Der Gebrauch von Oel’zur Beruhigung der See.
und dem Wasser keine Anziehung oder Adhäsion stattfindet, so wird sich das
Oel außerordentlich schnell über eine grofse Fläche in einer sehr dünnen Schicht
ausbreiten. Dieselbe verhindert nun den Wind, das Wasser zu fassen und
dadurch die ersten kleinsten Wellen zu erregen; sie hebt die Reibung zwischen
Wasseroberfläche und Wind auf und läfst denselben über die erstere ungehemmt
hinweggleiten. Da nach Franklin diese ersten Kräuselungen der See die
Wellenelemente bilden, aus welchen durch andauernde Einwirkung und Ver-
Stärkung erst die eigentlichen Wellen anwachsen, so wird die Entstehung der-
selben im Keime erstickt. Einen Teich, meint Franklin, kann man vollkommen
beruhigen, wenn man auf die Seite kommen kann, wo die Wellen ihren Ursprung
haben. Auf dem Ocean geht dies allerdings nicht, doch läfst sich auch dort an
Ort und Stelle selbst etwas zur Mäfsigung der Brandung thun. Es bilden sich
nämlich durch den Wind auf dem Rücken einer grofsen Welle fortwährend eine
Anzahl kleinerer, durch welche die Oberfläche rauh wird, und an welchen der
Wind haftet und sie mit gröfserer Gewalt vorwärts treibt. Durch den Gebrauch
des Oels wird aber die Oberfläche wieder geglättet, es entstehen keine kleinen
Wellen und der Wind streicht ungehindert über die Oberfläche hinweg, möglicher-
weise kann der Wind sogar eine solche Welle, anstatt sie vorwärts zu schieben,
niederdrücken.
Die Gebrüder Weber „stimmen, was die Erklärung der Wellen be-
sänftigenden Kraft des Oels anlangt, Franklin im Wesentlichen bei“,
Wenn die moderne Physik sagt, durch die über das Wasser aus-
gebreitete Oelschicht wird die Spannung der Oberfläche derart geändert, dafs
der Wind nicht mehr wie sonst auf dieselbe einwirken kann, so glauben wir
hier eine fafslichere und anschaulichere Darstellung geben zu müssen.
Auch unsere Erklärung wird der Franklin’schen ähnlich sein, d. bh. sich
in der Hauptsache auf die glättende Eigenschaft des Oels stützen,
Die Wellen des Meeres sind das Erzeugnifs des Windes; wenn durch den
Stofs des Windes an der Wasseroberfläche die Gleichgewichtslage gestört wird,
so entsteht die bekannte oseillirende und fortschreitende Wellenbewegung; durch
weitere und fortdauernde Impulse werden die Bewegungen verstärkt, und all-
mählich wachsen die Wellen zu jener gewaltigen Gröfse an, wie wir sie im
freien Ocean antreffen. Die Wellenbewegung dauert noch fort, auch wenn der
Wind aufgehört hat, jedoch geht dann in dem Aussehen insofern eine Ver-
änderung vor sich, als die weißen schäumenden Köpfe der See verschwinden
und nur ruhige gleichmäfsige Schwankungen des Meeresniveaus, welche der
Seemann Dünung nennt, zurückbleiben. Da die Fortpflanzungsgeschwindigkeit
der Wellen meistens größer ist, als die des Windes, so geht häufig dem Winde
eine solche Dünung voran und warnt den Seemann vor dem herannahenden
turme,
Dieser Wellenschaum ist einer zweiten, man möchte sagen mehr momentanen
Wirkung des Windes zuzuschreiben, da sie mit dem Aufhören des Windes auch
gleich wieder verschwindet. Da nämlich die aus dem Gesammtimpuls des
Windes resultirende Wellenbewegung keine wirklich fortschreitende, sondern
nur eine oscillirende Bewegung der Wassertheilchen, nur eine Formveränderung
des Wassers ist, so schreitet der Wind über dasselbe hinweg und ruft durch
zeine Reibung an der Wasseroberfläche kleine Unebenheiten hervor; die unterste
Luftschicht ist bestrebt, die an derselben haftenden Theilchen des Wassers mit
fortzuziehen, und. es entstehen kleine Vertiefungen und Erhöhungen, in welchen
der Wind nun immer mehr Angriffspunkte und Gelegenheit zum Eindringen
findet, die einzelnen Theilchen zu besonderen kleinen unregelmäfsigen Wellen-
bewegangen zwingend oder sie mit seiner ganzen Gewalt vor sich her schleudernd.
So nimmt mit der Dauer der Wirkung auch die Gröfse derselben progressiv
zu, immer aufgeregter wird die See, immer zerrissener die Oberfläche, immer
leichteres Spiel hat der Wind.
Am meisten mufs sich diese Erscheinung an den dem Winde besonders
exponirten Stellen ausprägen, das ist an der Hinterseite oder der dem Winde
zugekehrten Seite des Wellenberges; zu Schaum gepeitscht werden hier die
einzelnen Theilchen: der Oberfläche auf die Spitze des Wellenberges empor-
getrieben, hier jenen sprühenden Glischt, den Wellenkamm, bildend, und unter
Ann. d, Hydr. ete., 1887, Heft TU.