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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Der Gebrauch von Oel zur Beruhigung der Son 
Unfälle durch die Anwendung desselben bei solcher Gelegenheit erspart werden 
würden. 
In kaltem Wasser, wo das Oel durch die niedrige Temperatur dick wird 
und sich nicht frei ausbreiten kann, wird die Wirkung sehr beeinträchtigt. Dies 
ist verschieden bei verschiedenen zur Anwendung gelangenden Oolen. 
Die beste Methode des Gebrauches an Bord scheint die zu sein, kleine 
Segeltuchsäcke, welche eine bis zwei Gallonen Oel aufnehmen können, und die 
mit einer Segelnadel durchlöchert sind, um den Austritt des Oels zu erleichtern, 
über Bord ins Wasser zu hängen, 
Der Anbringungsort dieser Säcke muß sich mit den Umständen ändern. 
Vor dem Winde laufend, sollten sie an jeder Seite des Bugs aufgehängt werden, 
etwa am Krahnbalken, und im Wasser schleppen. 
Bei Backstagswind scheint die Wirkung geringer, als in anderen Lagen 
zu sein, da das Oel hinter das Schiff geht, während die Wellen es seit- 
wärts treffen, 
Beim Beiliegen scheinen der Luvbug und eine andere Stelle weiter hinten 
die besten Plätze zum Aufhängen der Säcke zu sein, mit genügend langer Leine, 
damit dieselben sich luvwärts halten, während das Schiff treibt. 
Um mit Fluthstrom eine Barre zu passiren, ist ea am besten, Oel über Bord 
zu giefßsen, so dafs dasselbe vor dem Boote hertreiben kann, und dann unter 
Nachschleppen eines Oelsackes zu folgen. Wie vorher bemerkt, kann man sich 
unter diesen Umständen nicht ganz sicher auf die Wirksamkeit verlassen. 
Mit Ebbestrom den Versuch zu machen, eine Barre mit Hülfe von Oel 
zu passiren, erscheint nutzlos. 
Um an Bord eines Wracks zu gelangen, ist es zu empfehlen, zu Luvard 
vor demselben Oel auszugiefsen, ehe man längsseit geht. Der Effekt muß in 
diesem Falle hauptsächlich vom Strom und den Tiefenverhältnissen des Wassers 
abhängen. 
Für ein Boot, welches bei schlechtem Wetter vor einem Treibanker 
reitet, ist es rathsam, den Sack an einer Leine ohne Ende zu befestigen, welche 
durch einen Block am Anker geschoren ist, wodurch das Oel Gelegenheit hat, 
sich vor dem Boote auszubreiten, und der Sack ohne Schwierigkeit eingeholt 
werden kann, um ihn, wenn nöthig, wieder zu füllen,“ 
Diese hier ausgesprochenen Erfahrungssätze stimmen im Allgemeinen 
überein mit den von uns oben gemachten Ableitungen, nur in einem Punkte 
weichen sie wesentlich davon ab, dafs man nämlich die Säcke im Wasser 
schleppen lassen soll, während nach unserem Dafürhalten der Sack gerade über 
der Wasserfläche hängend gehalten werden mufs, und durch das Schleppen- 
lassen die Wirkung vermindert werden kann. Ferner wird es hier für die 
Kommunikation mit einem Wrack empfohlen, zu Luvard von demselben Oel zu 
gebrauchen, während wir, auf ein besonderes Beispiel gestützt, es für besser 
hielten, von Lee aus demselben beizukommen, resp. von dem in Lee befind- 
lichen Fahrzeug das Oel zu gebrauchen, da sich in diesem Falle, vorausgesetzt, 
dafs das Fahrzeug schneller treibt, als das Oel, was anzunehmen, zwischen 
beiden Fahrzeugen ein vollkommener Oelstreifen bilden wird. Stromverhältnisse 
und die Wassertiefen, welche im Britischen Cirkular besonders erwähnt sind, 
sowie die Lage des Wracks, die Möglichkeit des Bootes, nach Luvard auf- 
zurudern, und andere Umstände können natürlich Modifikationen nothwendig 
machen, und werden für sie die in einzelnen Fällen zu ergreifenden Mafsregeln 
mafsgebend sein. 
Wenn wir uns von der in Rede stehenden Erscheinung eine Erklärung 
zu geben versuchen, so ist dieselbe ebenso schwierig, wie es, wenn man nicht 
der Thatsache gegenübersteht, von vornherein wenig glaubwürdig erscheinen 
mag — und dies ist der Grund, weshalb es bisher so wenig Glauben und 
Vertrauen gefunden hat und mehr für Sage als für Wirklichkeit angesehen 
wurde — dafs man mit so winzigen Mitteln die Bändigung so gewaltiger Natur- 
kräfte sollte erzielen können. Wie bei so manchen Naturerscheinungen, in 
welche der menschliche Verstand nicht hineinzuschauen und sie zu ergründen 
vermag, so müssen wir auch hier uns mit Annahmen begnügen, 
Nach Franklin schützt das sich über die Wasseroberfläche ausbreitende 
Delhäutchen das Wasser vor dem Einflufs des Windes. Da zwischen dem Oel 
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