente von Werth, um
noch mehr Klarheit über die Erscheinung zu erlangen und weitere Erfahrungen
zu sammeln. Die bisher bekannt gewordenen Berichte sind zum Theil sehr
knapp in ihren Angaben, Zur möglichsten Förderung der Angelegenheit mu(s
es hiernach als wünschenswerth bezeichnet werden, dafs so viel als angängig
alle Gelegenheiten zu Versuchen benutzt, über alle begleitenden Umstände
gewissenhafte Beobachtungen angestellt und die an einer Centralstelle zu
3ammelnden Berichte!) entsprechend detaillirte Angaben enthalten, so in Be-
sonderem über den Zustand der See und des Windes, über die Lage und die
Bewegungen des Schiffes oder Bootes, über die zur Anwendung gelangte Oel-
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) Der Schreiber dieses (Kapt.-Lieut. a. D. Rottok, Hydrographisches Amt der Admiralität,
Berlin W, Matthäikirchstrafse 9) ist gern bereit, solche Berichte behufs weiterer Verwerthung ent-
zegenzunehmen, und wird für jede Information und Mittheilung sehr dankbar sein,
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