accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Der Gebrauch von Oel zur Beruhigung der See. 
295 
Das Oel zeigte sich sehr wirkungsvoll, indem es die See beruhigte‘ und 
das Ueberkommen von Brechern verhinderte. Die Boote gebrauchten Oel und 
Treibanker beinahe zehn Stunden lang, nach welcher Zeit der Sturm so ab- 
genommen hatte, dafs die Boote Fahrt laufen konnten. 
6. Kapt. J. Ritchie hat auf der Reise von Portland nach Queenstown 
mit dem Schiffe „Myrtle Holme“ dreimal mit dem gröfsten Erfolg vom Oel 
Gebrauch gemacht. Auf den Burdwood-Bänken stand eine so hohe See, dafs 
der Mann am Ruder fostgebunden werden mufste, um nicht weggespült zu 
werden, Von.beiden Nocken der Grofsraa wurde nun ein mit einer Segelnadel 
durchlöcherter Sack aus Segeltuch gehängt, welcher ungefähr eine halbe Gallone 
gewöhnliches Lampenöl enthielt. Zwei Minuten darauf waren die Brecher der 
See verschwunden uud das Schiff blieb trocken, obgleich in geringer Entfernung 
dieselbe See wie vorher ‚stand. Ein zweites Mal wurden beim Beiliegen des 
Schiffes ebenfalls zwei Säcke mit Oel über Bord gehängt, welche aber nicht 
durchlöchert waren; einer war vor der Fockrüst, der andere hinter der Kreuz- 
rüst, jeder an einer 20 Fufßs (6 m) langen Leine angebracht. Die Oberfläche 
des Wassers war sofort ruhig und das Schiff nahm kein Wasser über, Bei der 
dritten Gelegenheit wurden die Säcke mit ungefähr einem Faden Leine am 
Butluv aufgehängt, so dafs sie beim Stampfen des Schiffes ins Wasser tauchten; 
der Erfolg war ebenso günstig. In allen drei Fällen wurde nur wenig Oel ver- 
braucht, und Kapt. Ritchie ist der Ansicht, dafs Oel sowohl beim Beiliegen 
als Lenzen von gröfstem Nutzen ist.‘ 
7. Kapt. Henderson vom Britischen Dampfer „Napier“ theilt mit, dafs 
er auf der Reise von Baltimore nach Cork in 37° N-Br und 50° W-Lg am 
26. Januar 1885 einen starken Orkan aus NW, mit gewaltiger See aus derselben 
Richtung hatte. Eine hohe Sturzsee nahm das Sturmdeck weg und überfluthete 
das ganze Oberdeck. Er wollte erst beidrehen, doch, sich der Wirkung des Oels 
erinnernd, ließ er zwei mit der Segelnadel durchlöcherte Säcke von Segeltuch 
mit je zwei Gallonen Lampenöl (was für 2’ Stunden reichte) füllen, welche 
bei der Fockrüst befestigt im Wasser nachgeschleppt wurden. Da sie jedoch 
durch die See an Bord geworfen wurden, so wurden sie später am Vorsteven 
so befestigt, dafs sie gerade bis zur Wasseroberfläche reichten. In dieser Lage 
wirkten sie vorzüglich. Zu beiden. Seiten des Schiffes befand sich ein ca 20 Fulfs 
(6 m) breiter ruhiger Streifen auf dem Wasser, der sich beim Heck des Schiffes 
fächerförmig ausbreitete. Hinter dem Heck sah Kapt. Henderson die hohen 
Seen sich dem Schiffe bis auf 60 oder 70 Fufs (18—21 m) nähern, alsdanon bei 
der Berührung mit dem Oel verschwinden, und an Bord wurde nur eine Dünung 
verspürt. Drei Tage und Nächte lief das Schiff auf diese Weise, ohne einen 
Tropfen Wasser an Deck zu bekommen. Als der Vorrath an Lampenöl anfıng 
knapp zu werden, wurde Leinöl (paint-oil) mit demselben günstigen Erfolge 
verwendet. ; . 
8. Kapt. W. Peake vom Schoner „J. F. Krantz“ hatte am ‘26. De- 
zember 1885, 15 Sm östlich von Hatteras, einen schrecklichen Sturm aus Nord- 
nordost zu bestehen. Die Segel flogen weg, die Leute wurden von den Pumpen 
weggespült, Boote und andere Gegenstände an Deck durch die See zerschlagen. 
Das Schiff war gezwungen, unter Topp und Takel nach Süden zu lenzen. Der 
Kapitän beschlofs, die Wirkung des Oels zu erproben, Es wurden zwei gewöhn- 
liche kleine Zehn-Gallonen-Fässer genommen, in welche je acht Gallonen 
gekochten Leinöls gefüllt und im Deckel und Boden je ein kleines Loch 
gebohrt wurde, gerade grofs genug, um dem Oel tropfenuweise den Austritt zu 
yestatten; an jeder Seite des Hinterschiffs wurde ein Fafs über Bord gehängt, 
Die Wirkung war so gut, wie man sie sich nur wünschen konnte; kein Tropfen 
Wasser kam mehr an Bord, die Leute konnten wieder an die Pumpen gehen, 
das Schiff konnte lenz gepumpt und das Deck aufgeklart werden. 
9. Kapt. E. L. Arey vom Schooner „Jennie A. Cheney“ schreibt: „Ich 
gebrauchte Oel mit gutem Erfolge während des letzten heftigen Orkanes am 
25. August (1885) in 31° N-Br und 79° W-Lg. Der Wind nahm das Grofs- 
segel und auch das Sturmtrysegel weg; das Schiff nahm grofse Mengen Wasser 
äber. Da es nothwendig war, etwas für die Rettung der Mannschaft zu unter- 
nehmen, nachdem die Segel weggeflogen waren, nahm ich einen kleinen Scgel- 
tuchsack, füllte ca 5 Gallonen Leinöl in denselben und hängte ihn an Steuer-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.