Der Gebrauch von ‚Oel zur Beruhigung der See.
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hängte sie an die Krahnbalken und liefs sie im Wasser nachschleppen. Das
Oel zeigte sich sofort an der Oberfläche und hatte den gewünschten Erfolg.
Die ungeheuren Wellen, welche im Kielwasser mit brechenden gefährlichen
Kämmen herankamen und sich hoch über dem Schiffe aufthürmten und es zu
verschlingen drohten, verloren, sowie sie an die Oeldecke herankamen, sofort
die weifßsen Köpfe und gingen harmlos in langer Dünung unter dem Schiffe
durch. Aehnliche Erfahrung wurde beim Beiliegen gemacht.
Kapt. Bailey hat alle Arten von Oel versucht und hält ohne Frage
Fischöl für das beste. Wenn ein Delphin gefangen wird, meint er, sollte das
Oel von demselben gewonnen und in Bereitschaft für den Gebrauch in schwerem
Wetter gehalten werden. Beim Lenzen sollten die Säcke an den beiden Krahn-
balken angebracht werden; wenn diese nicht weit genug von der Bordwand
abstehen, sind dieselben durch Latten zu verlängern. Beim Beiliegen wird ein
Sack am Luv-Bug und einer an der Luv-Hinterseite angebracht. Die mit vier
Quart Oel gefüllten Säcke reichen. beim Lenzen drei Stunden aus, beim Bei-
liegen. eine Stunde läuger. Kerosin- und Mineralöl hält Kapt. Bailey für
wenig zu dem in Rede stehenden Zweck geeignet.
25. Kapt. Fitt vom Dampfer „Brooklyn City“ theilt mit, dafs er zu
verschiedenen Malen Oel mit gutem Erfolg gebraucht hat. Das erste Mal
wurde ihm die Wirkung des Oels vor Augen geführt, als er auf einem hölzernen
mit Kokosnufsöl beladenen Segelschiffe am Kap der guten Hoffnung schweres
Wetter hatte und mit dem Bilgewasser zugleich etwas aus den Fässern lecken.
des Oel über Bord gepumpt wurde; rund um das Schiff hatte sich eine glatte
Wasserfläche gebildet, welche der Wirkung des Oels zugeschrieben wurde. Der
Kapitän setzt hinzu, dafs er bei kaltem Wetter wahrscheinlich nicht denselben
Nutzen vom Kokosnufßsöl gehabt hätte, da es dann dick würde..
Weiter fährt Kapt. Fitt fort:
„Ich halte den Gebrauch des Oels aus dem vorderen Kloset für das
Beste, indem man das Becken mit Werg füllt und Oel darauf giefst, so dafs es
abtropft. Wir wandten auch (auf dem Dampfer „Liandaff City“) Säcke aus
Segeltuch in Form einer Flasche an; dieselben wurden längsseit getäut, aber
oft binnenbords gespült und häufig durch das Anschlagen an die Bordwand
zerrissen. Jetzt hängen wir sie über den Bug mit nur ungefähr 1 Fad, langer
Leine, das Oel tropft ab und gelangt so an die Schiffsseite. Gewöhnlich
brauchten wir Rapsöl, rohes Leinöl oder Olivenöl aus der Maschine, alle
entsprachen dem gewünschten Zweck,
Eines Tages beobachtete ich den Effekt von rohem Leinöl, welches aus
dem vorderen Kloset ausgegossen wurde; es war ungefähr ein Quart verbraucht
und tröpfelte langsam aus.
. In der Zeit, während welcher das Oel das Heck des Schiffes erreichte,
hatte es sich bis auf 20 Fufs (6m) Abstand vom Schiffe ausgebreitet.“
26. . In ähnlicher Weise wurde Kapt. Smith von dem Britischen Schiffe
„Firth of Clyde“ auf den Werth des Oels zur Beruhigung der Seo aufmerksam,
als bei einem schweren Sturme im Südatlantischen Ocean ein Theil der geladenen
Oelfässer zerbrach und das ausgelaufene Oel über Bord gepumpt wurde. Wäh-
rend vorher die Decke fortwährend überfluthet waren, kam nachher kein Wasser
mehr an Bord. Später, im Jahre 1882, ließ er während eines Sturmes mit Oel
gefüllte Segeltuchsäcke über Bord. Der Effekt war größer, als er erwartet,
denn während vorher das Deck voll Wasser stand, wurde jetzt kein Atom
Wasser geschöpft. Auf diese Weise lief er mit dem Schiffe 30 Tage mit einer
Durchschnittsfahrt von 223 Sm per Tag und ist der Ansicht, dafs, wenn kein
Oel angewendet wäre, .das Schiff die Hälfte .der Zeit hätte beiliegen müssen,
Nach mehreren Versuchen hält er Kerosinöl für nicht so gut als dickere
Oele. So lange das Oel durch die Poren des Segeltuches gelangen kann, ist
es je dicker desto besser. Beim Beiliegen empfiehlt er drei Säcke, vertheilt
an der Luvseite, beim Lenzen vorne an jeder Seite einen, so weit wie möglich
vom Schiffe ab, anzubringen.
Als Kapt. Smith das letzte Mal in einem Orkane beim Kap der guten
Hoffnung Oel anwandte, hielt dasselbe in einem Abstande von 180m zu Luvard
vom Schiffe .die sich ringsum zu Bergeshöhen aufthürmende und brechende See
Ann, A. Hydr. ete., 1897, Heft VII.