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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Der Gebrauch von ‚Oel zur Beruhigung der See. 
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hängte sie an die Krahnbalken und liefs sie im Wasser nachschleppen. Das 
Oel zeigte sich sofort an der Oberfläche und hatte den gewünschten Erfolg. 
Die ungeheuren Wellen, welche im Kielwasser mit brechenden gefährlichen 
Kämmen herankamen und sich hoch über dem Schiffe aufthürmten und es zu 
verschlingen drohten, verloren, sowie sie an die Oeldecke herankamen, sofort 
die weifßsen Köpfe und gingen harmlos in langer Dünung unter dem Schiffe 
durch. Aehnliche Erfahrung wurde beim Beiliegen gemacht. 
Kapt. Bailey hat alle Arten von Oel versucht und hält ohne Frage 
Fischöl für das beste. Wenn ein Delphin gefangen wird, meint er, sollte das 
Oel von demselben gewonnen und in Bereitschaft für den Gebrauch in schwerem 
Wetter gehalten werden. Beim Lenzen sollten die Säcke an den beiden Krahn- 
balken angebracht werden; wenn diese nicht weit genug von der Bordwand 
abstehen, sind dieselben durch Latten zu verlängern. Beim Beiliegen wird ein 
Sack am Luv-Bug und einer an der Luv-Hinterseite angebracht. Die mit vier 
Quart Oel gefüllten Säcke reichen. beim Lenzen drei Stunden aus, beim Bei- 
liegen. eine Stunde läuger. Kerosin- und Mineralöl hält Kapt. Bailey für 
wenig zu dem in Rede stehenden Zweck geeignet. 
25. Kapt. Fitt vom Dampfer „Brooklyn City“ theilt mit, dafs er zu 
verschiedenen Malen Oel mit gutem Erfolg gebraucht hat. Das erste Mal 
wurde ihm die Wirkung des Oels vor Augen geführt, als er auf einem hölzernen 
mit Kokosnufsöl beladenen Segelschiffe am Kap der guten Hoffnung schweres 
Wetter hatte und mit dem Bilgewasser zugleich etwas aus den Fässern lecken. 
des Oel über Bord gepumpt wurde; rund um das Schiff hatte sich eine glatte 
Wasserfläche gebildet, welche der Wirkung des Oels zugeschrieben wurde. Der 
Kapitän setzt hinzu, dafs er bei kaltem Wetter wahrscheinlich nicht denselben 
Nutzen vom Kokosnufßsöl gehabt hätte, da es dann dick würde.. 
Weiter fährt Kapt. Fitt fort: 
„Ich halte den Gebrauch des Oels aus dem vorderen Kloset für das 
Beste, indem man das Becken mit Werg füllt und Oel darauf giefst, so dafs es 
abtropft. Wir wandten auch (auf dem Dampfer „Liandaff City“) Säcke aus 
Segeltuch in Form einer Flasche an; dieselben wurden längsseit getäut, aber 
oft binnenbords gespült und häufig durch das Anschlagen an die Bordwand 
zerrissen. Jetzt hängen wir sie über den Bug mit nur ungefähr 1 Fad, langer 
Leine, das Oel tropft ab und gelangt so an die Schiffsseite. Gewöhnlich 
brauchten wir Rapsöl, rohes Leinöl oder Olivenöl aus der Maschine, alle 
entsprachen dem gewünschten Zweck, 
Eines Tages beobachtete ich den Effekt von rohem Leinöl, welches aus 
dem vorderen Kloset ausgegossen wurde; es war ungefähr ein Quart verbraucht 
und tröpfelte langsam aus. 
. In der Zeit, während welcher das Oel das Heck des Schiffes erreichte, 
hatte es sich bis auf 20 Fufs (6m) Abstand vom Schiffe ausgebreitet.“ 
26. . In ähnlicher Weise wurde Kapt. Smith von dem Britischen Schiffe 
„Firth of Clyde“ auf den Werth des Oels zur Beruhigung der Seo aufmerksam, 
als bei einem schweren Sturme im Südatlantischen Ocean ein Theil der geladenen 
Oelfässer zerbrach und das ausgelaufene Oel über Bord gepumpt wurde. Wäh- 
rend vorher die Decke fortwährend überfluthet waren, kam nachher kein Wasser 
mehr an Bord. Später, im Jahre 1882, ließ er während eines Sturmes mit Oel 
gefüllte Segeltuchsäcke über Bord. Der Effekt war größer, als er erwartet, 
denn während vorher das Deck voll Wasser stand, wurde jetzt kein Atom 
Wasser geschöpft. Auf diese Weise lief er mit dem Schiffe 30 Tage mit einer 
Durchschnittsfahrt von 223 Sm per Tag und ist der Ansicht, dafs, wenn kein 
Oel angewendet wäre, .das Schiff die Hälfte .der Zeit hätte beiliegen müssen, 
Nach mehreren Versuchen hält er Kerosinöl für nicht so gut als dickere 
Oele. So lange das Oel durch die Poren des Segeltuches gelangen kann, ist 
es je dicker desto besser. Beim Beiliegen empfiehlt er drei Säcke, vertheilt 
an der Luvseite, beim Lenzen vorne an jeder Seite einen, so weit wie möglich 
vom Schiffe ab, anzubringen. 
Als Kapt. Smith das letzte Mal in einem Orkane beim Kap der guten 
Hoffnung Oel anwandte, hielt dasselbe in einem Abstande von 180m zu Luvard 
vom Schiffe .die sich ringsum zu Bergeshöhen aufthürmende und brechende See 
Ann, A. Hydr. ete., 1897, Heft VII.
	        
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