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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

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Der Gebrauch von Oel zur Beruhigung der See. 
Luvard, oder der Richtung, aus welcher die Wellen kommen, eine solche Oel- 
schicht zu bilden, 
Von Bedeutung hierfür ist die Wahl des Oels und die Art und 
Weise seines Gebrauchs. 
Von allen Oelen und Fetten, welche angewandt sind, haben sich die 
dickflüssigen zähen am besten bewährt, während die dünnen einen minder 
grofsen Effekt aufzuweisen haben. Besonders befriedigt sprechen sich die Be- 
richte übereinstimmend über das Fischöl (verschiedener Art) aus; weniger 
günstig lauten dieselben dagegen über die dünnflüssigeren Mineralöle; speciell 
ohne Nutzen blieb gereinigtes Petroleum, während in rohem dickerem Zustande 
ein besserer Erfolg mit demselben erzielt wurde. So nützte auf der Britischen 
Bark „Emma“ (Beispiel 10) gereinigtes Petroleum, obgleich es in grofsen 
Mengen verbraucht wurde, gar nichts und mufste durch Terpentinöl ersetzt 
werden, welches mit einer weit geringeren Quantität ein günstiges Resultat 
erzielte, Ueber den Gebrauch von rohem Petroleum liegen dagegen verschiedene 
günstige Berichte vor (von den angeführten Beispielen 11 und 14; in letzterem 
ist freilich nicht erwähnt, ob rohes oder gereinigtes Petroleum angewandt ist, 
aus den Schlufssätzen dürfte jedoch hervorgehen, dafs ersteres gemeint ist). 
Die Eingangs angeführten, vom Hydrographischen Amte zu Washington 
herausgegebenen „Pilot Charts“ empfehlen den Gobrauch von animalischen und 
vegetabilischen Oelen gegenüber den für den bekannten Zweck minderwerthigen 
Mineralölen. Wir glauben dies dahin verallgemeinern zu können, dafs unter 
sonst günstigen Bedingungen den dickflüssigeren Oelen vor den dünn- 
flüssigen der Vorzug zu geben ist. 
Die Beschränkung, welche wir unter den „sonst günstigen Bedingungen“ 
verstehen, besteht darin, dafs sich das Oel noch mit einer genügenden Schnellig- 
keit auf der Wasseroberfläche ausbreiten kann. Letzteres ist eine für die 
erfolgreiche Anwendung nothwendige Bedingung, und da im Allgemeinen mit 
der Zunahme der Dickflüssigkeit des Oels die Schnelligkeit der Ausbreitung 
desselben abnimmt, so ist hierin der Konsistenz des Oels eine Grenze gesetzt 
und ein weiteres bei der Wahl zu berücksichtigendes Moment gegeben. Es 
wird in dieser Beziehung in erster Reihe die Temperatur der Wasserober- 
fläche und der Luft mafsgebend sein müssen; je höher die Temperatur, desto 
dicker kann das Oel sein, je niedriger die erstere, desto dünnflüssiger mufs das 
letztere sein, Ein dickes Oel, welches bei hoher Temperatur die besten Erfolge 
erzielt hat, kann in kaltem Wetter werthlos werden, weil es verdickt und sich 
nicht zu einer, einen gröfseren Theil der Wasseroberfläche bedeckenden Oel- 
schicht ausbreiten kann; in letzterem Falle können dagegen dünne Oele gute 
Dienste leisten, welche sonst von geringem Werthe sind; selbst den leichten 
Mineralölen, wie gereinigtem Petroleum, ist in solchen Fällen eine Brauchbar- 
keit nicht abzusprechen. 
Leider sind in den vorliegenden Berichten über die Anwendung des Oels 
Temperatur-Angaben nicht gemacht, so dafs sich bestimmtere Ableitungen in 
dieser Beziehung nicht ausführen lassen. Aus dem Gesagten geht der Werth 
solcher Angaben hervor, und es wäre wünschenswerth, wenn dieselben in Zu- 
kunft den Berichten hinzugefügt würden. 
Als Belag für die Richtigkeit des genannten Einflusses der Temperatur 
auf die Anwendbarkeit des Oels sei von den Berichten auf die unter 16 und 25 
aufgeführten hingewiesen. Beide sprechen sich in gleichem Sinne über das 
Kokosnufsöl dahin aus, dafs dasselbe in den Tropen und bei wärmerem Wetter 
gute Dienste leistet, dagegen in der Kälte dick wird und nicht zu gebrauchen 
ist. Dafs auf dem Dampfer „North Anglia“ während der Reise nach Phila- 
delphia das angewandte Walrathöl verdickte und nichts nützte, war vielleicht 
auch eine Folge der zur Zeit (6. Januar) herrschenden niedrigen Temperatur, 
Für eine feine und ausgedehnte Verbreitung des Oels zur Bildung der 
eine möglichst grofßse Fläche bedeckenden Oelschicht ist auch durch die Art 
und Weise des Gebrauches, vornehmlich durch das zur Aufnahme des Oels 
bestimmte Gefäfs, und die Anbringung desselben Sorge zu tragen. Das letztere, 
d. h. das Gefäß, mufs aber auflserdem auf einen sparsamen Verbrauch des Oels 
Bedacht nehmen, nicht nur in rein ökonomischem Interesse, sondern auch um 
mit dem an Bord vorhandenen, immerhin an gewisse Grenzen gebundenen Vor-
	        
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