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Der Gebrauch von Oel zur Beruhigung der See.
Luvard, oder der Richtung, aus welcher die Wellen kommen, eine solche Oel-
schicht zu bilden,
Von Bedeutung hierfür ist die Wahl des Oels und die Art und
Weise seines Gebrauchs.
Von allen Oelen und Fetten, welche angewandt sind, haben sich die
dickflüssigen zähen am besten bewährt, während die dünnen einen minder
grofsen Effekt aufzuweisen haben. Besonders befriedigt sprechen sich die Be-
richte übereinstimmend über das Fischöl (verschiedener Art) aus; weniger
günstig lauten dieselben dagegen über die dünnflüssigeren Mineralöle; speciell
ohne Nutzen blieb gereinigtes Petroleum, während in rohem dickerem Zustande
ein besserer Erfolg mit demselben erzielt wurde. So nützte auf der Britischen
Bark „Emma“ (Beispiel 10) gereinigtes Petroleum, obgleich es in grofsen
Mengen verbraucht wurde, gar nichts und mufste durch Terpentinöl ersetzt
werden, welches mit einer weit geringeren Quantität ein günstiges Resultat
erzielte, Ueber den Gebrauch von rohem Petroleum liegen dagegen verschiedene
günstige Berichte vor (von den angeführten Beispielen 11 und 14; in letzterem
ist freilich nicht erwähnt, ob rohes oder gereinigtes Petroleum angewandt ist,
aus den Schlufssätzen dürfte jedoch hervorgehen, dafs ersteres gemeint ist).
Die Eingangs angeführten, vom Hydrographischen Amte zu Washington
herausgegebenen „Pilot Charts“ empfehlen den Gobrauch von animalischen und
vegetabilischen Oelen gegenüber den für den bekannten Zweck minderwerthigen
Mineralölen. Wir glauben dies dahin verallgemeinern zu können, dafs unter
sonst günstigen Bedingungen den dickflüssigeren Oelen vor den dünn-
flüssigen der Vorzug zu geben ist.
Die Beschränkung, welche wir unter den „sonst günstigen Bedingungen“
verstehen, besteht darin, dafs sich das Oel noch mit einer genügenden Schnellig-
keit auf der Wasseroberfläche ausbreiten kann. Letzteres ist eine für die
erfolgreiche Anwendung nothwendige Bedingung, und da im Allgemeinen mit
der Zunahme der Dickflüssigkeit des Oels die Schnelligkeit der Ausbreitung
desselben abnimmt, so ist hierin der Konsistenz des Oels eine Grenze gesetzt
und ein weiteres bei der Wahl zu berücksichtigendes Moment gegeben. Es
wird in dieser Beziehung in erster Reihe die Temperatur der Wasserober-
fläche und der Luft mafsgebend sein müssen; je höher die Temperatur, desto
dicker kann das Oel sein, je niedriger die erstere, desto dünnflüssiger mufs das
letztere sein, Ein dickes Oel, welches bei hoher Temperatur die besten Erfolge
erzielt hat, kann in kaltem Wetter werthlos werden, weil es verdickt und sich
nicht zu einer, einen gröfseren Theil der Wasseroberfläche bedeckenden Oel-
schicht ausbreiten kann; in letzterem Falle können dagegen dünne Oele gute
Dienste leisten, welche sonst von geringem Werthe sind; selbst den leichten
Mineralölen, wie gereinigtem Petroleum, ist in solchen Fällen eine Brauchbar-
keit nicht abzusprechen.
Leider sind in den vorliegenden Berichten über die Anwendung des Oels
Temperatur-Angaben nicht gemacht, so dafs sich bestimmtere Ableitungen in
dieser Beziehung nicht ausführen lassen. Aus dem Gesagten geht der Werth
solcher Angaben hervor, und es wäre wünschenswerth, wenn dieselben in Zu-
kunft den Berichten hinzugefügt würden.
Als Belag für die Richtigkeit des genannten Einflusses der Temperatur
auf die Anwendbarkeit des Oels sei von den Berichten auf die unter 16 und 25
aufgeführten hingewiesen. Beide sprechen sich in gleichem Sinne über das
Kokosnufsöl dahin aus, dafs dasselbe in den Tropen und bei wärmerem Wetter
gute Dienste leistet, dagegen in der Kälte dick wird und nicht zu gebrauchen
ist. Dafs auf dem Dampfer „North Anglia“ während der Reise nach Phila-
delphia das angewandte Walrathöl verdickte und nichts nützte, war vielleicht
auch eine Folge der zur Zeit (6. Januar) herrschenden niedrigen Temperatur,
Für eine feine und ausgedehnte Verbreitung des Oels zur Bildung der
eine möglichst grofßse Fläche bedeckenden Oelschicht ist auch durch die Art
und Weise des Gebrauches, vornehmlich durch das zur Aufnahme des Oels
bestimmte Gefäfs, und die Anbringung desselben Sorge zu tragen. Das letztere,
d. h. das Gefäß, mufs aber auflserdem auf einen sparsamen Verbrauch des Oels
Bedacht nehmen, nicht nur in rein ökonomischem Interesse, sondern auch um
mit dem an Bord vorhandenen, immerhin an gewisse Grenzen gebundenen Vor-